Verteidiger will Höhe des Strafmaßes überprüfen lassen

Haft für Feuerwehrmann nach Brandanschlag in Altena

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[Update 17.50 Uhr] Altena/Hagen - Das Hagener Schwurgericht hat am Montag den Brandanschlag auf ein von Flüchtlingen bewohnten Hauses in Altena im Oktober 2015 als schwere Brandstiftung bewertet. Dirk D. soll für sechs Jahre ins Gefängnis, Marcel N. wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die beiden hatten die Tat gestanden.

Der Vorwurf des versuchten Mordes ist damit vom Tisch – es war die Kammer selbst, die im Januar eine entsprechende Bewertung der Tat für möglich gehalten und wenig später Untersuchungshaft für die beiden jungen Männer angeordnet hatte. Davon rückte sie mit dem Urteil wieder ab, wobei die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen in der Urteilsbegründung mehrfach betonte, dabei habe auch das Prinzip „im Zweifel für den Angeklagten“ eine Rolle gespielt. 

Wichtige Aussage des Brandsachverständigen

Vor allem mit den Aussagen des Brandsachverständigen begründete es das Gericht, dass versuchter Mord am Ende nicht mehr in Frage kam. Ein Feuer auf dem Dachboden berge nach seinen Angaben eine deutlich geringere Gefahr als eins im Keller. Außerdem hätten die beiden die Dachluke geschlossen, nachdem sie Benzin ausgeschüttet und angezündet hatten. Dadurch sei die Sauerstoffzufuhr verringert worden. Es habe sich lediglich ein Schwelbrand gebildet, der erst rund zwölf Stunden später entdeckte wurde. 

Selbst wenn es zu einem Vollbrand gekommen wäre, hätten die sieben in dem Haus lebenden Flüchtlinge sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können, war die Kammer nach dem Sachverständigenvortrag überzeugt. Sie ging davon aus, dass das auch der Feuerwehrmann Dirk D. gewusst hat.

Fremdenfeindlicher Hintergrund wirkt strafverschärfend

Für schwere Brandstiftung sieht das Strafgesetzbuch einen Strafrahmen von einem bis zu 15 Jahren vor, damit sind auch Bewährungsstrafen möglich. Das Strafmaß für die Angeklagten bewertete auch der Nebenkläger-Anwalt Mehmet Daimagüler als „hart“. Für die Kammer handele es sich um eine fremdenfeindliche Tat, das sei strafverschärfend zu werten, sagte Hartmann-Garschagen in der Urteilsbegründung.

Freundin goss "Öl ins Feuer"

Die Richterin zitierte die Welt, die Altena als „Hauptstadt der Mutbürger“ bezeichnet hatte. Die freiwillige Aufnahme von 100 zusätzlichen Flüchtlingen aber sei nicht bei allen auf Zustimmung gestoßen. Sie habe bei einigen auch Ängste vor einem Anstieg der Kriminalität und vor Entfremdung verursacht. Das sei bei Dirk D., von dem die Initiative zu der Tat ausgegangen sei, auf fruchtbaren Boden gefallen. Seine Freundin goss nach Überzeugung des Gerichts „Öl ins Feuer“, als sie wegen des Einzugs von Flüchtlingen im Haus neben Dirk Ds. Eigenheim mit Trennung drohte. Deshalb sei in Dirk D. der Entschluss gereift, „etwas dagegen zu tun“. Mit Marcel N. habe er einen ähnlich denkenden Mittäter gefunden – beide hätten sich schon seit Jahren fremdenfeindlich geäußert, was die Auswertung der Handys ergeben habe. Ziel sei es gewesen, das Haus unbewohnbar zu machen.

Andreas Trode, der Anwalt von Dirk D., kündigte an, die Höhe des Strafmaßes überprüfen lassen zu wollen. Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage zeigten sich mit dem Urteil zufrieden. Die Haftbefehle bleiben bestehen.

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Quelle: wa.de

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