Läden im Sauerland auf dem Prüfstand: Onlineangebot als Hoffnungsträger?

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Laut regionalem Einzelhandelsverband kamen im ersten Halbjahr 2016 zwei Prozent weniger Menschen in die lokalen Geschäfte im Sauerland als im Vorjahr.

Der Einzelhandel im Sauerland hat mit rückläufigen Kundenzahlen zu kämpfen. Das bestätigt der regionale Einzelhandelsverband. Im ersten Halbjahr 2016 kamen zwei Prozent weniger Menschen in die lokalen Geschäfte als im Vorjahr.

Auch der freiwillige Sommerschlussverkauf hat bislang nicht die gewünschten Abverkäufe eingebracht. Im Hochsauerlandkreis müssen die Einzelhändler auch hier ein Minus in Kauf nehmen. Das durchwachsene Sommerwetter der vergangenen Wochen wirkte sich negativ auf die Kauflust der Kundschaft aus. Das Internetgeschäft avanciert für immer mehr stationäre Händler zum Hoffnungsträger der Zukunft. Der Einzelhandelsausschuss der IHK Siegen hat bereits darauf hingewiesen, dass es Einzelhändler ohne Internetpräsenz künftig schwer haben werden. 

Umsatzverlagerung ins Internet 

Wenn Kunden nicht online shoppen, nutzen sie das Internet als Informationsquelle. Laut Erfahrungen des Einzelhandelsverbands informiert sich eine große Zahl Verbraucher online über Angebote, kauft aber dennoch häufig vor Ort. Einzelhändler ohne Internetpräsenz werden zum Großteil gar nicht mehr wahrgenommen. Gleichzeitig steigt der Anteil der Onlinekäufe kontinuierlich. Wie die statistischen Auswertungen des Statistik-Portals de.statista.com zeigen, ist der Anteil der Onlinekäufer in Deutschland von 9,7 Prozent im Jahr 2000 auf 62,6 Prozent im Jahr 2014 angestiegen. Tendenz steigend. Bis 2018 soll der E-Commerce Umsatz in Deutschland auf 99,33 Milliarden US-Dollar ansteigen. 2014 waren es noch rund 73 Milliarden. Eine Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt. 

Das Internet wird immer attraktiver

Einzelhändler, die diese Tatsache unterschätzen, schmälern damit ihren betrieblichen Erfolg und riskieren schon bald im Abseits des Handels zu landen. Einer der markantesten Anreize für den virtuellen Einkauf ist das Sparpotenzial. Viele Verbraucher entscheiden sich bewusst für den Onlinekauf, um Geld zu sparen. Vergleichsplattformen erlauben das schnelle und komfortable Gegenüberstellen mehrerer Hersteller, um ein gewünschtes Produkt zum günstigen Preis zu ergattern. Online hat sich eine regelrechte Spar-Gemeinde entwickelt, wie unter anderem die Internetseite sparheld.de/community einer deutschen Gutschein-Community beweist. Über derartige Anbieter haben Konsumenten nicht nur die Möglichkeit, tagesaktuell Gutschiene und Rabatte für eine Vielzahl an Onlineshops zu finden. Sie können gleichzeitig über das Beitreten einer Community und durch Schreiben von Erfahrungsberichten oder die Meldung attraktiver Gutscheine Vergütungen erhalten. Derartige Anreize gibt es reichlich. Sie fördern die Attraktivität des Onlinehandels zunehmend und tragen dazu bei, dass sich der Konsum auch in Zukunft weiter ins Internet verlagern wird. 

Umsatzzahlen E-Commerce Deutschland: 

Jahr 

Umsatz (gerundet) 

Prognose (gerundet) 

2011

38 Milliarden US-Dollar 

-

2012

49 Milliarden US-Dollar

-

2013

52 Milliarden US-Dollar

-

2014 

73 Milliarden US-Dollar

-

2016

-

83 Milliarden US-Dollar

2017

-

92 Milliarden US-Dollar 

2018 

-

99 Milliarden US-Dollar

Clevere Lösungen zur Förderung des lokalen Einzelhandels 

Um den lokalen Einzelhandel zu fördern, haben sich einige Initiativen gebildet. Ein positives Beispiel ist das Web-Kaufhaus unter www.lokaso.de. Die Billiton Internet Services GmbH hat hierbei ein Konzept entwickelt, das es den lokalen Händlern aus Siegen und Umgebung erleichtern soll, am Online-Handel teilzunehmen. Im Fokus des Projektes stehen Händler ohne beziehungsweise mit eingeschränkter Erfahrung im E-Commerce. Kunden sollen bei Lokaso ab Herbst 2016 „regionale Produkte versandkostenfrei bestellen“ können, so der Hinweis. Interessierte Einzelhändler haben die Chance, an diesem Konzept zum virtuellen Produktvertrieb teilzunehmen. 

In eine ähnliche Richtung geht der Wettbewerb „Die digitale Innenstadt“, der vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) gemeinsam mit eBay ins Leben gerufen und von der Stadt Diepholz gewonnen wurde. Auf der Internetseite des HDE www.einzelhandel.de/digitale-innenstadt erklärt eBay Deutschland-Chef und Jury-Mitglied Stefan Wenzel: „Handel wächst online, aber Online-Handel im Alleingang ist komplex. Deshalb scheuen viele kleine Händler den Versuch, das so wichtige Wachstum online zu erzielen. Diepholz hat das erkannt und die Händler vor Ort auf das Thema Online eingeschworen. Eine wichtige Grundlage für den Erfolg.“ Als Sieger von „Die digitale Innenstadt“ wird der lokale Handel der Stadt in Niedersachsen konkret gefördert. Der Marktplatz „Diepholz bei eBay“ soll bereits im Herbst 2016 an den Start gehen und ist fester Bestandteil des Förderprogramms. Mit 17 Millionen deutschen Käufern und 162 Millionen Käufern in der ganzen Welt eröffnet sich den regionalen Händlern eine enorme Reichweite. Die Bewerbungen zum Wettbewerb kamen aus sechs Bundesländern. Ein Großteil aus Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die NRW-Stadt Oberhausen schaffte es auf den dritten Platz und konnte lokalen Händlern damit über zwölf Monate kostenfreien Zugang zu eBay-Basisshops sichern. „Ein wichtiger Schritt für die zukunftsfeste Ausrichtung von Innenstädten, besonders in Mittelzentren wie Diepholz, ist die Digitalisierung. Nur wer sich auf das geänderte Kaufverhalten der Kunden einstellt, wird auf Dauer mithalten können“, bringt Diepholz Bürgermeister Dr. Thomas Schulze die Bedeutung der Onlinepräsenz von Einzelhändlern auf den Punkt. Quellen der 

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