AC/DC in Düsseldorf

"Rock or Bust": Denkwürdiger Abschluss einer Europatournee

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Düsseldorf - Es hätte ein mitunter peinlicher Abend werden können. Mit einer Band, die auf den Trümmern ihrer eigenen Geschichte steht und dies trotzig ignoriert. Nun sind AC/DC – oder der Rest davon – zwar nicht unbedingt wie Phönix aus der Asche gestiegen.

Aber die australische Hardrocklegende hat am Mittwochabend für zweieinhalb Stunden einen begeisternden und vermutlich denkwürdigen Abschluss ihrer „Rock or Bust“-Europatour in der Düsseldorfer Esprit-Arena hingelegt – und das mit dem Gastsänger Axl Rose und nur noch einem Original-Mitglied (Angus Young), nachdem Mastermind Malcolm Young an Demenz erkrankt ist und Phil Rudd Ärger mit der Justiz hat. 

Axl Roses Einsatz sitzt und ist stimmig. Mit seiner unverwechselbaren und kraftvollen Falsett-Stimme kräht der dicklich gewordene Mann ein ohrenbetäubendes „Heeey yeeeah“ aus seinem rundlichen Gesicht ins weite Rund. Gekleidet ist der einstige Spargeltarzan, der ebenfalls zwischen 1987 und 1993 mit seiner Band Guns’N’Roses stilprägend war, ein offenes Karohemd und sein berühmtes Stirnband. Axl Rose war einst ein unberechenbarer böser Junge, der mit überbordendem Selbstbewusstsein mit seiner einstigen Band den Heavy Metal maßgeblich weiterentwickelt. 

Aber der Start als Ersatzsänger bei AC/DC stand unter keinem guten Stern. Als Stammsänger Brian Johnson wegen massiver Ohrprobleme pausieren musste, sprang Rose ein. Der brach sich gleich den Fuß und gab in Lissabon Anfang Mai das erste Konzert mit seiner neuen Band mit Gipsbein und auf einem bizarr wirkenden Thron sitzend. 

Nun ist sein Fuß ausgeheilt uns Axl Rose läuft quirlig über die Bühne, tanzt und zeigt sogar einen Twist. Es ist spannend zu sehen, wie dieser in Kalifornien aufgewachsene Hedonist, der die vergangenen zwei Jahrzehnte hauptsächlich durch Passivität auffiel, sich nun bei einer anderen, ungleich größeren Rockband einfügen würde. Und er macht seine Sache gut, ordnet sich ins Bandgefüge ein und wirkt schnell wie ein integraler Bestandteil dieser Supergruppe, die über 200 Millionen Alben weltweit verkauft hat. 

Alle Macht geht von Angus Young aus

Das heißt, alle Macht geht vom Leadgitarristen Angus Young aus und bei dessen zahllosen Soli auf der Gibson ordnet sich Rose brav in den Hintergrund ein – so wie es Vorgänger Johnson auch immer gemacht hat. Der erste Härtetest für Rose ist „Back in Black“. Er fügt diesem Kracher eher unbekannte Höhen zu und hält diese souverän. So gibt er dem Song eine eigene Note, was noch mehrfach an diesem Abend passieren wird. Ohnehin behauptet sich der 54-Jährige mit scheinbar unerschöpflicher Energie 24 Lieder lang gegen den infernalischen Lärm durch Drummer Chris Slade und dem stoischen Bassisten Cliff Williams und scheint sogar an Sangeskraft zugelegt zu haben. 

Axl Roses Hardrock-Kopfstimme ist kristallklar und schneidend. Die Klassiker „High Voltage“, „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ und „You Shook Me All Night Long“ gewinnen deutlich. Denn Brian Johnson, der seit 1980 den gestorbenen Bon Scott ersetzte, schrie im Gegensatz dazu zuletzt eher heiser gegen die Instrumente an. Bei Rose wirkt dies müheloser – und er nimmt sich zum Ende des Konzertes einige Eitelkeiten heraus. Zum ersten Zugabesong „Highway To Hell“ trägt er eine weiße Schlangenlederjacke und eine Sonnenbrille und tanzt nicht am Bühnenhintergrund – sondern vorne in der Mitte auf der über 100 Meter breiten Bühne. So gockelhaft trat bislang niemand bei AC/DC auf. 

Fans huldigen Rose in Sprechchören

Und wenn auch viele Fans ihre Karten nach Roses Verpflichtung für das erste Konzert in Hamburg zurückgaben; er ist doch der einzige, der im Laufe des Abends mit Sprechchören durch die euphorisierten Fans gehuldigt wird. Das ist nicht nur Anerkennung und Bestätigung seiner Leistung, sondern vermutlich auch eine Genugtuung. Dieser Auftritt war ein erst Ende Mai verkündetes Zusatzkonzert als Dankeschön an die Fans. Im Juni des Vorjahres kamen noch 80.000 Fans ins benachbarte Köln, diesmal waren es nur 25.000 in dem bei weitem nicht ausverkauften Stadion. Und sie sahen zudem die üblichen Zutaten: Angus Young als uneingeschränkter Taktgeber in Schulluniform mit kurzer Hose, der zu „Let There Be Rock“ ein fast zehnminütiges Solo, seinen Gitarrenkreisel auf den Rücken liegend zelebriert und am Ende jedes Liedes den Schlussakkord setzt. 

Zu „Whole Lotta Rosie“ erscheint eine dralle, 20 Meter große Bardamenpuppe, die sich wenig subversiv dauerhaft in den Strapsen bekleideten Schritt fasst. Die Höllenglocke zu „Hells Bells“ fehlt ebenfalls nicht und natürlich ertönen die lauten Kanonenschläge zum Finale bei „For Those bout To Rock (We Salute You). Dies sind die elementaren Bestandteile eines jeden AC/DC-Konzertes. Unberechenbar ist aber, wie die personelle Geschichte dieser Band weitergeschrieben wird.

Quelle: wa.de

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