"Silver Gamer": Eine der wichtigsten Zielgruppen für die Gaming-Branche

Videospielkonsolen oder Gaming-PCs werden gerne als Bestandteile von Kinder- und Jugendzimmern angesehen. In den 1980er-Jahren hielten die Geräte in zahlreichen Haushalten Einzug – meist als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke – was ihnen schnell den Spielzeug-Stempel aufdrückte.

Doch dieses Bild ist seit einigen Jahren im Wandel begriffen: Zum einen werden die Zocker von damals selbst älter und zum anderen gesellen sich mit Smartphones und Tablets neue spielfähige Geräte zu den klassischen hinzu. Diese sprechen auch eine neue Zielgruppe der sogenannten "Silver Gamer" an, die vielleicht erst später mit Games in Kontakt gekommen sind. Für welche Spiele sich die älteren Gamer interessieren und warum diese Zielgruppe für die Branche immer wichtiger wird, klärt der folgende Artikel. 

Mehr als ein Viertel der US-amerikanischen Gamer ist Ü50 

Wer Pac-Man anno 1980 als junger Teenager gespielt hat, ist mittlerweile um die 50 Jahre alt und gehört damit zu einer wachsenden und zunehmend relevanten Zielgruppe für die Gaming-Industrie. Laut Bob De Schutter, Professor für Gamedesign in Miami, sind in den USA mehr als 37 Millionen Gamer über 50 Jahre alt – das entspricht 27 bis 29 Prozent aller US-amerikanischen Zocker. Nicht viel kleiner sollen ihre Anteile unter den Spielern in Asien und Europa sein: In Deutschland sind es beispielsweise im Jahr 2014 laut Statista 23,3 Prozent gewesen. 

Statistik: Verteilung der Videogamer in Deutschland nach Alter im Jahr 2014 | Statista (Mehr Statistiken finden Sie bei Statista.) 

Mit dem Älterwerden der "Gaming-Pioniere" wird die Gruppe der "Silver Gamer" künftig weiter wachsen – ihr Geschmack zunehmend die Produktion bestimmen. Auch der demografische Wandel in vielen westlichen Industrienationen wird seinen Beitrag zum Wachstum dieser Gruppe leisten. Umso wichtiger wird es für die Branche, ihren Blick verstärkt auf diese Zielgruppe zu richten und zielgruppengerechte Spiele für relevante Plattformen zu produzieren. Das geschieht bereits seit einigen Jahren mit den aufstrebenden Mobile- und Browsergames. Diese Spielvarianten sind besonders einsteigerfreundlich: Eine teure Anschaffung von Spielekonsolen oder leistungsstarken Gaming-PCs ist nicht mehr unbedingt notwendig. Stattdessen kann einfach im Browser oder auf dem Smartphone gezockt werden. Jörg Müller-Lietzkow, Professor an der Universität Paderborn, erklärt in diesem Artikel, dass die älteren Spieler besonders von neu interpretierten Klassikern, Brett- und Kartenspielen auf Smartphone und Tablet angesprochen werden. In einem vergleichbaren Maß hat das zuvor nur Nintendos Wii geschafft – eine Konsole, die von Kindern bis zu Großeltern die gesamte Familie ansprechen möchte. Neben klassischen Genres – wie den beliebten Jump 'n' Runs rund um Kultfigur Super Mario – bietet sie auch Fitness- und Geschicklichkeitsspiele mit Bewegungssteuerung. 

Anspruchsvolle Spiele gefordert 

Während Actionspiele und Shooter bei älteren Gamern weniger gefragt sind, haben sie stattdessen "eine Vorliebe für Games, die sie auch intellektuell fordern", sagt De Schutter dem Portal Golem. Darunter fallen besonders Strategie- und Simulationsspiele. Ein Beispiel für das generationsübergreifend sehr beliebte Strategie-Genre wäre das Browsergame Goodgame Empire: Es kann einfach online gespielt werden und erfordert ein cleveres und taktisches Vorgehen des Spielers. Eben solche Elemente werden zunehmend relevant und von anspruchsvollen Spielern gefordert. Dennoch verweist De Schutter darauf, dass die ältere Zielgruppe sehr heterogen ist und somit keinen komplett einheitlichen Geschmack hat. Auch Online-Rollenspiele (sogenannte MMORPGs) wie World of Warcraft sind bei vielen von ihnen äußerst beliebt. Hierbei trifft man sich online, um in Gruppen Abenteuer zu bestehen – natürlich auch mit jüngeren Mitspielern. Zudem durchschauen erfahrenere und ältere Spieler bekannte und immer wiederkehrende Muster in Videospielen – sie fordern mehr Innovation und Anspruch. Wie sich die Gamebranche entwickeln wird und welchen Einfluss die älterwerdenden Zocker und ihr Geschmack auf die Produktion nehmen werden, wird sich noch zeigen. Schon jetzt zeichnet sich eine Schwerpunktverlagerung von klassischen Konsolensystemen zu unkomplizierteren mobilen Spieleplattformen ab. Ebenso scheinen Videospiele die Generationen zunehmend auch zusammenzubringen – ob vor der Wii, zum gemeinsamen Austüfteln neuer Strategien bei taktischen Games oder um in einer Rollenspielgruppe online Abenteuer zu bestehen. 

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