Wuppertal zeigt die „Weltkunst“ des Mäzens Eduard von der Heydt

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Die weise Heiterkeit des Ostens faszinierte Eduard von der Heydt. Der Kopf eines Mönchs (China, Ming-Dynastie, 1368-1644) ist im Von-der-Heydt-Museum Wuppertal zu sehen.

WUPPERTAL - Wie er da in der mächtigen Stahltür des Tresors steht, sieht er aus wie der Darsteller eines Bond-Films. Eduard von der Heydt posiert 1928 als Hausherr seiner eigenen Bank. Effektvoll. Der kühle Geschäftsmann wusste sich in Szene zu setzen.

Um 1930 ließ er sich im Sitzen unter freiem Himmel fotografieren, mit nacktem Oberkörper als „Buddha vom Monte Verità“. Dieser zuweilen exzentrische Mann hat die bedeutendste Kunstsammlung seiner Zeit zusammengetragen: 3500 Objekte von der antiken Statue bis zum Gemälde von Dalì. Nun würdigt das Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal seinen Namenspatron mit der angemessen monumentalen Ausstellung „Weltkunst“.

Ein Zehntel des Kunstschatzes kann der Besucher auf zwei Etagen abschreiten. Es gibt Großartiges zu sehen, das den ambitionierten Titel „Weltkunst. Von Buddha bis Picasso“ allemal rechtfertigt. Eduard von der Heydt konnte sich für vieles begeistern. Das Sammeln hatte er bei seinem Vater August von der Heydt als Lebensform kennen gelernt. Der Elberfelder Bankier, aufgeschlossen für die Moderne, hatte sich von Vertretern der Moderne wie dem Bildhauer Bernhard Hoetger und dem Maler Kees van Dongen porträtieren lassen. Er kaufte französische Impressionisten und die Avantgarde der Zeit von Picasso bis zu Kirchner. Eduard wuchs mit Bildern auf, von denen er später viele übernahm und 1964 in das Vermächtnis einbrachte, das dem Züricher Museum Rietberg einen einzigartigen Bestand an außereuropäischen Artefakten bescherte und Wuppertal eben einen Fundus an Malerei und Skulptur, der die Stadt in die erste Reihe der deutschen Museen rückte. Die aktuelle Ausstellung bringt die besten Stücke beider Sammlungen erstmals wieder zusammen.

Er war gerade 18, als er sein erstes Bild kaufte, „mein erster Courbet“. Der Rückenakt, heute Narcisse Diaz zugeschrieben, hängt in der Schau. Einerseits setzte Eduard von der Heydt die Familientradition fort, gründete in London mit Startkapital vom Vater eine Bank, die 1917 im Weltkrieg als Feindvermögen beschlagnahmt wurde. Parallel widmete er sich dem Schönen. Von der Heydt war gewiss konservativ, nach 1918 war er mit dem abgedankten Kaiser Wilhelm befreundet. Aber er schätzte Objekte der unterschiedlichsten Kulturkreise, wie der Rundgang durch die Schau zeigt. Man glaubt kaum, dass ein Mann das alles gleichermaßen lieben kann. Die so frappierend aufs Wesentliche reduzierte Seelöwenmaske aus Alaska und das augentäuschende Barockstillleben eines Frühstücks mit goldleuchtenden Käselaiben und prallen Früchten von Floris van Schooten. Der in sich gekehrte Buddhakopf aus China und Max Beckmanns sarkastisches Selbstbildnis als Clown (1921). Er umgab sich mit sakralen Skulpturen wie dem stehenden Johannes (12. Jh.) und der schrundigen Reliquienbüste des Hl. Rochus (16. Jh.) ebenso wie dem exotischen körperbetonten Frauenakt der spanischen Malerin Marie Blanchard und der lasziv den Betrachter anblickenden „dicken Marie“ von Toulouse-Lautrec. Objekte aus der Antike wie eine Zyprische Frauenstatue, eine aus Basalt gehauene Klapperschlange der Azteken, eine wuchtige afrikanische Maske, eine Harlekin-Familie von Picasso.

Er hat seine Schätze nie an einem Ort gesehen, berichtet Museumsdirektor Gerhard Finckh, der die Schau mit Antje Birthälmer kuratierte. Zeitweise waren sie als Leihgaben auf 70 Museen verteilt. Er hatte genug Kunst, um damit seine Räume zu schmücken. Sei es, als er nach dem Krieg in Den Haag als Diplomat arbeitete, sei es, dass er, erneut als Bankier im Geschäft, sich in Zandvoort eine luxuriöse Villa einrichtete, sei es, dass er in Berlin ein Haus im Bauhaus-Stil bezog. Fotos jener Zeit zeigen die eklektische Mischung an Kunst, die immer die Räume bestimmte. Und die Wuppertaler Schau inszeniert die Räume nach, mit vergrößerten Schwarz-Weiß-Fotos in Originalgröße, die vor und zwischen die Statuen und Bilder platziert sind. 1926 kaufte von der Heydt den Monte Verità in Ascona und baute dort ein Hotel, in dem natürlich seine Bilder hingen. Er selbst begeisterte sich für die lebensreformerischen Ideen der dortigen Künstlerkolonie. So begrüßte er den Großfürsten Alexander von Russland im „Lufthemd“.

Es liegen Schatten auf der Biografie von der Heydts: Im April 1933 trat er der NSDAP bei, was vor allem mit der Hoffnung zu tun hatte, dass über den Nationalsozialismus die Monarchie wiederhergestellt werden könne. Bald schon wandte er sich ab, und als er 1937 die schweizerische Staatsbürgerschaft erlangte, musste er die Partei verlassen. Er tat alles, um seine Sammlung vor dem Zugriff der Nazis zu schützen, zog zum Beispiel gefährdete Objekte aus Deutschland ab. Aber als Vorstandsmitglied der Thyssenbank war er auch in Transaktionen verstrickt, die Agententätigkeiten im Krieg betrafen. Jedenfalls, unterstreicht Finckh, hat von der Heydt sich in seinen Ankäufen als „Ehrenmann“ verhalten und nicht als „Schnäppchenjäger“ von der Zwangslage von Juden profitiert. Ein Schweizer Militärgericht sprach ihn 1948 vom Vorwurf der Spionage frei.

Auch nach dem Krieg sammelte von der Heydt weiter – und der Bankier sorgte dafür, dass auch seine Geburtsstadt von seiner Kunstliebe profitierte. Schon zu Lebzeiten wandelte er Leihgaben in Schenkungen um. Nach seinem Tod hinterließ er der Stadt viele weitere Kunstwerke und das Grundkapital für eine Stiftung, aus deren Ertrag Kunst angekauft werden sollte. Auch das ist, in einer Nebenausstellung, in Wuppertal zu sehen: Werke von Picasso, Monet, Bacon und vielen anderen.

Bis 28.2., di – so 11 – 18, do bis 20 Uhr, Tel. 0202/ 563 2626, www.von-der-heydt-museum.de, Katalog 25 Euro

Quelle: wa.de

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