Ausgespäht beim Fernsehen: Verbraucherschützer klagen

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Wer ein digitales TV-Gerät mit Internetverbindung hat, ahnt meist nicht, dass darüber seine Fernsehgewohnheiten ausgespäht werden können.

Düsseldorf - Als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte, konnten sich Zuschauer wenigstens noch darauf verlassen, von den Herrschaften im Apparat nicht gesehen zu werden. Aber in der digitalen Welt wird am anderen Ende durchaus registriert, was wir gucken.

Wer ein digitales TV-Gerät mit Internetverbindung hat, ahnt meist nicht, dass darüber seine Fernsehgewohnheiten ausgespäht werden können. Einige Hersteller haben sich diese Erlaubnis selbst ins Kleingedruckte ihrer Geschäftsbedingungen und Bedienungsanleitungen geschrieben – das war einem aufmerksamen Bürger aufgefallen.

Wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen am Montag in Düsseldorf berichtete, hat sie deswegen einen großen Elektronik-Konzern verklagt. Auch andere Anbieter griffen ungefragt Daten von Fernsehzuschauern ab, sagte der Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, Wolfgang Schuldzinski. Zunächst will die Verbraucherzentrale nun den Ausgang des ersten Verfahrens abwarten, bevor sie auch gegen diese Hersteller vorgeht. „Man kann nicht mehrere Prozesse dieses Kalibers führen.“ Was mit den Daten geschehe, sei unbekannt.

Die zunehmende Digitalisierung des Alltags gehöre in den nächsten Jahren zu den größten neuen Herausforderungen für die Beratungsstellen, sagte NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne). „Wir geben oft unbewusst Daten weiter.“ Damit werde an anderer Stelle viel Geld verdient. Opfer der Datensammler ist auch der Verbraucherminister selbst. „Seit Tagen bekomme ich Regentonnen-Angebote auf mein iPad, nachdem ich mich über Regensammelsysteme informiert habe.“

Das Land will die Arbeit der 60 Anlaufstellen der Verbraucherzentrale in NRW in den nächsten fünf Jahren mit rund 71 Millionen Euro unterstützen. Eine entsprechende Vereinbarung wurde am Montag unterzeichnet. Keine andere Institution könne mit soviel Planungssicherheit arbeiten, betonte Remmel. Dies werde von allen Landtagsfraktionen getragen.

Seit 2010 seien die jährlichen Zuweisungen des Landes von damals rund neun Millionen auf 14,5 Millionen für 2020 gestiegen. Zusammen mit kommunaler Förderung, Projektfinanzierung und Beratungseinnahmen kommt die Verbraucherzentrale auf ein Jahresbudget von rund 40 Millionen Euro. In Köln und Bonn werde nun schwerpunktmäßig eine aufsuchende Beratung erprobt, berichtete Schuldziniski. „Wir gehen in problematische Stadtteile, um auch die zu erreichen, die nicht von alleine kommen.“ - dpa

Quelle: wa.de

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