Populismus an die Macht: In Dortmund hat das Peng! Collective die Arbeit aufgenommen

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Smarte Vordenker des Populismus: Paul von Ribbeck stellt die Arbeit des Peng! Collective vor.

Dortmund - Der Populismus hat einen schlechten Ruf hierzulande. Da denkt man an Politiker, die dem Volk nach dem Munde reden, um ihre Macht zu sichern. An Zusammenrottungen verunsicherter, aufgehetzter, meistens von Nachdenken unberührter Menschen wie bei Pegida-Demonstrationen. In Dortmund versuchen in den nächsten Monaten die Aktivisten des Peng! Collective, den Populismus mit neuem Inhalt zu füllen.

Unter Intendant Kay Voges wird das Schauspiel Dortmund zur Anlaufstelle für Aktionskünstler, auch wenn die dem Medium eigentlich nicht verbunden sind. Das Theater soll in die Gesellschaft eingreifen. Vor einigen Wochen hatte das Berliner „Zentrum für politische Schönheit“ mit seinem Wut- und Warnabend „2099“ Premiere. Das Peng! Collective hingegen sucht die Zusammenarbeit mit den Bürgern. Die Eröffnungsparty auf der Bühne des Schauspiels diente denn auch dazu, das kreative Potenzial der Ruhrgebietler zu aktivieren.

Da gab es vorab knallige Straßenmusik mit der Band Avantibumbum, da gab es Sekt und Freibier im Anschluss und ein etwas schmalziges Lied: „Ich freu mich, populistisch zu sein.“ Und die Dortmunder Schauspielerin Friederike Tiefenbacher verlas, als Mischung aus Engel im roten Kleid und Pippi Langstrumpf aufgehängt an Drahtseilen, ein „populistisches Manifest“, das nicht nur postuliert, dass das Recht nicht verkauft wird, sondern erkämpft, sondern auch die sympathische Forderung erhebt: „Schokolade für alle“.

Wie die Aktionen der neuen Agentur „Die Populistinnen“ aussehen können, das zeigten beispielhaft Einspielfilme von bisherigen Coups der Berliner Gruppe. So fälschten sie eine Pressemitteilung von Vattenfall, wonach der Energiekonzern den Ausstieg aus der Kohleenergie, die Umstellung auf regenerative Energien bei Erhaltung aller Arbeitsplätze ankündigte. Medien und Politiker fielen auf die Aktion herein.

Hinreißend auch eine Kampagne, mit der Fluchthelfer für Asylsuchende mobilisiert werden sollen. Ein Internetvideo in der Anmutung einer Automobilreklame zeigt ein älteres Ehepaar Alpenserpentinen durchfahren, auf dem Rücksitz ist ein Afrikaner.

Perfekt nutzen sie die medialen Mittel für das Projekt „Intelexit“, mit dem sie reuigen Geheimdienstmitarbeitern Hilfe zum Ausstieg aus dem kriminellen Sumpf anbieten. Der Dortmunder Schauspieler Uwe Schmieder mimt im Video einen von seiner Arbeit traumatisierten ehemaligen Stasi-Agenten. Der Peng!-Aktivist Paul von Ribbeck berichtet, dass aus dem subversiven Spaß inzwischen Ernst wurde und sich tatsächlich ausstiegswillige Agenten gemeldet hätten, die an Juristen weitervermittelt würden.

Was dem Volk in und um Dortmund so einfällt, das soll in ähnlich witzig entlarvenden Aktionen umgesetzt werden. Fragebogen wurden schon auf der Gründungsparty verteilt. Aber die Peng!-Leute sind für weitere Vorschläge offen. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein.

www.populisten.com

www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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