Brisanter Bericht der F.A.Z.

Kettler: Sanierungsplan angeblich auf der Kippe, Verkauf wird geprüft

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Werl/Ense - Mit dem angekündigten Abbau von 200 Arbeitsplätzen, dem Verkauf der Fahrradsparte und der Aussicht auf Landesbürgschaften schien der angeschlagene Freizeit-Artikel-Hersteller Kettler auf dem Weg aus der Krise. Doch einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Folge könnte das Sanierungskonzept ins Wanken geraten. Demnach lassen Gläubiger alternativ einen Verkauf des Unternehmens prüfen.

Die F.A.Z. berichtete am Dienstagabend in einer Vorabmeldung, dass die Beratungsgesellschaft @visory auf Initiative von Kreditgebern auslote, ob sich ein Käufer für das Unternehmen finden könnte. Zumindest soll so der Marktwert des Unternehmens ermittelt werden.

Dass der Insolvenzplan bislang noch nicht präsentiert wurde, habe unter den Gläubigern die Sorge ausgelöst, dass das Unternehmen mit Stammsitz in Ense-Parsit und Werken in Werl seine Forderungen nicht vollständig begleichen könnte.

Die Zeitung zitiert aus einem Sitzungsprotokoll des Gläubigerausschusses vom 10. November. Demnach „erzielten die Teilnehmer Einigkeit dahingehend, dass ... eine 100-prozentige Befriedigung aufgrund des bislang skizzierten Insolvenzplanszenarios nicht mehr zu erwarten sei“. Nun gehe es um die Frage, ob die Kreditgeber ihr Geld durch einen Verkauf retten könnten. Deswegen solle als „Alternative zum Insolvenzplan“ ein „Markttest“ erfolgen.

Im Gläubigerausschuss sind laut den Unterlagen, aus denen die F.A.Z. zitiert, die Deutsche Bank, Atradius Kreditversicherung, die Pensions-Sicherungs-Verein AG, GE Capital Factoring, die Bundesagentur für Arbeit, die Lieferanten über eine Rechtsanwältin, die IG Metall und Carlyle vertreten.

Unabhängig von dieser Entwicklung geht es laut dem Zeitungsbericht mit dem Antrag auf eine Landesbürgschaft voran – dem Vernehmen nach gehe es um ein Volumen von 30 Millionen Euro, über das am 17. Dezember entschieden werden soll.

Anzeiger-Informationen zur Folge stimmt zumindest die Information, dass ein Verkauf des Unternehmens geprüft wird. Anfragen unserer Zeitung beim Unternehmen Kettler, zum von der F.A.Z. veröffentlichten Bericht, blieben am Dienstag unbeantwortet.

Auch der mit der Sanierung betraute Sachwalter Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger und der IG-Metall-Bevollmächtigte Torsten Kasubke verweigerten Stellungnahmen zu den Inhalten.

Falls aber geheimhaltungspflichtige Protokolle weitergeben seien, so Kasubke, behalte er sich rechtliche Schritte vor. Er gehe davon aus, dass die Informationen von jemandem lanciert wurden, der ein Interesse verfolge, das nicht das Interesse der Beschäftigten sei.

Die IG Metall bevorzuge auf jeden Fall eine Sanierung in Eigenverantwortung des Unternehmens. Mit dem Ziel, eine feindliche Übernahme zu verhindern, hatte Kettler im Juni ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Unternehmen beschäftigt in der Region rund 800 Menschen.

Quelle: wa.de

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