9000 Fans feiern Nickelback bei Konzert in Köln

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[Update] Köln - Rund 9000 Fans haben in der Kölner Lanxess-Arena die volle Dröhnung Nickelback genossen. Rund zwei Stunden lang präsentierte das Quartett die größten Hits seiner Karriere.

Die Jungs von Nickelback lieben ihre „Ladys“. Gleich mehrfach werden die weiblichen Fans der Band beim Konzert in der Kölner Lanxess-Arena adressiert. Vor allem in den vorderen Reihen stehen sie dicht an dicht, halten Spruchbänder hoch und schmachten die attraktiven Musiker an.

Dass dazwischen auch Kerle mit Nietengürteln auftauchen und Gelegenheit bekommen, ihre Mähnen zu schütteln, verwundert niemanden. Denn Nickelbacks musikalische Ausrichtung setzt seit jeher auf Massenkompatibilität. Ecken und Kanten sucht man im Sound der Band vergebens. Stattdessen spielt sich der Vierer hauptsächlich durch eingängige Stadion-Pop-Rock Songs nach Schema F, ideal fürs Radio und schön filetiert in dreieinhalb bis vier Minuten lange Häppchen - unterlegt mit Chad Kroegers Reibeisenstimme.

Nickelback stoppen auf ihrer Tour in Köln

Zwischendurch wird es auch mal härter, etwa beim „Metaley“ zur Konzert-Halbzeit oder vor allem beim heimlichen Höhepunkt des Auftritts, dem Foo-Fighters-Cover „Everlong“ als Zugabe. Gerade dann ist Frontmann Kroeger die pure Spielfreude anzumerken, und sein James-Hetfield-Habitus bricht durch. Wie der Metallica-Sänger geht Kroeger breitbeinig in die Hocke und bearbeitet gestenreich seine Gitarre. Und auch Gitarrist Ryan Peake setzt auf eine ordentliche Portion Metal-Attitüde, wenn er die Flying V umschnallt und zu „Figured You Out“ harte Riffs anstimmt.

In solchen Momenten markieren die Kanadier die harten Jungs: „Ich war gestern raus und habe mir die Kante gegeben, war um 7 Uhr zurück, und jetzt habe ich einen Kater“, erzählt Chad Kroeger von einem nächtlichen Ausflug. „Noch zwei Songs und ich trinke wieder.“ Irgendwann gibt’s tatsächlich rote Plastikbecher für die Band. Kroeger führt ein inniges Zwiegespräch mit seinem Trinkbehältnis als unterhielte er sich mit einem guten Freund. „Prost!“ ruft er. Dann nimmt er einen kräftigen Schluck.

Den großen Karriere-Erfolg haben Nickelback aber nicht mit ihren Heavy-Stücken eingefahren, sondern vielmehr mit den zahlreichen Softrock-Nummern, zu denen im Kölner Rund die Handykameras aktiviert, die Arme geschwenkt und die Refrains im Chor mitgesungen werden. Die Grenze zum Kitsch ist fließend. Vor allem, wenn zum Schmalz aus den Boxen bei „Far Away“ auf der Leinwand ein Meer von Kerzen flackert. Oder wenn Chad Kroeger in der Pathos-Hymne „Photograph“ in Jugend-Erinnerungen schwelgt – ein Song für die späten Stunden auf Abifeiern, wenn sich die verabschiedete Meute bierselig in den Armen liegt.

Manchmal auch mit Schlager-Touch

Mancher Song bringt gar einen Schlager-Touch mit: „What Are You Waiting For“ etwa kommt in der Strophe sehr nah an Wolfgang Petrys „Ruhrgebiet“ heran. „Stand Together“ hat etwas vom Partyknaller „Live Is Life“ und passt damit perfekt in die DJ-Auswahl fürs nächste Schützenfest. Dass Chad Kroeger optisch gesehen der Zwillingsbruder von Florian Silbereisen sein könnte, passt da irgendwie. Die Fans jedenfalls lieben den Band-Sound und hüpfen ausgelassen zum Feten-Rock. Der Sänger lacht kumpelhaft, witzelt herum und holt sich für „Rockstar“ zwei Fans zur Unterstützung auf die Bühne. Vor allem „Aushilfssänger“ Patrick hat es Kroeger angetan: „Mann, das war der weiße Snoop Dogg“, amüsiert sich der 41-Jährige im Nachhinein über den lässigen Auftritt des Fans.

Bei „Lullaby“ legt Gitarrist Peake sein Instrument kurzzeitig ab und nimmt am Piano Platz. „Elton John war leider nicht verfügbar. Jetzt müsst Ihr mit mir Vorlieb nehmen“, lacht er ins Publikum und stimmt das theatralische Stück an, das poppiger nicht sein könnte. Dass es auch pur und authentisch geht, beweisen er und Kroeger bei „Mistake“. Da nehmen sie auf Barhockern Platz und schaffen an Akustikgitarren einen Moment voller Intimität. Die „Ladys“ kleben den beiden an den Lippen, und auch die schweren Rocker hören erfüllt zu.

Quelle: wa.de

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