Das Pianos Trio beim Klavierfestival

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Alessandro Stella, Giorgia Tomassi und Carlo Maria Griguoli (von links) sind das Pianos Trio.

Duisburg -  Sie haben eine Neigung zu Naturgewalten, und sie können dazu einiges aufbieten. Die drei italienischen Pianisten des Pianos Trio sitzen an den imposanten Steinway-D-Modellen, die auf der Gebläsehallen-Bühne im Duisburger Landschaftspark Nord zusammengeschoben sind. Eine ungewöhnliche Besetzung, für die Carlo Maria Griguoli die meisten Werke eingerichtet hat. Gut fünfeinhalb Meter entfernt von ihm greift gegenüber Alessandro Stella in die Tasten, dazwischen spielt Giorgia Tomassi.

Claude Debussys „La Mer“ (1903) wird von ihnen regelrecht entfesselt, nachdem Johannes Brahms’ „Akademische Festouvertüre“ zum Einhören in den besonderen Klang der drei Flügel da war. Die sinfonische Dichtung wirkt hier als Bearbeitung und ohne den großen Orchesterapparat, also ohne Harfensäuseln, Streicherwogen, asiatischem Gong und finalem Paukenschlag, erst einmal matt und trocken. Fehlen die impressionistischen Klangfärbereien, tritt dafür das musikalische Material umso deutlicher hervor: Debussys kühne Aufwühlungen, seine freien Motive, sein Interesse an pentatonischer Harmonik. Auch im spröderen Klavier-Klangbild schimmert das Meer, die Wellen brodeln, rollen, spritzen.

Ungleich brachialer geht es in dem Stück „Vaalbara für drei Klaviere“ zu, einer Original-Komposition von Carlo Boccadoro für das Pianos Trio. Der Name bezieht sich auf einen Urkontinent, der als schwer fassliches, von berstender Energie vibrierendes Gebilde aufflackert. In den Bässen der drei Flügel gurgelt eine Ursuppe, bewegt von wuchtigen seismischen Wellen; darüber zeichnet immer wieder eine scharfkantige Tonfolge ab.

Tomassi, Stella und Griguoli bilden in blindem Einvernehmen auch hier einen homogenen Klangkörper, sie suchen kaum einmal Blickkontakt untereinander. Ihre Instrumente stehen in der Mitte zusammen, die Deckel sind abgenommen, so dass der Klang kaum einmal Räumlichkeit entfaltet. Dennoch produzieren die Pianisten auch in mittleren und tiefen Lagen durchhörbare Tiefenschärfen. Für einen besonders transparenten Effekt greift Giorgia Tomassi einmal auch direkt in die Saiten: Die Bedrängnis von Paul Dukas’ „Zauberlehrling“ löst sich in vier Harfentönen auf.

Ganz andere Töne schlägt das Pianos Trio mit einem Potpourri aus Dmitri Schostakowitschs Revue „Moskau, Tscherjomuschki“ (1959) an. Entstanden nach Stalins Tod in einer politischen Tauwetterperiode, werden in dem Bühnenwerk hoffnungsfrohe junge Paare auf Wohnungssuche in einer Moskauer Trabantenstadt mit der real existierenden Misswirtschaft konfrontiert. Griguolis Arrangements bilden – für Schostakowitsch ungewöhnlich leicht gesinnte – Szenen ab, die er mit seinen Trio-Partnern hoch virtuos und elegant musiziert: aufgekratztes Straßenleben, ein schmachtendes Lied ohne Worte, Kabbeleien mit Slapstick-Qualität und am Ende sogar Operetten-Schmäh.

Festival bis 10. Juli; Tel.: 01806/500 803; www.klavierfestival.de

Quelle: wa.de

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