Bitte schwitzen: Stadt bezahlt Bürgern Sport im Park

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Sport im Park

Düsseldorf - Sie springen, strampeln und schwitzen. Düsseldorfer sollen mit einem kostenlosen Sportprogramm im Freien in Form kommen. Mit der Idee ist die Stadt nicht allein.

In Sportoutfits gehüllt folgen rund 40 Frauen und Männer auf knallbunten Iso-Matten den Anweisungen von Sebastian Bronner. "Weiter machen, den Bauchnabel nach innen ziehen und dabei das Atmen nicht vergessen!", ruft der Trainer im Düsseldorfer Nordpark den Sportwilligen zu. Die folgen brav den Ansagen, machen Kniebeugen, Liegestütze, Dehnungsübungen. 

Sport im Park

Vereinzelt bleiben Spaziergänger stehen und verfolgen das Treiben von "Sport im Park". Damit möchte Düsseldorf seine Bürger in Bewegung bringen. An acht Standorten und zwölf Terminen pro Woche geht's unter professioneller Anleitung zum Pilates, Yoga, oder allgemeinen Fitnesstraining aufs öffentliche Grün. Für Teilnehmer ist es komplett kostenlos. 

"Wir haben darauf gewartet, dass es wieder losgeht", berichten Lydia Frenzl und Stephan Bartmann. Sie haben bereits im vergangenen Jahr bei der Testphase des Programms mitgeschwitzt. Es sei angenehm, einen festen Termin für den Sport zu haben, ohne dass dieser verpflichte. "Und es gibt gute Anleitungen, die so auch nicht in jedem Fitnessstudio zu bekommen sind." 

"Das Programm ist der niedrigschwelligste Zugang zu Sport überhaupt", sagt Düsseldorfs Sportdezernent Burkhard Hintzsche. An- und Abmeldungen sind nicht nötig. Teilnehmer brauchen keine besonderen Vorkenntnisse oder Qualitäten. 

Sport im Park

"Die Leute müssen einfach nur mit Sportdress und Isomatte vorbeikommen", sagt Hintzsche. Ähnliche Modelle sind schon in anderen Städten etabliert. Zum kostenlosen Training bei Profis laden beispielsweise München und Stuttgart ein. In NRW sind unter anderem Aachen, Bonn und Köln dabei. Dieses Jahr kosteten die Sportstunden für die ganze Saison pro Termin rund 800 Euro, berichtet Marc Schlischka, Programm-Koordinator beim Sportdezernat Düsseldorf. Die Finanzierung erfolge durch Sponsoring und aus Haushaltsmitteln der Sportförderung. Dezernent Hintzsche sieht das Angebot als günstige Lösung für ein wachsendes Problem. "Die Bevölkerungszahl in Düsseldorf nimmt zu, aber die Fläche nicht." 

Sport im Park

Mit "Sport im Park" werde auf bestehende Flächen zurückgegriffen, ohne in Konkurrenz zu anderen Nutzungen zu treten. So müssten weder viel Geld, noch Zeit zum Bau neuer Sportplätze oder Hallen investiert werden, sagt Hintzsche. Nebenbei hofft er, mit dem Angebot auch Inklusion und Integration voran zu treiben. Die Flyer gibt es in mehreren Sprachen. Das Angebot würde gezielt auch in Flüchtlingsunterkünften beworben. "Wirklich jeder ist willkommen", betont Hintzsche. Horst Hübner, Professor für Sportsoziologie an der Uni Wuppertal, hält "Sport im Park" grundsätzlich für ein sinnvolles Angebot. 

Allerdings bezweifelt er, dass damit Couch-Potatos, also Sportmuffel, erreicht werden. Auch bei dem niedrigschwelligen Angebot gebe es Hürden zu überwinden, sagt der Wissenschaftler. "Man wird beobachtet, ist nicht in einer geschützten Vereinshalle oder im Fitnessstudio." Im Zweifelsfall koste es zwar kein Geld, Teilnehmer müssten sich aber auf das öffentliche "Schau-Sportlen" einlassen. Auch Erst-Teilnehmerin Carolin Terhaar hat Bedenken. 

Sport im Park

Zwar sei der Freiluft-Sport eine willkommene Abwechslung zum Fitnessstudio. "Nur ob ich auch bei Regen herkommen würde?" Programm-Koordinator Schlischka muss schmunzeln, als er das hört. Er sehe eigentlich nur einen Nachteil bei dem Programm und deutet auf seine Wade. "Als ich das letzte Mal mitgemacht habe, hatte ich danach einen riesigen, juckenden Mückenstich am Bein."

dpa/lnw

Quelle: wa.de

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