Promotion für Tournee 2015 in NRW 

Peter Maffay und Band rocken live im InterCity

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Peter Maffay und Band spielten im InterCity.

DORTMUND/KÖLN - 19 Konzerte binnen 30 Tagen in 18 großen Arenen: Peter Maffay geht Anfang des Jahres auf "Wenn das so ist"-Tournee. Mit einer Promotion-Tour von Kiel nach Nürnberg im InterCity hat er am Donnerstag die Werbetrommel gerührt. Live-Musik und enger Fan-Kontakt inklusive - auch in NRW.

Pünktlich um 16.32 Uhr fährt der InterCity 2229 im Hauptbahnhof Dortmund ein. Pendler steigen ein und aus, Alltag auf Gleis 11. Denkste! An der Zugspitze, direkt hinter der Lokomotive, sind zwei Waggons in Schwarz "gebranded". Sie ziert das dynamische Logo der "Rock 'N' Rail"-Tour von Deutsch-Rocker Peter Maffay (65).

Gut zu wissen

Konzerte in NRW 2015:

16.1.: Dortmund (Westfalenhalle)

17.1.: Köln (Lanxess Arena)

12.2.: Halle/Westfalen (Gerry-Weber-Stadion)

Alle Tour-Daten 2015 gibt es hier

Mehrere Tage hat es gedauert, bis aus einem Sambawagen ein Konzertsaal mit kleiner Bühne geworden ist, der mit bis zu 200 km/h von Nord nach Süd über die Schienen der Republik donnert.

"Die Leute haben Spaß, legen sich gut in die Kurve. Alles läuft perfekt - es war gut vorbereitet und klappt einigermaßen. Man kann spielen. Du kannst natürlich nicht so Musik machen wie sonst. Wir spielen auch nur die Dinge, die - ich sag mal - nicht so filigran sind, weil du bist ja pausenlos in Bewegung", erzählt Maffay beim Smalltalk im zweiten Waggon.

Hier sind die Abteile für die insgesamt rund 30-köpfige Crew, die sich um die Fans und die Medienvertreter kümmert. Und hier ist Ruhe für Sechs- oder Acht-Augen-Gespräche mit einem Künstler, der sich betont offen zu allen Themen gibt und bei seinen Antworten augenscheinlich so spricht, wie es ihm in den Kopf schießt.

Nachgefragt - zum Ersten

Wie steht man eine solche Tournee, wie sie jetzt mit sechs Konzerten pro Woche wartet, durch?

Maffay: "Es geht nur mit Disziplin. Es geht nur mit ein bisschen Sport. Es geht nicht mit Alkohol und Partys im überzogenen Maße. Wir sind keine Kinder von Traurigkeit, aber das steht niemand durch. Das Publikum, das am nächsten Tag kommt, hat ein Recht darauf, uns in einer guten Verfassung vorzufinden. Dafür zahlen die. Das weiß jeder von uns, dafür sind wir Profis genug. Ansonsten: Liegestütz."

Vor rund 20 Jahren ist er schon einmal zu Werbezwecken mit dem Zug durchs Land getingelt. Nicht so schnell, ohne Live-Musik, mit weniger Aufmerksamkeit in Print, Radio und Fernsehen. Und schon gar nicht konnten Fans dabei sein, die diesmal über die Social-Media-Plattform facebook unter Tausenden die begehrten je 30 Tickets für sieben Etappen gewonnen haben.

"Ich habe so etwas wie hier eigentlich nur auf einem Schiff erlebt. Da hat ein Typ die Orgel gespielt - und die Orgel ist ihm ständig abgehauen. Ein bisschen fühlt sich das so an, aber es geht schon, es ist okay. Das ist aber auch nicht der wichtigste Aspekt. Die Leute kommen zusammen, wir quatschen ein bisschen, wir tauschen uns aus. Das war es", sagt Maffay. "Wir sind um 12.30 Uhr in Kiel gestartet, halb Elf in Nürnberg und dann wahrscheinlich auch platt."

Schon kurz nach 17 Uhr - viereinhalb Stunden nach dem Start und fünfeinhalb Stunden vor dem Zieleinlauf - ist seine Stimme etwas angegriffen. "Es ist das Singen nicht so sehr, sondern das Labern", lacht der Star ohne Allüren, der seinen Fans unvergessliche Momente beschert.

Hier ein Autogramm, eine Widmung, dort ein Foto - dazu in der Hand ein kleines Glas Bier. In Kiel, Hamburg, Osnabrück, Dortmund, Köln, Mainz und Aschaffenburg steigen neue Fans ein. Es gibt ein Schild zum Umhängen: "Maffay-Fan". Sie alle zücken das Smartphone oder die Kamera - die Zeit bis zum nächsten Konzert vergeht mit diesen Erinnerungsstücken wie im Flug.

Nachgefragt - zum Zweiten

Wie stehen Sie heute zu den Liedern aus der Anfangszeit Ihrer Karriere?

