Secondhand-Boom: Konsumverhalten im Wandel– Gebrauchtes gefragter denn je

Lange war es üblich bei Bedarf unmittelbar neue Ware zu kaufen. In Zeiten von Upcycling, Flohmarkt-Apps und eines minimalistischen Lebensstils erfreut sich die Welt der Gebrauchtwaren jedoch zunehmender Beliebtheit.

Ein Umdenken hat stattgefunden und motiviert eine steigende Anzahl Menschen dazu, ihr Konsumverhalten zu überdenken. Neben regionalen Kleiderbörsen und Tauschpartys machen immer mehr Onlineportale auf sich aufmerksam, welche sich mit dem Gebrauchtwarenhandel beschäftigen. Doch wo liegen die Grenzen von Secondhand? Ein Einblick in die aktuelle Welt des verantwortungsvollen Konsums.

Symbolisiert der Trend das Ende der Wegwerfgesellschaft? 

Diese Frage lässt sich derzeit noch nicht eindeutig positiv beantworten. Fest steht, dass die Gesellschaft aufgrund der massiven Auswirkungen auf die Umwelt sensibilisiert ist und sich vermehrt mit konkreten Alternativen auseinandersetzt. Der Gebrauchtwarenmarkt erlebt in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung. Nachhaltiges Konsumieren gehört heute zum guten Ton und wer sich über Herstellungsprozesse und ökologische Auswirkungen keine Gedanken macht, wird gerne als Ignorant bezeichnet 

Gebrauchte Kleidung – umweltfreundlich und preiswert 

Der Secondhand-Boom hat mittlerweile viele Gesichter. Gebrauchte Kleidung in gutem Zustand wechselt beispielsweise auf offiziellen Tauschbörsen oder privaten Tausch-Partys den Besitzer und so manches Lieblingsstück wird ergattert. Das damit einhergehende Glücksgefühl inklusive, schließlich handelt es sich um Schnäppchen. Aber auch die klassischen Secondhand-Läden sind gefragt. Die Kundschaft ist überzeugt vom Konzept, gebrauchte Bekleidung, die für die Entsorgung viel zu schade ist, für andere bereitzustellen und gleichzeitig Gebrauchtes einzukaufen ohne Ressourcen zu verschwenden 

Baby- und Kinderkleidung zählt zu den beliebtesten Gebrauchtwaren in Secondhand-Shops sowie Tauschbörsen. Die Gründe liegen auf der Hand. Zum einen wachsen die Kleinsten besonders schnell aus ihrer Garderobe heraus, wodurch sich die Unkosten für Eltern summieren. Der Neukauf lohnt sich kaum. Stattdessen wird zu Gebrauchtware gegriffen, die meist mit einem sehr guten Zustand überzeugt. Zum anderen liegt vielen Käufern das Wohl der Kinderhaut am Herzen. Gebrauchte Kleider wurden in der Regel schon häufig gewaschen, weshalb das Risiko für Hautkontakt mit Färbemitteln oder sonstigen Schadstoffen sinkt. 

Spielzeug, Bücher, Filme und Co. – Online-Portale verzeichnen Zuwachs 

Auch bei Kinderspielzeug bevorzugen zahlreiche Konsumenten gebrauchte Produkte und schauen sich auf Flohmärkten nach geeigneten Mitbringseln um. Ähnlich wie bei Kinderkleidung werden Spielwaren nur für einen begrenzten Zeitraum verwendet, bis der Nachwuchs das Interesse verliert. Eine Tatsache, die viele zum Umdenken animiert. Neben der Einsparung von Rohstoffen gilt das Sparpotenzial als Beweggrund. Im Vergleich zum Neukauf werden gebrauchte Spielsachen für einen Bruchteil des ursprünglichen Kaufpreises angeboten. 

Konsumenten, die gebrauchte Medien, wie Bücher, Filme oder Videospiele loswerden möchten, suchen oft gezielt Online-Plattformen auf, weil sich diese Gebrauchtwaren im stationären Handel eher schleppend verkaufen. Ein Beispiel stellt der Medien- und Elektronik-Ankauf-Service unter sellorado.de dar, welcher unter anderem Bücher, DVDs und Videospiele kostenlos ankauft. Nachdem Verbraucher ihre Waren per Post an das Unternehmen versandt haben, erhalten sie nach Wareneingang den zuvor ermittelten Ankaufpreis vergütet. Um den eigentlichen Verkauf der Gebrauchtwaren an die neuen Besitzer kümmert sich das Portal, sodass der Aufwand für den Nutzer minimal bleibt. Derartige Konzepte erfreuen sich aufgrund der komfortablen Abwicklung zunehmender Popularität. Viele Konsumenten, welche die Zeit für Flohmärkte oder Tauschbörsen nicht aufbringen möchten, entscheiden sich für die Alternative im Internet. 

