Alternative Geldanlagen: Renditewunder im Nullzins-Nirvana?

Die anhaltende Niedrigzinspolitik der internationalen Notenbanken gepaart mit der traditionellen Skepsis der Deutschen gegenüber Aktien und Anleihen lässt viele Anleger mit der Performance ihrer Geldanlagen hadern.

Kein Wunder also, dass sich alternative Geldanlagen seit geraumer Zeit großer Beliebtheit erfreuen, gelten sie doch als Renditewunder auch in einem schwierigen Marktumfeld wie dem jetzigen. Schon an dieser Stelle begehen unerfahrenere Anleger den ersten Fehler: Ein Anlageportfolio sollte grundsätzlich einen ausreichend hohen Grad an Diversifikation aufweisen, was einen gewissen Anteil an alternativen Formen der Geldanlage bereits einschließt. Was also bringen die angeblichen Renditewunder? Und was genau ist unter alternativen Geldanlagen eigentlich zu verstehen? 

Was genau sind alternative Investments?

Der Begriff alternative Investments ist nicht sauber definiert und kann folglich unterschiedlich interpretiert werden. Ganz allgemein gelten Investments in nicht traditionelle Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen bereits als alternativ, was beispielsweise Anlagen in Hedgefonds, Immobilien, Grundbesitz (z.B. Wälder, Plantagen) und unternehmerische Beteiligungen (z.B. in Infrastrukturprojekte, Schiffe/Cargo, regenerative Energien) einschließt. Etwas exotischer wirken dagegen schon alternative Investments im Web 2.0-Umfeld, etwa in Form von Crowd-Investment, Risikokapital für Gründer, P2P-Darlehen und P2B-Krediten. Verbraucher verstehen unter alternativen Geldanlagen oftmals Investments in Sachgüter oder Rechte - sie werden bereits seit Ausbruch der Finanzkrise als Geheimtipp für risikoaverse und renditehungrige Anleger gehandelt. Genau hier liegt allerdings auch eine große Gefahr: Wie bei allen Anlageformen müssen Anleger auch hier über ein ausreichend breites und tiefes Wissen verfügen, um attraktive Investmentchancen erkennen und nutzen zu können. 

Edelmetalle oder Schmuck? 

In Krisenzeiten gilt Gold schon seit Jahrtausenden als Anlageform der Wahl. Das Edelmetall ist selten und kann zumindest theoretisch in physischer Form nicht an Wert verlieren. In Edelmetalle wie beispielsweise Gold kann in unterschiedlicher Weise investiert werden: Ganz klassisch in physisches Gold (z.B. Barren), in handelbare Goldoptionen oder auch in Schmuck. Jede dieser Formen birgt eigene Risiken und Besonderheiten. So scheint physisches Gold für sehr sicherheitsorientierte Anleger eine gute Wahl zu sein - sein Wert unterliegt jedoch zum Teil starken Schwankungen und es muss während der Haltezeit sicher aufbewahrt werden. Optionen bieten mehr Möglichkeiten, auf die künftige Wertentwicklung von Edelmetallen wie Gold zu wetten. Es ergeben sich damit z.T. hohe Renditechancen - aber auch ein höheres Risiko für Verluste. Geldanlagen in Schmuck sollten nur echten Kennern oder Schmuckliebhabern vorbehalten sein - als Möglichkeit der Anlage in Edelmetalle sind verarbeitete Metalle und Edelsteine im Allgemeinen weniger gut geeignet, zumal der Wert eines Schmuckstücks je nach Expertenmeinung stark schwanken kann. 

Anlagehype um Fahrzeuge 

Die Meldungen über Oldtimer, die von Auktionshäusern für Millionenbeträge den Besitzer wechseln, lassen auch Anleger aufhorchen. Tatsächlich gelten Oltimer und Youngtimer (Autos ebenso wie Rennwagen, Motorräder, Traktoren usw.) als durchaus attraktive Anlagegegenstände, die Potenzial für erhebliche Wertsteigerungen mitbringen. Vorausgesetzt der Sammler kennt den Markt, hat die Möglichkeit zur sicheren und fachgerechten Unterbringung seiner Anlageobjektive, kann sich die Instandhaltungs- und Versicherungskosten leisten und hat das nötige Glück, das benötigt wird, damit ein bestimmtes Fahrzeug in der Zukunft von Fahrzeugliebhabern als besonders selten und wertvoll betrachtet wird. Alles in allem ein großes Spekulationsgeschäft, das sich für Kleinanleger eher selten eignet. 

