Max Raabe zelebriert „Eine Nacht in Berlin“ im Konzerthaus Dortmund

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Ein Stammgast in Dortmunds Konzerthaus: Max Raabe wieder betont kontrolliert und souverän.

DORTMUND - Es ist ein Überraschungsmoment, wenn über dem Podium des Palast Orchesters die Leinwand aufscheint mit der Szene eines Balls. Da drehen elegante Paare zum Foxtrott ihre Runden, kurz nur, aber es ist, als hätten Max Raabes Gesangszeilen Gestalt angenommen: „Tausendmal war ich im Traum bei dir“.

Der in Lünen geborene Bariton ist Stammgast im Konzerthaus Dortmund, und auch am Samstag war sein Konzert ausverkauft. Für das aktuelle Tourprogramm „Eine Nacht in Berlin“ mischt er die Schlager der Goldenen Zwanziger mit den neuen Titeln, die Annette Humpe mit ihm geschrieben hat und die den Ton von damals so organisch in die Gegenwart transponieren. Die Jahrzehnte gingen dahin, doch noch immer bewegt die Liebe den Sänger und sein treues Publikum. „Küssen kann man nicht alleine“, das er diesmal als Zugabe singt, greift den Witz der unsterblichen Lieder eines Walter Jurmann auf.

Und selbst der Operettenkönig Robert Stolz klingt bei Raabe richtig frivol, wenn der voller Körperspannung am Mikrophon steht und beschwichtigt: „Hab keine Angst vor dem ersten Kuss“. Die Auftritte des Palast Orchesters sind Gesamtkunstwerke, durchgestaltet von den Mini-Choreografien, mit denen Saxophonisten und Blechbläser den Takt untermalen, über die fein austarierten Moderationen, in denen der Sänger über Zeitreisen und Helden philosophiert. Beim herrlich albernen Fred-Raymond-Schlager „Ich steh mit Ruth gut“ blitzen kleine Filmszenen auf, in denen der Muppet-Frosch Kermit verschiedene Instrumente bedient, abgestimmt auf das Bühnengeschehen.

Noch kleine Gesten sind geplant: Mitten in Stolz’ Lied verlassen Raabe und der Pianist Ian Wekwerth die Bühne, und sie gehen dabei synchron in strenger Symmetrie ab, der eine links, der andre rechts. Dann tauchen sie am Balkon wieder auf, von wo Raabe klagt: „Liebe war es nie“. Wenn er wieder zur Bühne absteigt, ist das Lied noch nicht aus. Er singt die letzte Zeile aus dem Off, und auf der Bühne klappt ein Pappdouble auf.

Wenn das Publikum in der Pause von „Du hast mich nie geliebt“ klatscht, aber noch ein Refrain folgt, sagt Raabe mitten im Gesang „Ist gleich vorbei“, und das wirkt ganz spontan. Dabei macht er das an jedem Abend wieder. Eine kleine Lüge eines Vollprofis.

Das Publikum fühlt sich wie auf einer Zeitreise in einem Ballsaal der Vorkriegszeit, als Schlagertexte noch frivol und intelligent waren. Das vorzügliche Orchester beherrscht den Schwung des frühen Swing, zelebriert lustvoll Klangeffekte wie das Basssaxophon, die Röhrenglocke, die Rumbarassel. Großer Beifall. Und für Fans die freudige Gewissheit: Raabe kommt wieder, am 25. und 26. April 2017 mit einem neuen Programm.

Quelle: wa.de

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