Armutsbericht: Ruhrgebiet ist "Problemregion Nummer eins"

Berlin/Düsseldorf - Viele Menschen haben im größten Ballungsraum Deutschlands nicht genug zum Leben: Dem Paritätischen Wohlfahrtsverband zufolge muss jeder fünfte Einwohner des Ruhrgebiets mittlerweile zu den Armen gezählt werden. Deutschlandweit gibt es dagegen etwas weniger Armut.

Jeder fünfte Einwohner des Ruhrgebiets muss dem Paritätischen Wohlfahrtsverband zufolge mittlerweile zu den Armen gezählt werden. Während es in Deutschland insgesamt etwas weniger Armut gab, ist die Armutsquote in Nordrhein-Westfalen zuletzt von 17,1 auf 17,5 Prozent gestiegen. Das Ruhrgebiet sei dabei die "Problemregion Nummer Eins", sagte der Geschäftsführer des Verbands, Ulrich Schneider, bei der Vorstellung des Armutsberichts 2016. 

Armut

Auch in Bayern stieg die Quote - dort aber lediglich von 11,3 auf 11,5 Prozent. In neun Bundesländern sank der Anteil der Armen. Trotz des leichten Rückgangs der Armut in Deutschland wollte Schneider nicht von einer Trendwende sprechen: Immerhin sank der Anteil lediglich um 0,1 Prozentpunkte auf 15,4 Prozent der Bevölkerung. 

Der Verband nannte einen Wert des Statistischen Bundesamts für 2014 als zentrale Zahl. Gezählt werden dabei Menschen, die in Haushalten mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens leben. Rechnerisch sind dies 12,5 Millionen Menschen, davon rund 3,4 Millionen Rentner, wie Schneider sagte. Alarmiert zeigte sich Schneider von der Lage der Rentner. Bei ihnen sei die Armut seit 2005 etwa zehn Mal so stark angewachsen wie beim Rest der Bevölkerung. Der Verband legte seinen Bericht erstmals gemeinsamen mit zahlreichen weiteren Sozialverbänden vor.

Region Dortmund belegt negativen Spitzenplatz

Zu den Großstädten mit den höchsten Armutsquoten in Deutschland zählt dem Bericht zufolge Dortmund: 23,5 Prozent der Menschen in der westfälischen Ruhrgebietsmetropole müssen mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens auskommen und gelten damit als armutsgefährdet.

Immerhin ist die Armutsquote in Dortmund im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozentpunkte leicht gesunken. Im Großraum Dortmund dagegen - dazu zählen die benachbarten Kreise Unna und Hamm - stieg der Anteil der Armutsgefährdeten auf 22 Prozent (plus 0,6). Insgesamt bleibt das Ruhrgebiet laut Paritätischem Gesamtverband "mehr denn je die armutspolitische Problemregion Nummer 1 in Deutschland".

Doch auch in den übrigen Regionen Westfalens steigt das Armutsrisiko: Der Bereich Paderborn/Höxter verzeichnet in der Region den größten Anstieg bei der Armutsquote auf nun 17,3 Prozent (plus 3,1). Der Bereich Arnsberg, zu dem der Hochsauerlandkreis und der Kreis Soest gehören, weist mit 13,8 Prozent (plus 1) die niedrigste Armutsquote in Westfalen auf. - lnw/WA

Quelle: wa.de

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