William Tuckers Skulptur „Prow“ steht im Bochumer Weitmar-Park

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„Prow“ (Bug) nennt William Tucker seine Bronzeskulptur, die in Bochum zu sehen ist.

BOCHUM Die Skulpturen des Briten William Tucker erfahren in den letzten Jahren neue Anerkennung. Der abstrakte Künstler schafft Formfragmente und Materialstücke, die von amorpher Gestalt sind und mitunter menschennah wirken. In Bochum ist eine Arbeit Tuckers an einem ganz besonderen Ort zu sehen. Die Bronzeskulptur „Prow“ (2010) ist in die Krypta der Sylvesterkapelle im Weitmar-Park eingesetzt worden.

Die Stiftung Situation Kunst (für Max Imdahl) und die Ruhr-Universität Bochum haben mit Sponsoren aus der Stadt dieses Projekt möglich gemacht.

Die Idee, den Skulpturenpark im Bochumer Südwesten weiter zu entwickeln, hatte einmal mehr Alexander von Berswordt-Wallrabe. Der Galerist erwarb bereits 2010 die Skulptur „Prow“ (Bug). Nun übergibt er sie als Dauerleihgabe für die hergerichtete Ruine der Sylvesterkapelle. Tuckers Skulptur war Anfang des Jahres noch in einer Ausstellung in Winterthur in der Schweiz neben Arbeiten von Hans Arp zu sehen. 2013 zeigte der Skulpturenpark in Wuppertal eine ganze Reihe an Tucker-Objekten. In Berlin wird Tucker von der Galerie Buchmann vertreten. Seit Ende der 1970er Jahre lebt der Künstler, der 1968 an der Kasseler documenta 4 teilnahm, in New York.

In Bochum wirkt „Prow“ wie ein Element, das sich in einem Prozess befindet. Wird die Krümmung weiter bearbeitet? Ist die rauhe Oberfläche nur ein Zwischenstand? Oder war „Prow“ aus etwas herausgebrochen und aufgefunden worden? William Tucker, der in den 1960er Jahren zur neuen Generation britischer Bildhauer zählte und der Minimal Art Impulse gab, ermöglicht mit seinen aktuellen Arbeiten ganz andere Empfindungen. So uneindeutig die schrundigen Formenstücke auch sind, sie lassen zu, dass der Betrachter einen körperlichen Bezug entwickelt, ohne das die Positionierung der Skulptur an organische Vorbilder erinnert. „Prow“ ist in der Parkruine auf einem Sockel platziert, der sich fortwährend dreht.

Das Objekt passt mit seiner gebogenen Form in das romanische Tonnengewölbe der ehemaligen Grabkammer. Die Sylvesterkapelle, 1397 urkundlich erwähnt, existiert seit dem 11. Jahrhundert. Die ehemalige Hauskapelle des Herrensitzes Haus Weitmar wurde wie das Schloss im 2. Weltkrieg von Bomben getroffen. Seit 1995 als Baudenkmal geschützt, war der Krypta-Zugang vermauert worden. Für „Prow“ wurde dieser Raum wieder geöffnet und mit einer Treppe erschlossen. Betreten lässt sich der Teil der Ruine allerdings nicht. Die Skulptur ist durch eine Glasscheibe zu besichtigen und wird beleuchtet.

Ebenfalls in der Kapellenruine ist Richard Serras Plastik „O. I . C.“ (1999) bereits seit 2012 zu sehen. Zwei formal ganz anders entschiedene Quaderblöcke aus Schmiedestahl stehen versetzt und bilden den Kontrast zu Tuckers bildhauerischem Werk. Der US-Künstler Serra zählt seit 1989 zu den zeitgenössischen Künstlern, die im Park Weitmar vertreten sind. Zu seinen beiden Scheiben „Circuit“ gab es schon in den 1970er Jahren Vorarbeiten. Serra ist mit seinen Stahlskulpturen einer der markantesten Gestalter im öffentlichen Raum des Ruhrgebiets. Am Bochumer Hauptbahnhof steht „Terminal“ (1977) und auf der Schurenbachhalde die „Bramme für das Ruhrgebiet“ (1998). Mehr als zwölf Arbeiten sind mittlerweile im Park Weitmar zu finden. Erich Reusch, Giuseppe Spagnulo, David Rabinowitch, Lee Ufan, Francois Morellet und Ulrich Rückriem sind vertreten.

Für Bochum wird der Skulpturenpark mit dem musealen Kubus der Stiftung Situation Kunst (für Max Imdahl) und dem Museum unter Tage (MuT) immer wichtiger. Allein das MuT hat seit seiner Eröffnung im November 2015 über 17 000 Besucher gezählt, sagte Maria Schulte, Kuratorin der Stiftung Situation Kunst.

Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) sprach beim offiziellen Festakt davon, dass die Stadt „sehr stolz“ sei, auch weil der Park deutlich über die Grenzen Bochums hinaus“ bekannt geworden sei. Axel Schölmerich, Rektor der Ruhr-Universität, freute sich, dass mit Tuckers „Prow“ auch Bochum zu den namhaften Unis zählt, die einen „Tucker“ in ihrer universitären Sammlung haben.

Quelle: wa.de

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