Gebrauchtwarenläden zum Spenden 

Wenn der persönliche Besitz gespendet werden soll, bieten sich unter anderem Gebrauchtwarenläden der Arbeiterwohlfahrt (AWO) an, die sich online unter awo.org präsentiert. Die Arbeiterwohlfahrt ist in Deutschland einer der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und als eingetragener gemeinnütziger Verein bekannt. Mit Sitz in Berlin betreibt die AWO in der gesamten Bundesrepublik zahlreiche Gebrauchtwarenläden beziehungsweise Gebrauchtwarenhallen. Spender können dort Gebrauchtwaren wie Geschirr, Spielzeug oder Möbel in gutem Zustand kostenlos abgeben. Die gebrauchten Gegenstände werden anschließend zu attraktiven Preisen verkauft und die Einnahmen dienen Projekten, um sozial schlechter gestellte Menschen zu unterstützen.

Der Bayerische Rundfunk hat über einen Second-Hand-Laden des Roten Kreuzes berichtet und bestätigt in der Sendung die hohe Nachfrage. 

Da derartige Anlaufstellen nicht flächendeckend bereitstehen und viele Konsumenten nicht wissen, wohin mit ihren Sachen, wurde das Projekt wohindamit.org ins Leben gerufen. Auf der Internetseite finden Verbraucher heraus, wo sie ihre Sachspenden lokal abgeben können. Für folgende Produktarten steht die Onlinesuche zur Verfügung:

  • Möbel
  • Elektronik
  • Bücher
  • Spielzeug
  • Hausrat
  • Kleidung
  • Fahrzeuge
Für die Suche müssen User lediglich angeben, was sie spenden möchten und wo. Das System ermittelt alle sozialen Einrichtungen in der Nähe. Darunter Adressen der Caritas oder von Asylhilfegruppen. Nutzer, die eine ihnen bekannte Einrichtung in den Suchergebnissen nicht finden, können das Repertoire von „Wohin damit?“ im System ergänzen.

Kleingeräte günstig reparieren lassen 

Das Repertoire an Kleingeräten hat in deutschen Haushalten rasant zugenommen. Toaster und Kaffeemaschine sind längst nicht mehr das Nonplusultra. Stattdessen sorgen elektronische Zahnbürsten, Cake-Pop-Maker, Eierkocher, Crepesplatten, Entsafter und vieles mehr für jede Menge Elektroschrott. Während viele Verbraucher bereits gegensteuern und ihren Konsum auf das Nötigste reduziert haben, steuern andere mit dem Gang zu sogenannten „Repair-Cafés“ der Wegwerfgesellschaft entgegen. Diese Geschäfte haben sich auf die Reparatur von gebrauchten Elektro-Kleingeräten spezialisiert und machen vom Küchenradio über den Sandwich-Maker bis hin zum Toaster alles wieder fit.

Ausnahme Elektrogeräte 

Dass der Secondhand-Boom seine Grenzen hat, wird spätestens beim Blick in den Elektrogeräte-Markt deutlich. Handelt es sich bei den gebrauchten Gerätschaften um Stromfresser mit schlechter Energiebilanz, wäre es sinnvoller die Altgeräte ordnungsgemäß zu entsorgen und ein neues Modell mit höchster Energieeffizienzklasse anzuschaffen. Bei Kühlschränken rät das Umweltbundesamt zur Effizienzklasse A+++, bei Waschmaschinen und Geschirrspülern gilt dies ebenfalls. Die Strom- und Wasserersparnis ist markant und schont die Umwelt weitaus mehr, als die Nutzung von Altgeräten, die viel mehr Energie für die gleiche Leistung aufwenden müssen.

Fazit 

Secondhand ist zweifelsfrei ein willkommener und notwendiger Trend, um die massive Zerstörung der Umwelt aufzuhalten. Verbraucher, die ihre gebrauchten Schätze im Keller verkaufen oder spenden möchten, finden sowohl regional als auch online eine Vielzahl an Möglichkeiten.

Bilder: pixabay.com: PurPura & 422737

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