Maffay: "Es gibt welche, die waren scheiße, und es gibt welche, die waren wunderbar. Es gibt Schnulzen, da haben sich viele Menschen gefunden und sind heute noch zusammen. Damit haben wir also niemanden verletzt. Es ist viel harmloser, als man denkt. Ich kann mit etlichen Songs von früher eine Menge anfangen. Und es gibt Songs, mit denen kann ich gar nichts anfangen, die verstecke ich lieber."

Natürlich liegt das auch an der Musik. Schon zwischen Dortmund und Hagen greifen Maffay und seine fünfköpfige Band zu den Instrumenten. Der Sound ist gewaltig. Ja, viel besser als erwartet, die Stimmung könnte besser nicht sein. "Niemals war es besser" heißt das erste Stück. Passend.

Stammbesetzung der Band an Bord

Bei "Wenn der Himmel weint" klatschen die Fans spätestens beim Refrain alle rhythmisch mit. "Egal, wie hart es kommt, du findest deinen Weg nach Haus. Egal, wie tief du fällst, du findest deinen Weg hier raus", singen sie zu viert. Die Band vermittelt das Gefühl, als wäre es der erste Gig im Zug. Es ist der vierte - das nennt man dann wohl professionell.

Bertram Engel spielt das Schlagzeug, Pascal Kravetz sitzt am Keyboard, Ken Taylor spielt die Bassgitarre. Peter Keller und Carl Carlton nehmen schließlich vore mit ihren Gitarren Peter Maffay in die Mitte. Gemeinsam mit den Fans geht es ins "Gelobte Land". Das liegt inzwischen kurz vor Wuppertal.

Gelobtes Land: Das offizielle Video

Im Pressegespräch im zweiten Waggon bezieht Maffay dann klar Stellung zur Kritik am deutschen Band-Aid-Song 2014, der deutschen Version der Benefiz-Single "Do They Know It's Christmas", dessen Erlös beim Kampf gegen Ebola helfen soll und bei dem auch Maffay mitgewirkt hat:

"Mir erscheint diese ganze Diskussion ziemlich hinrissig, völliger Schwachsinn. Ich kenne sehr viele Leute, die eine solche Position beziehen, aber im Grunde genommen selber keinen Finger krumm machen. Für nichts", so Maffay.

Band Aid 30 Germany: Das offizielle Video

Der nimmt die prominenten Initiatoren in Schutz: "Ich glaube nicht, dass Campino das nötig hat, nachzuweisen, dass er integer ist oder nicht. Und ich glaube auch nicht, dass Bob Geldorf das nötig hat. Beide haben mehrfach bewiesen, wie sie sich in der Gesellschaft einbringen. Und ich glaube, dass wir es auch nicht nötig haben, uns nach zwölf Jahren Stiftungsarbeit mit 1200 Kindern, die uns jedes Jahr erreichen, für so eine Geschichte zu rechtfertigen.

Nachgefragt - zum Dritten

Wie feiert Peter Maffay Weihnachten 2014?

Maffay: "Meine Familie, meine Frau und mein Sohn, sind unter uns. Ich versuche, Weihnachtslieder zu vermeiden, quetsche mir aber auch Oh Tannenbaum raus. Der Kleine spielt Klavier, in zunehmendem Maße freiwillig. Ich kann das jedem nur empfehlen: Jedes Kind, das Musik macht, lernt eine zusätzliche Sprache."

Im Gegenteil: Ich glaube, dass das, was da passiert, insgesamt eine Hilfestellung ist für diejenigen, die die Hilfe brauchen. Das sind diese Länder, in denen die Mittel sehr rar sind, Maßnahmen zu ergreifen zur Eindämmung der Seuche. Ich halte diese Form von Kritik für extrem zynisch. Für mich zählt mehr das Ergebnis. Ob der eine jetzt mehr oder weniger aus Promogründen mit dabei war, ist doch völlig scheiß egal. Es ist eine Nummer eins im Augenblick, das ist eine gute Geschichte. Und letztlich wird man sagen: 'Das ist ein gutes Ergebnis.' Das müssen andere erst mal nachmachen."

Tabaluga soll es 2017 als animierten Spielfilm geben.

Apropos gutes Ergebnis: Das erhofft sich Peter Maffay künftig auch vom Projekt Tabaluga. 2013 hat er die Rechte für einen Millionenbetrag zurückerworben, kündigte einen neuen Tonträger und außerdem auch einen animierten Spielfilm an, der 2017 fertig sein soll. "Das Thema ist natürlich jetzt viel vitaler als vorher, zumal die Zielsetzung die ist, die Einspielergebnisse, die aus Tabaluga resultieren, unserer Stiftung zuzuführen, damit die unabhängig wird von mir. Ich werde nicht immer der Motor sein können."

Nach dem Presseplausch kehrt Maffay zurück in den ersten Waggons zu seinen Fans. Es sind neue da - also werden wieder Fotos gemacht, Autogramme geschrieben.

Der InterCity erreicht Köln Hauptbahnhof, Pünktlich um 17.46 Uhr. Pendler steigen ein und aus, Alltag auf Gleis 7. Denkste! Endstation, es geht zurück nach Dortmund. Nicht für Maffay, Band und Crew. Noch etwas mehr als vier Stunden bis Nürnberg. Vorhang auf zum fünften Gig...

Quelle: wa.de

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