Rauminstallation von Hubert Kiecol im Albers Museum Quadrat Bottrop

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Mit Architekturelementen spielt der Bildhauer Hubert Kiecol im Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop.

BOTTROP - Diesmal fehlt der Beton. Keine kleinen Häuser, keine Treppen ins Nichts. Und doch deutet Hubert Kiecol wieder Bauten an in der Ausstellung „WeissGlasSchwarzRot“ im Josef-Albers-Museum Quadrat in Bottrop. Weiße Stellwände verändern den Raum für Wechselausstellungen, schaffen neue Blickachsen, verändern das Volumen, das Licht.

Als Herausforderung empfand der 1950 in Bremen geborene Künstler den Raum mit seinem dunklen Teppichboden, dunkel und eng trotz der großen Glasfassaden. Nun spielt er mit Wänden. Manchmal scheint der Betrachter auf massiv weiße Quader zu schauen. Doch geht man um die Ecke, sieht man, dass da offene Wandwinkel stehen. Buchstäblich: Die Kopfseiten der Wände blieben offen und lassen den temporären Charakter und die Materialität der Einbauten erkennen. In eine Wand wurde ein Fenster geschnitten, um den Blick freizugeben auf den Park draußen. An die Wände wurden Gestelle aus schwarzem Stahl und aus Holz montiert, die wie Raumzeichnungen wirken, allerdings durch eingesetzte Glasscheiben auch wieder Volumen erhalten. So setzt Kiecol eine Architektur in die vorhandene Architektur, und ergänzt dieses Einschachteln durch die aufmontierten Skulpturen um eine noch einmal verkleinerte Dimension.

Er wolle Dingen, die in der Alltäglichkeit vorhanden sind, einen Eigensinn geben, erläutert Kiecol. Aus einem Hilfsmittel zur Modifikation von Wohn- oder Nutzräumen macht er das Vokabular einer autonomen Skulptur.

Der Künstler lehrt seit 1993 an der Kunstakademie Düsseldorf. Er war 1987 an den Skulptur Projekten in Münster beteiligt, hatte Ausstellungen in München, Zürich, Amsterdam. 2000 erhielt er den Wolfgang-Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig in Köln. Bekannt wurde er mit Betonskulpturen kleiner Häuser. Angesichts der Formstrenge seiner Arbeit wundert sein, er sei „schwer romantisch“. Aber, ergänzt er, er versuche es so umzusetzen, „dass es erträglich ist“. Dazu gehört, wie Kiecol es formuliert, „Genauigkeit, die keinen Nutzen hat“. Was seine Arbeit interessant macht, ist der Gegensatz zwischen der klaren Form und der Assoziationsarbeit des Betrachters, die provoziert wird.

Assoziativ funktioniert der zweite Teil der Schau im Untergeschoss. Kiecol hat sein Archiv geöffnet, zeigt Skizzen, Plakate, Fotos, die sein Schaffen aus mehr als 30 Jahren dokumentieren. Da begegnet man den Betonhäusern und den Treppen, die zu meterhohen Stelen mutiert sind. Eingestreut sind auch Fotos unter anderem aus den Filmen des französischen Regisseurs Jacques Tati, wichtige Inspirationen neben dem Werk von Caspar David Friedrich, wie Kiecol erläutert.

Bis 21.8., di – sa 11 – 17, so 10 – 17 Uhr, Tel. 02041/ 29 716, www.quadrat-bottrop.de

Quelle: wa.de

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