U2 zeigt in Köln eine Supershow

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Bono von der irischen Band U2 steht in der Lanxessarena in Köln. Er erinnert auch an das Kölner Attentat.

Köln - Die Fans von U2 sind in freudiger Erwartung. Auch die verlängerte Wartezeit vor Konzertbeginn mit dudelnder Musik aus der Konserve kann die Stimmung nicht trüben. Sogar die Welle schwappt durch die Lanxess-Arena, da ist vom irischen Quartett um Sänger Bono noch weit und breit keine Spur.

An zwei aufeinander folgenden Tagen und vor insgesamt rund 39 000 Zuhörern tritt die Band im Rahmen ihrer „Innocence + Experience Tour“ in Köln auf – und liefert dabei ein audiovisuelles Meisterwerk ab.

Paul David Hewson, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bono, ist ein wahres Energiebündel. Ohne viele Worte der Begrüßung turnt er gleich von Beginn an und begleitet von frenetischem Beifall über die Bühne, verbiegt sich, wirft die Arme hoch, schleudert Wasserflaschen in die Menge. Vor „Vertigo“ sagt er dann doch Hallo: „Wie jeht et üch?“, ruft er auf Kölsch. Die Domstadt sei ein besonderer Ort für die Band und mit vielen Erinnerungen verbunden. Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend und die der übrigen Bandmitglieder in Irland wolle er in der Folge präsentieren.

Dabei entfaltet zum ersten Mal die ausgefeilte Bühnenkonstruktion ihre besondere Eigenschaft: Von der offen gehaltenen und von allen Seiten einsehbaren Hauptbühne reicht ein rund 30 Meter langer Steg zum anderen Hallenende, wo es eine weitere, kleinere Bühne gibt. Über dem Steg thront ein 30 Meter langer und sieben Meter hoher Videokäfig mit engmaschigen, halb durchsichtigen Projektionsflächen, der auch auf dem Verbindungsstück zwischen den beiden Bühnen abgesetzt werden kann. Der Käfig ist so gebaut, dass sich die Musiker im Inneren bewegen können und so Teil der Projektionen werden – eine Augenweide für all diejenigen, die sich im Innenraum und auf den langen Tribünenseiten aufhalten. Die Fans auf den Kopfseiten der Arena bekommen so gut wie nichts von dem Spektakel mit.

„Mein Kinderzimmer war das ganze Universum für mich. Aber dann kam der Tag, an dem dieses Universum erkaltete“, kündet Bono den Song „Iris (Hold Me Close)“ an, den er seiner Mutter widmet, die starb, als er 14 Jahre alt war. Immer wieder ruft der Sänger ihren Namen, während das Stück einsetzt und alte Familienvideos über die Leinwand flackern. Für „Cedarwood Road“ wird ein Straßenzug abgebildet. Bono bewegt sich im Inneren des Käfigs fort, wodurch der Eindruck entsteht, er spaziere selbst durch die gezeichnete Landschaft.

„Sunday Bloody Sunday“ und „Raised by Wolves“ thematisieren schließlich den Nordirland-Konflikt, der sich in den Jugendjahren der Musiker Bahn brach. Der Syrienkrieg ist ebenso Thema wie die Flüchtlingskrise, der Kampf gegen Aids und das am ersten Konzerttag verübte Attentat auf die Kölner Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker. „Singt für Henriette!“ ruft Bono in „Pride (In the Name of Love)“.

Der 55-Jährige hat sich den Ruf erarbeitet, sich ins Weltgeschehen einzumischen und seine Bekanntheit für einen besseren Planeten zu nutzen. In „Bullet the Blue Sky“ gibt es das volle Programm: Bono ist mit einem Megafon unterwegs, schreit sein Klagen hinaus, während auf der Leinwand Bilder von zerbombten Städten gezeigt werden, Menschen im Mittelmeer treibend in ihren gelben Schwimmwesten die Sterne auf der Europaflagge bilden und der Sänger „An die Freude“ intoniert.

Völlig unpolitisch, dafür aber besinnlich geht es bei „Sweetest Thing“ zu. Bono nimmt auf der kleinen Bühne am Klavier Platz. Gitarrist The Edge, wie immer mit Mütze ausgestattet, greift zum Akustikinstrument. Noch heimeliger wird es bei „Every Breaking Wave“, das ausschließlich auf eine Klavierbegleitung setzt. Neben großen Hits wie „Elevation“ und „Where the Streets Have No Name“ spielen U2 als letzte Zugabe des ersten Abends das hymnische „One“. Da kann sich Bono im Gegensatz zum Konzertbeginn entspannt zurücklehnen. Die Fans übernehmen den Gesang im Chor und sorgen so für den emotionalen Höhepunkt des Auftritts.

Tim Griese

Quelle: wa.de

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