The Who zeigen in Oberhausen Verbindungen zwischen ihren Alben

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Hits aus der Vergangenheit: Roger Daltrey (vorn) und Pete Townshend von The Who in der Arena in Oberhausen.

Von Dirk Frank OBERHAUSEN - „Zu alt, um jung zu sterben“, hat einmal ein Spötter die berühmte Textzeile aus einem Who-Song persifliert. In der Tat hat die britische Rockband ein für popkulturelle Maßstäbe geradezu biblisches Alter erreicht.

1965 erschien ihr erstes Album, ein halbes Jahrhundert später ist die Band, die neben den Beatles und den Rolling Stones zu den wohl prägendsten der 60er Generation zählt, wieder auf Tour. In der mit 9500 Besuchern ausverkauften Oberhausener Arena finden sich viele ergraute Rockfans ein, die sich noch einmal in ein T-Shirt mit dem berühmten blau-weiß-roten Logo gezwängt haben. Das so genannte Mod Target aus den frühen Tagen der Band, als die Mods auf den Londoner Straßen ihre hedonistische Ästhetik lautstark feierten, hat nichts von seiner visuellen Prägnanz eingebüßt. Als farbiges Leitmotiv dominiert das Logo die meist schwarz-weißen Videoeinspielungen.

Anfangs agieren die sonnenbebrillten Pete Townshend und Roger Daltrey noch etwas unterkühlt. „Who are you“ und „The Kids are alright“ werden aber schon frenetisch in der fast ausverkauften Arena Oberhausen aufgenommen. Daltreys Stimme wirkt an manchen Stellen etwas schrill und kraftlos. Bei „I can see for miles“ muss Townshend aushelfen.

The WHO in Oberhausen

Nach und nach kramt der Bandleader, der den Windmühlenschlag auf der Gitarre immer noch praktiziert, einige Brocken Deutsch hervor, um mit feiner britischer Selbstironie das Programm zu kommentieren. „Ich weiß nicht, ob wir den Song hinbekommen“, kündigt Townshend die Hymne „My Generation“ an. Klappt dann aber doch ganz gut, was sicherlich auch der üppigen Besetzung auf der Bühne geschuldet ist.

The Who präsentieren sich als moderne achtköpfige Band, darunter Zak Starkey, der trommelnde Sohn von Ringo Starr, und Townshends jüngerer Bruder Simon an der Gitarre. An die schmerzhaften Verluste in der Bandgeschichte mit den früh verstorbenen Gründungsmitgliedern Keith Moon und John Entwistle wird in zahlreichen Einspielungen erinnert.

Besonders der charismatische Schlagzeuger und Musikclown Moon konnte nie wirklich ersetzt werden. Die zahlreichen Reminiszenzen in der Show an die 60er zeugen allerdings nicht von einer Nostalgietrunkenheit. Vielmehr präsentieren sich The Who in schonungsloser Offenheit als eine Band, die weiß, dass ihr künstlerischer Zenit fast 50 Jahre zurückliegt.

Bereits 1980, als The Who im legendären Essener Rockpalast auftraten, bemängelten viele Kritiker, dass Songwriter Townshend die Ideen ausgegangen wären. Doch 35 Jahre später erwartet wohl niemand mehr neue Songs oder gar einen neuen Sound. Der aktuellste Song im Programm der Tour „The Who hits 50!“ ist „You better you bet“ aus dem Jahre 1981. Doch gleichwohl wird mit Spannung erwartet, welche Songs und welche Alben im Fokus des Abends stehen werden. Wie interpretieren, ja deuten The Who ihr Gesamtwerk?

Anstatt nur die Hitsingles aneinanderzureihen, widmen sich The Who vor allem den drei großen Alben Quadrophenia, Tommy und Who’s next. Querverbindungen zwischen den Alben werden live herausgearbeitet. Das instrumentale „The Rock“ aus Quadrophenia scheint die „Amazing Journey“ des Protagonisten Tommy zu antizipieren.

Townshends Genialität, aus einfachsten Akkordfolgen effektvolle Minidramen zu schöpfen, die ein Höchstmaß an Wiedererkennbarkeit haben, wurde vielleicht lange Zeit unterschätzt. Mit „Won’t get fooled again“, dem bitteren Abgesang auf Revolution und Veränderung, setzen The Who den ebenso dramatischen wie sinnfälligen Schlusspunkt ihrer zweistündigen Show, die keiner Zugaben bedarf.

Quelle: wa.de

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