
Die Grundidee ist ehrenwert un, 05.09.2010 01:45 Uhr
Die Grundidee ist ehrenwert und verfolgt dabei ein hehres Ziel. Damit Frauen, ältere Arbeitnehmer und junge Migranten bei Bewerbungen nicht benachteiligt werden, will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder die anonymisierten Bewerbungen testen.
Denn leider ist es immer noch häufig so, dass vor der Einladung zu einem Vorstellungsgespräch eben nicht nur nach der Qualifikation beurteilt wird, sondern auch nach Alter oder Herkunft.
Studien haben ergeben, dass Menschen mit einem ausländischen Namen eine dreimal geringere Chance haben, eingeladen zu werden. Wer über 50 ist, egal ob weiß oder farbig, hat sogar noch weniger Chancen.
Doch realistisch ist das gewünschte Procedere nicht gerade.
"Diese anonymisierten Bewerbungen sind zwar gut gemeint, lösen das vermeintliche Problem nicht", bewertet der Siegener IHK-Hauptgeschäftsführer Franz-J. Mockenhaupt den Vorstoß der Ministerin. Und er hat wohl recht.
Das Ziel, Diskriminierungen zu verhindern, ist zwar lobenswert, es würde aber gerade für kleine und mittelständische Unternehmen einen immens hohen bürokratischen Aufwand bedeuten.
Denn solange ein anonymer Lebenslauf noch nicht im Gesetz festgeschrieben ist, die Bewerbungsunterlagen also in bewährter Manier bei den Firmen eintreffen, müssen diese erst noch aufwändig und teuer ? oft durch externe Dienstleister ? anonymisiert werden.
Wer wirklich diskriminieren will, ob bewusst oder eher unbewusst, tut dies sowieso, spätestens im zweiten Schritt beim oder nach dem Vorstellungsgespräch. Außerdem zählen in erster Linie bei den meisten heimischen Unternehmen die Qualifikation für die zu besetzende Stelle und nicht die Herkunft oder Familienstand und das um so mehr, je drängender die Demografieprobleme werden.
Gregor Breise
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