Blutbad bei Saufgelage: Kehle durchgeschnitten

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Der Angeklagte Leonid S. (l) sitzt zum Prozessauftakt im Gerichtssaal in Bielefeld. Neben ihm steht sein Verteidiger Martin Mauntel. Der 48-Jährige ist wegen Totschlags angeklagt. Er soll im Vollrausch einem Saufkumpan die Kehle durchgeschnitten haben.

Bielefeld - Erst floss reichlich Hochprozentiges, dann Blut: Bei einem Saufgelage soll ein 48-Jähriger seinem Trinkkumpan die Kehle mit einem Küchenmesser durchtrennt haben. Auftakt in einem Prozess, in dem auch Alkohol ein Schuldiger ist.

Die Drogen und der Alkohol haben im Leben des Angeklagten schon viel Unheil angerichtet: Seine Ehe zerbrach, weil er tagelang trank. Seine Leber ist kaputt. Er hat im Rausch mehrfach gestohlen, wie aus seinem Vorstrafenregister hervorgeht. 

Nun sitzt der 48-Jährige auf der Anklagebank des Landgerichts Bielefeld, weil er bei einem Saufgelage ein Leben ausgelöscht haben soll. Mit dem kraftvollen Schnitt eines Küchenmessers soll er Halsschlagadern, Speiseröhre, Kehlkopf und Halswirbelsäule eines Zechkumpans durchtrennt haben. 

Wegen Totschlags im Zustand verminderter Schuldfähigkeit ist der Frührentner angeklagt. Aufsehen erregte der Fall, weil der Angeklagte die Leiche zuerst auf den Balkon der Tatortwohnung gesetzt haben soll. Zwei Tage lang lagerte sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft dort. Dann soll er den Körper mit einem Rollator mehr als einen Kilometer weit durch Bielefeld gekarrt und in einen Bach geworfen haben. 

Eine Spaziergängerin fand die Leiche. 

Der Verlesung der Anklageschrift folgt der 48-Jährige beim Prozessauftakt am Dienstag still, den Kopf in die Hände gestützt. Laut den Worten der Staatsanwältin war der Tattag sein Geburtstag. Schon seit dem Mittag hatte er mit seinem Vater getrunken. 

Als sie im Supermarkt Nachschub holen wollen, trafen sie einen flüchtigen Bekannten, luden ihn ein, in der Wohnung des Vaters weiterzutrinken. Irgendwann seien der Angeklagte und der 57-Jährige aneinandergeraten. 

"Ich dachte, er hätte Geld von mir vom Tisch genommen", lässt der Angeklagte über seinen Anwalt verlesen. Der Streit eskalierte laut Anklage daraufhin so weit, dass der Mann zum Küchenmesser griff. In der Version des Angeklagten hat er damit auf eine akute Bedrohung reagiert. Sein Zechkumpan sei extrem aggressiv geworden. 

"Ich steche dich ab", habe dieser gerufen. Als der Bekannte in seiner Tasche wühlte, habe der Angeklagte Angst gehabt, sein Kontrahent würde nach etwas Scharfen suchen, um diese Drohung wahr zu machen. Da habe er sich auf ihn geworfen, Details erinnere er nicht. Er sei seit Jahren schwer suchtkrank, so die Erklärung. 

Überhaupt der Alkohol und die Drogen: "Ich hab alles genommen, wofür das Geld ausgereicht hat", sagt er auf Nachfragen - Cannabis, manchmal Heroin und Kokain. Schon mit 15 Jahren habe er Kontakt zu Hochprozentigem gehabt, später dann zu Opium. 

Der Deutsche wuchs in Russland auf, saß dort bereits einmal im Gefängnis, wie er in seiner Befragung angibt. Zu diesem Teil seiner Vergangenheit verweigert er nähere Angaben. 

So viel berichtet der Angeklagte aber im Prozess über sich: 2006 kam er nach Deutschland, fasste trotz zahlreicher Maßnahmen des Arbeitsamtes keinen Fuß in einem festen Job, geriet tiefer in die Spirale von Drogen und Alkohol. Seine sozialen Kontakte? Andere Männer mit Suchtproblemen. "Die, die trinken, die treffen sich dann auch", sagt er vor Gericht dazu. 

Kurz bevor es bei seinem Geburtstagsgelage zum Blutbad kam, war der 48-Jährige dauerhaft betrunken, wie er angibt. Auch sein Opfer trank zuvor kräftig mit: Bei seiner Obduktion hatte er 3,12 Promille im Blut.

dpa

Quelle: wa.de

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