Nebenklage: "versuchter Mord" / Verteidigung sieht keine politischen Motive

Brandanschlag in Altena: Anklage fordert sechs und vier Jahre Haft

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Altena - Im Prozess um den Brandanschlag auf ein von Flüchtlingen bewohntes Haus in Altena haben am Freitag nach Staatsanwaltschaft und Vertretern der Nebenkläger auch die Verteidiger ihre Plädoyers vor dem Schwurgericht in Hagen gehalten.

Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn wertet die Tat demnach weiterhin als schwere Brandstiftung und nicht als versuchten Mord. Zudem sieht die Anklage bei der Motivlage keinen rechtsradikalen, allerdings einen ausländerfeindlichen Hintergrund.

Oberstaatsanwalt Haldorn forderte für den Hauptangeklagten Dirk D. sechs, für seinen Mittäter Marcel N. vier Jahre Haft. 

Nebenkläger sieht Tatbestand des versuchten Mordes erfüllt

Der Anwalt der Nebenkläger, Jost von Wistinghausen, sieht dagegen den Tatbestand des siebenfachen versuchten Mordes erfüllt. Nur einem glücklichen Zufall sei zu verdanken, dass bei dem Anschlag niemand ums Leben gekommen sei. Einen konkreten Strafantrag stellte von Wistinghausen in seinem Plädoyer nicht. Er wollte dies dem Urteil des Gerichts überlassen.

Deutlich geringer als von der Gegenseite fiel die Forderung der Verteidigung von Dirk D. aus. Sein Anwalt Andreas Trode räumte in seinem Plädoyer die schwere Brandstiftung ein. Er forderte drei Jahre und sechs Monate Haft mit der Begründung, dass hier keine rassistischen oder politischen Motive zu erkennen seien. 

Verteidigung kritisiert "Versuch, politischen Prozess  zu führen"

In seiner Einlassung kritisierte Trode die Vertreter der Nebenklage scharf; sie hätten versucht, einen politischen Prozess zu führen. Auch Politiker wie den Vorsitzenden der Grünen Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, kritisierte der Verteidiger. Er und andere hätten sich unmittelbar nach den Geständnissen zu Wort gemeldet, ohne die näheren Sachverhalte überhaupt zu kennen.

Lutz Mollenkott, Verteidiger des mitangeklagten Marcel N., schloss sich den Ausführungen Trodes weitgehend an. Er betonte aber, sein Mandant habe darauf vertraut, dass Dirk D. bei der Tat so vorgehen werden, dass in dem Haus niemand zu Schaden komme. Mollenkott forderte für N. eine mildere Strafe, ohne selbst ein konkretes Strafmaß zu nennen.

Das Schwurgericht wird am 12. September sein Urteil verkünden.

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Quelle: wa.de

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