Bayer-Aufsichtsrat berät über Monsanto-Übernahme

Leverkusen - Im Mai legte Bayer ein Übernahmeangebot für den umstrittenen US-Konzern Monsanto vor. Nun könnte der Deal kurz vor der Entscheidung stehen. Es wäre ein historischer Kauf.

Begleitet von Spekulationen um einen bevorstehenden Durchbruch in den Übernahmeverhandlungen mit Monsanto ist am Mittwoch der Bayer-Aufsichtsrat zusammengetreten. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Branchenkreisen. 

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg steht der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern im monatelangen Ringen um die Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto kurz vor dem Ziel. Das Management des US-Konzerns wolle den Deal nun unterstützen, nachdem Bayer eine erneute Erhöhung der Offerte auf 66 Milliarden Dollar (knapp 59 Mrd Euro) signalisiert habe, berichtete die Nachrichtenagentur am Mittwoch unter Berufung auf zwei mit den Verhandlungen vertrauten Personen. 

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Entscheidend sei nun, dass der Bayer-Aufsichtsrat der höheren Offerte zustimmt. Die Gespräche dauerten an und der Preis könne sich noch ändern. Bayer sei bereit sein Angebot noch einmal auf rund 129 US-Dollar je Monsanto-Aktie aufzustocken, berichteten Bloomberg und die "Rheinische Post" übereinstimmend. Zuletzt hatten die Leverkusener 127,50 US-Dollar geboten. 

Um den Amerikanern die Zustimmung zu erleichtern, wolle Bayer zudem die sogenannte Ausfallprämie verdoppeln. Für den Fall, dass die Kartellbehörden dem Deal nicht zustimmen, sei Bayer nun bereit, etwa drei Milliarden Dollar (rund 2,7 Mrd Euro) an Monsanto zahlen. Weder Bayer noch Monsanto wollten die Informationen kommentieren. Bayer hatte im Mai angekündigt, den umstrittenen Biotechnologie-Riesen übernehmen zu wollen. Zunächst bot der Leverkusener Konzern 62 Milliarden Dollar (55 Mrd Euro) für den US-Konzern. 

Der Monsanto-Deal wäre die bislang größte Übernahme durch einen deutschen Konzern im Ausland und würde Bayer zur weltweiten Nummer eins im Geschäft mit Agrarchemie machen. Die Übernahmepläne von Bayer-Chef Werner Baumann sind allerdings nicht unumstritten. Monsanto steht in Europa seit Jahren wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte in der Kritik. Außerdem vertreibt Monsanto den Unkrautvernichter Glyphosat, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Der Bayer-Chef betont dagegen die Vorteile eines Zusammenschlusses. Die Agarindustrie stehe angesichts der schnell wachsenden Weltbevölkerung und der globalen Erwärmung vor gigantischen Herausforderungen. 

Durch die Kombination ihrer Fähigkeiten könnten Bayer und Monsanto hier wegweisende Antworten geben. Immerhin müssten bis 2050 drei Milliarden Menschen zusätzlich ernährt werden. Gleichzeitig müsse man die Folgen der Klimaerwärmung auf die Landwirtschaft in den Griff bekommen. Interessant für Bayer ist der innovative US-Konzern nicht nur wegen seines Know-hows in der Biotechnologie, sondern auch wegen seiner führenden Rolle beim "digital farming" - der Nutzung digitaler Techniken für die Landwirtschaft. 

Das globale Geschäft rund um Saatgut und Pflanzenschutzmittel steht vor gewaltigen Umwälzungen. Denn Bayer und Monsanto stehen mit ihren Fusionsplänen nicht allein. So hatten zuletzt die US-Behörden die geplante Milliarden-Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Konzerns Syngenta durch das chinesische Staatsunternehmen ChemChina genehmigt. Im vorigen Dezember hatten außerdem Dow Chemical und Dupont verkündet, über einen Zusammenschluss zu verhandeln.

dpa

Quelle: wa.de

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