Schmidt-Rottluff-Stipendiaten stellen in Kunsthalle Düsseldorf aus

+
„Relikte“ (2016) nennt Pauline M’barek ihre Gipsabgüsse, die in der Düsseldorfer Kunsthalle zu sehen sind.

DÜSSELDORF - Der plüschige Leopardenschwanz ist kaum zu sehen. Vor dem weißgrauen Verkaufsstand hebt sich das hellgelbe und schwarzgepunktete Raubtierimitat schlecht ab. Hängengelassen, abgestorben, weg – es sind triste Vokabeln, die einen beim Anblick der Präsentation von „Left to Lose“ einfallen. Die Künstlergruppe FORT hat in Düsseldorfs Kunsthalle einen Anhänger gestellt, der auf der Cranger Kirmes wahrscheinlich übersehen würde, so bescheiden sind die Ausmaße.

Das große Glück kann man hier nicht mehr machen. Ein paar Lose liegen am Boden. Aber so zugeklappt, Reifen platt und abgestellt wie der Kirmeswagen wirkt, so leer und einsam sollen viele Arbeiten von FORT auch wirken. Das Duo Jenny Kropp und Alberta Niemann findet Momente im öffentlichen Leben von eben dieser Qualität. Im Foyer der Kunsthalle ist noch ein Balkon mit Sonnenschirm zu sehen, zugeklappt, menschenleer. Beide Werke aus der Reihe „Outsider“ sind erstmals ausgestellt und haben einen spröden Charme.

Die Ausstellung in Düsseldorf bietet Arbeiten von zehn Künstlern, die in den letzten vier Jahren mit dem Stipendium der Karl Schmidt-Rottluff- Stiftung bedacht wurden. Alle haben bereits unterschiedliche Preise erhalten und sind in namhaften Kunstinstituten ausgestellt oder präsentiert worden, ob in New York, Moskau, Berlin, Bregenz, Tokio, Maastricht, Bonn oder Bremen. Wer also junge, erfolgreiche Positionen der zeitgenössischen Kunst kennenlernen will, ist hier richtig.

Pauline M’barek, geboren in Köln, präsentiert sandfarbene Hohlformen auf Glas: „Relikte“. Die Künstlerin hat Grabvorgänge mit den eigenen Händen durch Abgüsse fixiert, so dass sich Finger und Fingernägel in den wurzelartigen Gebilden zeigen. Das wirkt morbide und naturverbunden zugleich. Pauline M’barek sind mysteriöse Plastiken gelungen, die mit einem Video korrespondieren, dass während des Grabvorgangs ein Objekt erahnen lässt, ohne es zu definieren.

Platz nehmen darf man bei Konrad Mühe. Der Künstler, 1982 in Karl-Marx-Stadt geboren, stellt Flächen aus einer Bodenplatte aus Pappe auf, die begehbar ist. Auf einer Ebene wird das Video einer Wohnung projiziert, die verkauft werden soll. Designermöbel werden fragmentarisch ins Bild genommen, ein Mann nimmt Positionen im Raum ein, ohne absichtsvoll zu wirken. Mit dem Material von Umzugskartons, auf dem man sitzen kann, ist ein Zwischenstadion des Wohnens und Lebens spürbar. Mühe fokussiert auf Randbereiche der Wahrnehmung und versucht neue Qualitäten zu schaffen.

In der Videoarbeit „The Most Given of Givens“ lässt Eli Cortiñas auf drei Leinwänden Filmausschnitte laufen, die dem rassistischen Mythos der Tarzan-Saga nachgehen und die Darstellung des afrikanischen Kontinents aus westlicher Sicht behandelt. Der Tarzan-Schrei ist zu hören, wilde Tiere springen, Elefanten rasen und gerade ethnografische Szenen, in die weiße Schauspieler hineingeschnitten sind, machen augenfällig, wie ausgrenzend schon die Montagetechnik eingesetzt wurde. Ein filmisches „Dschungelbuch“, das Kulturkritik konzentriert.

Die Positionen in Düsseldorf sind sehr unterschiedlich. Anna Möller aus Hamburg spielt mit raumbezogenen Präsentationspraktiken, wenn sie Holzscheiben auf grüner Folie am Boden-Wand-Rand schiebt und mit diesem so ganz unmusealen Arrangement lockt. Mariechen Danz formt unter anderem einen widersprüchlichen Körper, der ihre Fingerdruckspuren zeigt. Diese Skulptur ist wenig ideal, ein Klumpfuss ist zu sehen und in Herz- wie Bauchraum kann man schauen. „Womb Tomb“ (2014) ist mit thermochromer Farbe bemalt und verändert sich – je nach Wärmeeinfall.

Desweiteren sind Arbeiten von Antje Engelmann, Jens Pecho, Jonas Weichsel und Pablo Wendel zu sehen.

Bis 11. September; di-so 11 bis 18 Uhr; Tel. 0211/8996 243; www.kunsthalle-duesseldorf.de

Quelle: wa.de

Kommentare