Bio-Sprit E10: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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70 Prozent der deutschen Autofahrer entscheiden sich an den Tankstellen statt für E10 für das momentan teurere Superbenzin

München - Warum sind so viele Autofahrer bei E10 verunsichert? Was spricht gegen den Einsatz von E10? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Bio-Sprit.

Bio-Sprit E10 Verträglichkeitsliste

Hier als PDF Verträglichkeitsliste nach Herstellern bei der DAT (Deutsche Automobiltreuhand)

Es heißt „Bio-Super“, doch die meisten Auto- und Motorradfahrer finden es gar nicht toll: das neue Benzin namens E10. „Bis zu 70 Prozent der Kunden meiden die neue Sorte und tanken immer noch das teurere Super“, klagt der Mineralölwirtschaftsverband MWV. Was Autofahrer jetzt an der Zapfsäule über E10 wissen sollten – hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum sind so viele Autofahrer bei E10 verunsichert?

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Autofahrer meiden Bio-Sprit E10

Viele wissen nach wie vor nicht, ob ihr Auto E10-verträglich ist, so die Automobilverbände. ADAC-Motorexperte Arnulf Thiemel wirft den Automobilherstellern vor, erst Anfang des Jahres die Freigabeliste ihrer Modelle bekanntgegeben zu haben. Und die Liste ist immer noch nicht komplett. Helmut Klein vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg: „Wir kriegen aktuell immer noch Änderungen, welche Modelle den neuen Biosprit vertragen und welche nicht.“

Was sollen Autofahrer jetzt tun?

„Besitzer von neueren Autos, für die die Hersteller E10 freigegeben haben, können unbedenklich den neuen Biosprit tanken“, sagt ADAC-Rechtsexperte Maximilian Maurer. Wer Zeifel hat, soll sich bei Herstellern, Werkstätten oder Automobilklubs informieren.

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Was spricht gegen den Einsatz von E10?

Das Biobenzin erhöht den Verbrauch: Motoren benötigen mehr Treibstoff, je höher der Ethanolanteil im Sprit ist. „Wir rechnen mit einem Mehrverbrauch von im Schnitt ein bis zwei Prozent“, sagt ADAC-Motorexperte Thiemel.

Was ist mit den Spritpreisen?

E10 ist derzeit rund fünf Cent günstiger als Superbenzin. Esso testet seit Montag jedoch schon größere Preisabstände von bis zu acht Cent, so Steffen Bock vom Verbraucherportal Clever Tanken. Und für E10-Verweigerer soll es bald noch teurer werden: Denn die Mineralölunternehmen wollen laut dem Mineralölwirtschaftsverband angeblich aus Kapazitätsgründen das bisherige Superbenzin mit fünf Prozent Ethanol (E5) und 95 Oktan vom Markt nehmen. Fahrer von Autos mit einer E10-Unverträglichkeit müssen dann auf das über zehn Cent teurere Superplus-Benzin mit 98 Oktan umsteigen.

Was sagen die Tankstellenbetreiber dazu?

„Das ist eine pure Verdummung der Leute“, sagt ein Münchner Tankstellenpächter, der nicht namentlich genannt werden will, zur tz. „Es gibt genügend Lagervolumen an den Tankstellen, schließlich wurde ja erst das Normalbenzin vom Markt genommen.“ Seine düstere Prognose: „Wenn die Leute erst einmal das E10 angenommen haben, verteuert sich der Bio-Sprit mindestens um fünf Cent.“

Gibt es Langzeitstudien mit dem neuen E10?

Nein. Der ADAC testet erst jetzt einen drei Jahre alten Opel-Signum 2,2 l mit Direkteinspritzung, der laut Werksangabe nicht für E10 freigegeben ist. ADAC-Pressesprecher Dieter Wirsich zur tz: „Den fahren wir so lange mit E10, bis etwas passiert!“

Uwe Fajga

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