Geschenke und was sie bedeuten

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Geschenke verraten viel über das Verhältnis der Personen, unter denen sie ausgetauscht werden.

Die Blätter verfärben sich in goldenen Rot- und Brauntönen, die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und die Vorbereitung auf Weihnachten laufen langsam an – zumindest für manche Schenkenden. Andere Menschen werden es wieder erst am 23. Dezember in die Geschäfte schaffen oder als Origami gefaltete Geldscheine verschenken.

Ob zum Fest der Liebe, zum Geburtstag oder als Mitbringsel: Geschenke sind aus keiner Gesellschaft wegzudenken und sagen viel mehr über die Beziehung zwischen Schenkendem und Beschenktem aus, als man zunächst glauben mag. Der Artikel stellt drei Geschenktypen vor und erklärt, was sie aussagen.

Das persönliche Geschenk

Hierfür hat sich jemand richtig Gedanken gemacht. Ein Geschenk von der Stange kam für den Schenkenden nicht in Frage: Ein gemeinsames Candle-Light-Dinner für den Partner, ein Wellnesstag für die Mutter oder ein personalisiertes Grillset für den Vater. Vielleicht auch etwas selbst Gebasteltes wie ein Fotobuch, ein eigens gestrickter Winterpullover oder auch selbst gekochte oder gebackene Spezialitäten. Der Schenkende hat sich vermutlich schon monatelang Gedanken gemacht, jeden Hinweis aufgesogen, Internetseiten mit Anregungen und personalisierbaren Ideen wie etwa www.geschenkidee.de  durchstöbert oder schon im Sommer mit der Handarbeit für den Weihnachtspullover begonnen. Fakt ist: In dem Geschenk steckt das Maximum an Herzblut und Kreativität. Dem Schenkenden liegt sehr viel am Beschenkten: Er oder sie versucht jedes Jahr etwas Neues zu finden und für freudige Überraschungen zu sorgen.

Das Protz-Geschenk

Das genaue Gegenteil vom ersten Geschenktyp ist das "Protz-Geschenk": Hier steht weniger der Beschenkte als der Schenkende im Vordergrund – geht es doch hauptsächlich darum, das Gegengeschenk im Wert zu überbieten. Diese Einstellung hat schon in der Geschichte zu regelrechten "Geschenkkriegen" zwischen Stämmen oder Clans geführt, die sich jeweils in den Ruin stürzten, nur um die Gabe des Anderen zu übertrumpfen. Solche Geschenke sind im besten Falle versehentlich und ohne tiefere Absicht gekauft worden. Sie können aber auch von dem Typus des "Protzers" stammen, der sich selbst durch seine Gabe überlegen, mächtig und erfolgreich fühlt, sein Gegenüber hingegen beschämt und in eine Abhängigkeit drängt. Ein kurzer Rat an dieser Stelle: Besser bei jedem Beschenkten die individuelle Beziehung und die Verhältnismäßigkeit des Geschenks abwägen, anstatt einfach die teuerste Uhr im Geschäft als Mitbringsel zum gemeinsamen Essen bei Freunden zu kaufen!

Das Gewohnheitsgeschenk

Es ist das Fast Food der Geschenke: Hierfür kauft der Schenkende alljährlich den neuen Roman des Lieblingsautors, das immer gleiche Parfum oder das Set mit den Lieblingspflegeprodukten aus der Drogerie. Das geht schnell, ist unkompliziert, muss aber nicht schlecht und schon gar nicht böse gemeint sein: Vielmehr will der Schenkende alles richtig machen und geht lieber auf Nummer sicher. Das Grundproblem beim Schenken ist laut eines Artikels der Zeitung "Die Welt", dass Käufer naturgemäß ein "Informationsdefizit gegenüber dem Beschenkten" haben. Er oder sie weiß nicht, was sich der Gegenüber wirklich wünscht, oder ist zumindest unsicher. Das Gewohnheitsgeschenk versucht diesen Informationsmangel auszugleichen und setzt auf Altbewährtes.

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