Porsche:...und ewig lockt der 911er!

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Festgeschraubt auf der Piste: Wer braucht schon eine Magnetschwebebahn, wenn es den Porsche gibt?

Wer das erste Mal in einen 911er - einen Mythos - fährt, hat etwas zu erzählen. Erst Recht, wenn es sich dabei um das brandneue Carrera Cabrio handelt...

Legenden, Lust & Leidenschaften – wenn es um Meinungen zum 911er Porsche geht, ist der Griff in die Phrasenkiste schon fast zwanghaft.

Genauso wie die neurotische Neigung gleichzeitig im Vorurteilskasten zu wühlen. Meine erste Fahrt in einem 911er – das ist der Versuch einer subjektiv-objektiven Annäherung in drei Akten. Wenn auch ein höchst Angenehmer mit dem brandneuen Carrera Cabriolet.

1. Akt:

Die erste Begegnung. Wir sind auf den Kanaren. Casablanca ist – großzügig betrachtet – nur auf der anderen Seite des Meeres. Also: Schau mir in die Augen, Kleiner! Spiegeleier, Frosch, was mussten diese Scheinwerfer sich nicht schon alles an Vergleichen gefallen lassen. Ich kann da nur Treue entdecken. Vielleicht sogar ein bisschen treudoof. Aber unter Umständen soll das ja die Zeitgenossen beruhigen, in deren Rückspiegel die Kiste wie ein Blitz aus heiterem Himmel auftaucht. Mein Blick in die Seitenspiegel zeigt zwei stramme Hinterbacken, Frauen gefällt so etwas ganz besonders. Noch schnell oben herum frei machen, 13 Sekunden dauert der Verdeck-Striptease (bis 50 Stundenkilometer möglich), und los geht’s.

2. Akt:

Porsche 911, 3,4 Liter, 350 PS, 7-Gang-Schaltgetriebe. Die Küstenstraße östlich von Maspalomas ist leer, der Himmel bleiern, trotzdem 18 Grad. Vom Streicheln am Gaspedal wird das Tier nicht wach. Ich denke, was haben die nur alle mit ihrem Porsche! Andere Autohersteller haben auch flotte Feger. Ich treibe mich unentschlossen um die Kurven herum wie die kanarischen Katzen um die geschlossene Sardinenbüchse im Hinterhof. Fühlt sich ja alles gut an, ist ja auch alles wunderbar – das feine Leder, die doppelten Nähte, der Geruch von Luxus. Aber dann reitet mich der Teufel, als der gefühlte 40 Jahre alte Bananenlaster mit seinen schwarzen Abgaswolken Aussicht und Nase vernebelt.

Rotes Interieur, stramme Hinterbacken: Das neue 911er Cabriolet besticht durch seine vollen Farben und seine sexy Formen.

Bleifuß, Vollgas, Raketenstart – und jetzt, da Laster und Landschaft an mir vorbeifliegen, verstehe ich (fast) alles. Wie der 911er kultiviert und trotzdem brachial in nur 5,0 Sekunden von 0 auf 100 spurten kann, wie gut es sich anfühlt, wenn die Reserve das ist, was andere insgesamt an Power aufbieten. Bloß gut, dass die Policia local heute offenbar bei einer Familienfeier des Polizeichefs ist. Und ich habe etwas gelernt: Porsche fährt man nicht beiläufig oder lapidar. Und man jagt den Drehzahlmesser am besten immer schön nach oben, bevor man mit dem butterweichen geschalteten Getriebe nach höheren Gängen strebt. Kurzer Ausflug in die Mecker-Ecke: Warum die Konstrukteure den Ganghebel so hoch gelegt haben, dass bei längeren Ausflügen die Rechte zur Klauenhand mutieren könnte, bedarf einer Erklärung!

3. Akt:

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Das neue Porsche 911 Carrera Cabrio

911 S, 3,8 Liter, 400 PS, Doppelkupplungsgetriebe. nubes und nieblas liegen über der cumbre von Gran Canaria. Was jetzt genau Wolke oder Nebel auf dem Gebirgskamm ist, lässt sich kaum unterscheiden. Das Ergebnis ist das Gleiche. Nass und dunkel. Das Verdeck bleibt zu. Soundcheck! Auch innen klingt der neue 911er cool, und das neue Open-Air-Dach ist so clever konstruiert (mit Dämmschicht), dass sich das geschlossene Cabrio fast so wie das Coupé anhört und anfühlt. Die nubes und nieblas lüften sich und schon geht’s wieder los: Und es geht wirklich los. Denn der größere Motor, die Dreingabe von 50 PS und vor allem das automatische Doppelkupplungsgetriebe, treiben die Leistungsfähigkeit des 911er auf die Spitze (0 auf 100 in 4,3 Sekunden). Ich komme ins Schwingen, sowohl aufwärts als auch bei der Talfahrt. Abschwingen. Skifahrer kennen das Gefühl, wenn man auf dem sonnenüberfluteten Schlusshang zu Tale gleitet und sich die Beine mit den Skiern vollautomatisch drehen. Und so wickelt sich der Porsche so leicht um die Kurven wie andere Autos geradeaus laufen. Der Motor brüllt beim Gasgeben wie ein Löwe nach erfolgreicher Jagd, der Auspuff brabbelt beim Herunterschalten wie der zufriedene Magen des soeben erwähnten Löwen, weil er die erlegte Beute verschlungen hat. Und plötzlich ist die Faszination da.

911er-Porsche Fahren ist schon eine Klasse für sich: Volles Rohr die Bergstrecke entlangpreschen und vor allen Dingen eines spüren: Der Schwerpunkt des Wagens ist mit dem Erdboden fest verschraubt, wer braucht schon eine Magnetschwebebahn, wenn es Porsche gibt.

Epilog:

Ich wollte objektiv sein und was ist passiert? Jetzt bin ich objektiv doch wieder nur subjektiv. Und der 911er bleibt, was er ist und immer schon war: Eine einmal verspürte Verführung, die ewig locken wird, und ein Versprechen, dass es etwas gibt, das sein Geld (Grundpreis Carrera: 100.523, das S-Modell ab 114.931 Euro) wirklich wert ist – vorausgesetzt man hat auch so viel übrig.

RDF

Ein echter Elfer? Der neue Porsche 911 Carrera

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