„Parkomanie“ mit Fürst Pückler in der Bundeskunsthalle Bonn

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Das Porträt von Hermann Fürst von Pückler-Muskau in preußischer Uniform (1846) ist in Bonn zu sehen.

BONN - „Es war eine entzückende Nacht, und von Gedanken zu Gedanken, gerieth ich in eine Stimmung, wo ich auch hätte Geister sehen können!“ In täglichen Briefen schildert Hermann Fürst von Pückler-Muskau 1828 seiner Lucie Eindrücke aus England. Kurz vorm Bankrott war er aufgebrochen, sich eine wohlhabende Braut zu suchen und durch die Mitgift seinen Besitz Muskau zu retten.

Eigens dafür hatte er sich einvernehmlich von Lucie scheiden lassen. Die drei Jahre dauernde Brautschau brachte keinen Erfolg. Die Geldsorgen war Pückler trotzdem vorerst los, denn 1832 erschienen seine Reiseberichte anonym als „Briefe eines Verstorbenen“ und wurden zum Bestseller.

Die großartige Schau „Parkomanie“ in der Bundeskunsthalle Bonn stellt mit rund 250 Exponaten den Gartenkünstler Pückler (1785– 1871) und seine drei nach englischem Vorbild angelegten Landschaftsparks in Bad Muskau/ Leknica, Babelsberg und Branitz vor. Zu sehen sind originale Gartenpläne, historische Fotografien, persönliche Gegenstände und Reisemitbringsel des Fürsten sowie Filmmaterial von Drohnenflügen über die Anlagen und Computeranimationen. So zeigen Zeitrafferaufnahmen die Parks im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten, ebenerdige Videoprojektionen lassen die Grundrisse überblicken, historische Lithografien wurden in dreidimensionale Dias umgewandelt. Außerdem ist auf dem Dach der Kunsthalle ein Garten nach Pücklers Gestaltungsideen angelegt.

Der exzentrische Lebemann, passionierte Reisende und Schriftsteller war eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Heute verbindet man ihn vor allem mit dem dreischichtigen Eis, das ihm der Königlich-Preußische Hofkoch Jungius 1839 widmete. Ob der Fürst, der seine Gäste gern üppig bewirtete, wie die Schau anhand von Speiseplänen und einem gedeckten Tisch zeigt, dieses Eis je gegessen hat, ist jedoch fraglich.

Bereits 1814 hatte Pückler in England zahlreiche Landschaftsgärten besichtigt und im Jahr darauf begonnen, einen Park in der Tal- und Auenlandschaft der Lausitzer Neiße um den Ort Muskau anzulegen. Mithilfe einer sogenannten Verpflanzmaschine (vor der Kunsthalle zu sehen) ließ er Großbäume umsetzen und schuf Wälder, legte Sichtachsen an und brachte Flüsse und Seen in die Landschaft. Heute ist der deutsch-polnische Park Muskau mit 2500 Hektar Gesamtfläche Unesco-Welterbe und der größte Landschaftspark Mitteleuropas.

„Knickern aber darf man nicht, denn umsonst ist nur der Tod“, so Pückler. Dennoch ließ sich sein Plan, das aus dem 17. Jahrhundert stammende Schloss nach Entwürfen von Architekt Karl Friedrich Schinkel zur „Muskauer Akropolis“ umzubauen, nicht realisieren. Es blieb zu viel zu tun und das Geld rann ihm durch die Finger. Dazu kam das Fernweh. 1834 brach Pückler zu einer Orientreise auf. Seine Reiseabenteuer veröffentlichte er in Büchern unter dem Pseudonym „Semilasso“ (der Halbmüde).

Auf dem Kairoer Sklavenmarkt hatte er sich drei Begleiterinnen gekauft, darunter Machbuba. Ein Ölporträt zeigt sie in türkischer Tracht. Lucie, die während der Abwesenheit des Fürsten unermüdlich seine Gartenprojekte vorantrieb, war wenig begeistert, als Pückler nach sechs Jahren mit dem Mädchen zurückkehrte. Es starb allerdings bald an Tuberkulose.

1842 beauftragte Kronprinz Wilhelm, der spätere König und Kaiser, Pückler mit der Umgestaltung seiner Babelsberger Residenzanlage. Hier ließ er einen „Pleasureground“ mit aufwändig bepflanzten Terrassen rund um das Schloss anlegen und nutzte modernste Ingenieurstechnik, um Wasser mit 40 PS in gusseiserne Leitungen zu pumpen und damit die Wasserversorgung der Neupflanzungen zu sichern. Ein Fragment des historischen Wassersystems steht in der Ausstellung.

Trotz großzügiger Bezahlung durch den Kronprinzen war Pückler dermaßen pleite, dass Muskau 1845 an Prinz Friedrich der Niederlande verkauft werden musste. Mit Lucie zog er sich auf das heruntergekommene väterliche Gut Branitz bei Cottbus zurück. Widerwillig, da er die Gegend als öde empfand. Doch innerhalb von zweieinhalb Jahrzehnten hatte er die Sandwüste in einen Park mit Baumgruppen, Wasserflächen und intimen Lauben verwandelt. 1856 waren zwei Pyramiden in einem See errichtet worden, als Grabstätten für ihn und die zwei Jahre zuvor verstorbene Lucie. „Weil ein solcher Sandhügel … das Bleibendste ist, was es auf Gottes Erde giebt“, so Pückler.

Marion Gay

Die Schau

Ein großartiges Porträt des Exzentrikers und Gartenkünstlers, der sich mit Parks verewigte:

Parkomanie in der Kunst und Ausstellungshalle der Bundesrepublik in Bonn.

Bis 18. September; di – mi 10 – 21, do – so 10 – 19 Uhr

Tel. 0228/ 9171 200

www.bundeskunsthalle.de

Katalog, Prestel Verlag, München, 39,95 Euro

Quelle: wa.de

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