Die Rentenversicherung kündigen: Ja oder nein?

1891 wurde in Deutschland die gesetzliche Sozial- und Rentenversicherung eingeführt. Sie gilt bis heute als das wichtigste Standbein der Altersversorgung. Auch 2016 wird viel über den Nutzen und das sinkende Rentenniveau diskutiert.

Lohnt sich eine bestehende Rentenversicherung oder sollte man sie kündigen und sich nach einer Alternative umsehen? 

Welche Rentenarten gibt es?

In Deutschland gibt es die gesetzliche Rente und unterschiedliche private Vorsorgemöglichkeiten. Private Altersvorsorgen können zusätzlich zur gesetzlichen Rente getroffen werden. Viele kommen bei der Ermittlung der Rentenlücke zu dem Schluss, dass sie zusätzlich zur gesetzlichen Grundrente ein weiteres finanzielles Standbein benötigen. Seit Einführung der Riesterrente wurde nämlich das gesetzliche Rentenniveau kontinuierlich gesenkt. Es soll sogar noch weiter bis auf 43 Prozent abfallen. Dass diese Rentenhöhe zum Leben vermutlich nicht mehr ausreicht, wird seit Jahren diskutiert. Die Angst vor der Altersarmut ist ein Fakt, der den privaten Altersvorsorgen zugutekommt. Zu der bekanntesten Form einer solchen Privatrente zählt die Riester-Rente. Sie ist allerdings nur für Freiberufler, Selbstständige und erwerbslose Personen gedacht. Eine weitere private Rente ist die Rürup-Rente. Sie wurde 2005 als zusätzliche Basisrente eingeführt. Bei der Riester- sowie der Rürup-Rente können die monatlichen Rentenbeiträge teilweise von der Steuer abgesetzt werden. Darüber hinaus gibt es Privatrentenmodelle von verschiedenen Anbietern (Banken, Versicherungen), die ähnlich wie eine Kapitalversicherung funktionieren. Man zahlt über viele Jahre einen bestimmten Beitrag auf ein Konto ein und erhält mit Eintritt in die Rente sein Geld plus Rendite.

Vor- und Nachteile abwägen 

Gerade beim Thema Rendite schneiden viele Rentenmodelle schlecht ab, denn was ein Rentner am Ende ausgezahlt bekommt, ist oft nicht viel. Schuld daran sind Krankenkassenbeiträge, Steuerabzüge und Versicherungsaufwandsgebühren, die vor der Auszahlung noch einmal erhoben werden. Viele denken deshalb darüber nach, ihre private Rentenversicherung zu kündigen. Im Internet findet man bereits praktische Formulare dafür, die man nur noch ausfüllen und abschicken muss. Bevor man seine private Rentenversicherung auflöst, sollte man allerdings die Vor- und Nachteile abwägen. 

Nachteile einer Kündigung 

Ähnlich wie bei einer Lebensversicherung erhält man nach der Kündigung der Privatrente nur noch den sogenannten Rückkaufwert. Das heißt, dass man nicht den Gesamtbetrag, den man über die Jahre eingezahlt hat erhält, sondern lediglich einen Wert, der nach Abzügen von Vorfälligkeitsentschädigungen und Abschlusskosten übrig bleibt. Allein die Abschlusskosten können bis zu 6 Prozent betragen. Der finanzielle Verlust kann je nach bisheriger Vertragslaufzeit enorm sein. 

Vorteile einer Privatrenten-Kündigung 

In der Regel verliert man Geld gegenüber des eingezahlten Betrages, spart aber dafür die weiteren monatlichen Beiträge. Zudem gibt es andere Sparmodelle, bei denen man eventuell flexiblere und ertragsreichere Konditionen erhält. Gerade die Renditen aus der Privatvorsorge sind recht gering. Mit Hilfe eines Banksparplanes könnte man alternativ mehr sparen. Der Vorteil an Alternativen wäre auch der Wegfall der Steuern auf die Zinserträge. Darüber hinaus ist die private Rentenversicherung nur für diejenigen, die besonders alt werden besonders lohnenswert. Geld, das nach dem Tod des Versicherungsnehmers übrig ist, behält nämlich die Versicherung. 

Fazit 

Ob man eine bestehende Rentenversicherung kündigen sollte oder nicht, kann pauschal nicht festgelegt werden. Fakt ist, dass eine Kündigung sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Man muss deshalb die Vertragskonditionen mit seiner finanziellen Situation individuell abwägen. Experten kommen immer wieder zu dem Schluss, dass man eine bestehende Privatrente nicht leichtfertig kündigen sollte. Im Zweifelsfall ist eine mit der bestehenden Privatvorsorge vereinbarte Alternative die beste Lösung. 

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