Geldanlagen für Gourmets 

Dass ein guter Tropfen viel Geld kosten kann, wissen nicht nur Gourmets. Naheliegend also die Vermutung, dass ausgewählte Lebensmittel mit der Zeit besonders im Wert steigen und sich daher als Geldanlage eignen. Grundsätzlich trifft diese Vermutung auch zu, zumindest bei haltbaren Lebensmitteln wie hochwertigen Weinen, Champagner oder Whisky. Aber auch hier gilt: Fachwissen ist für diese Form der Geldanlage mindestens ebenso wichtig wie die Möglichkeit, die kulinarischen Schätze fachgerecht zu lagern - allein eine unsachgemäße Lagerung kann den Wert eines Weines schon zunichtemachen. 

Geldanlagen in Kunst und Kultur 

Um Kunst ist in den vergangenen Jahren ein regelrechter Hype entstanden: Mangels attraktiver Alternativen investieren Anleger Unsummen selbst in unbekannte Künstler und Kunstwerke in der Hoffnung auf Wertsteigerung. Die allerdings muss nicht zwingend eintreten - nicht jeder Künstler gilt nach einigen Jahren als Jahrhunderttalent oder Genie, dessen Werke im 5- bis 6-stelligen Bereich Käufer finden. Hinzu kommt die Verantwortung, das erworbene Kunstwerk sachgemäß zu lagern - eine Debatte darum fand zuletzt mit dem Auffinden des Gurlitt-Kunstschatzes statt, der unsachgemäß in einer Mietwohnung gelagert wurde. Auch andere Kulturgüter wie beispielsweise Bücher sorgen bei Investoren mittlerweile für große Aufmerksamkeit - aber auch sie müssen sorgfältig und mit Sachverstand ausgewählt, sachgerecht gelagert und regelmäßig instandgesetzt werden. Deutlich "pflegeleichter" ist da das Investment in Rechte wie beispielsweise Musikrechte. 

Münzen, Briefmarken & Co: Alternative Investments für Kleinanleger 

Für Kleinanleger eignen sich alternative Investments in Kunst, Weine, Oldtimer usw. eher selten, da die dafür erforderlichen Summen meist deutlich über dem Anlagevolumen von Kleinanlegern liegen. Durchaus für Kleinanleger attraktiv sind allerdings alternative Investments in Sachwerte wie 

 

Der Einstieg in eine entsprechende Sammlung kann auch mit relativ geringen Anlagesummen erfolgen. Ein langer Anlagehorizont vorausgesetzt können insbesondere Briefmarken und Münzen aus besonderen Serien, streng limitierte Exemplare, Fehldrucke bzw. Fehlpressungen und Münzen mit einem sehr hohen Anteil an Edelmetallen deutlich im Wert steigen. Wichtig ist, dass entsprechende Anlageobjektive von vertrauenswürdigen Händlern bezogen werden, um Fehlkäufe und Fälschungen weitgehend auszuschließen.

Daneben eignen sich auch andere "Kleinigkeiten" wie beispielsweise Figuren aus den beliebten Überraschungseiern durchaus zur Geldanlage. Abhängig von Serie, Erscheinungsjahr und Seltenheit kann eine einzelne Figur unter Sammlern mehrere hundert oder sogar tausend Euro wert sein. Zu beachten ist bei derartigen Exoten, dass der Markt dafür vergleichsweise klein und die Bereitschaft, diese Preise tatsächlich zu zahlen, damit relativ gering ist. Mit anderen Worten: Ein Investment lohnt sich am ehesten für Anleger, die bereits leidenschaftliche Sammler sind und den Markt gut kennen.

Bildquelle: Muenzkurier.de

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