Neue Software, neuer Plan: Apple öffnet seine Apps für Drittanbieter

Software, Updates und die Zusammenführung verschiedener Gerätetypen – das sind die Kernpunkte von Apples Keynote am 13.6.2016. Sie deuten erst einmal nicht auf große Veränderungen in der Firmenpolitik hin, tatsächlich bedeuten sie aber einen grundlegenden Perspektivwechsel des IT-Riesens.

Dank der Tatsache, dass Apple bislang sämtliche Produkte selbst entwickelte und produzierte, waren Software und Hardware optimal aufeinander abgestimmt – und funktionierten in der Folge meistens besser als die Produkte der Konkurrenz. Mit den neuen Updates im kommenden Herbst gewährt Apple nun erstmals Softwareentwicklern außerhalb des Unternehmens Zugriff auf Apps wie Apple TV, Maps und Siri. 

Nicht ohne Grund 

Erstmals in der Firmengeschichte öffnet der Konzern seine hauseigene Software für Drittanbieter. Apple gibt damit zwar etwas Kontrolle über die Inhalte der Apps ab, setzt im Gegenzug aber auf den Sogeffekt, der hoffentlich entsteht, wenn Drittanbieter weitere Funktionen in ausgewählte Apps integrieren. Nutzer könnten künftig ein Taxi rufen, ohne die Maps-App verlassen zu müssen, per Sprachbefehl über Siri den Fernseher oder die Klimaanlage steuern, oder per iMessage mit dem Kundenservice eines Unternehmens chatten. Apple will damit die Verkäufe von iPhone, MacBook Air und Apple TV in seinen eigenen Stores und bei Drittanbietern wie Cyberport ankurbeln – immerhin sind die Verkaufszahlen dieser Geräte seit einigen Monaten rückläufig; vereinzelt sind sie um bis zu 18 Prozent gesunken. Mit der Öffnung der Apps für fremde Anbieter will das Unternehmen den Abwärtstrend stoppen und sich gegenüber der Konkurrenz behaupten. Da die Dritthersteller ihre Funktionen kostenlos in die Apps integrieren, verschafft sich Apple diesen Vorteil ganz ohne zusätzliche Kosten. 

Wie die Konkurrenz, nur ein bisschen mehr 

Google hat diesen Schritt der Öffnung bereits gemacht: Es hat seine hauseigene Spracherkennungssoftware und Google Now für Entwickler geöffnet. Drittanbieter können nun Funktionen in beide Apps integrieren. Dadurch lassen sich künftig alle Bereiche eines Android-Tablets oder -Smartphones per Sprachbefehl steuern bzw. bearbeiten. Eine im Hintergrund arbeitende Cloud-Anwendung soll dafür sorgen, dass die Erkennung von gesprochenen Wörtern stetig verbessert wird. Apple wird nicht nur nachziehen, sondern in seinen Bemühungen noch wesentlich weitergehen als Google: Es öffnet gleich mehrere Flaggschiff-Anwendungen für die Integration von Funktionen. Bei Amazons Heimsteuerungsgerät "Echo" hat sich dieses Konzept bereits bewährt und maßgeblich zum Erfolg der Hardware beigetragen. Ob Apple mit seiner Strategie einen ähnlichen Erfolg feiern wird, bleibt abzuwarten. 

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