Bund gibt Milliarden für Stau-Strecken in NRW

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Für den Ausbau staureicher Strecken - wie hier auf der Autobahn A3 bei Leverkusen - soll es Geld vom Bund geben.

[Update] Berlin/Düsseldorf - Welche maroden Autobahnen und Gleisanlagen können auf Geld aus Berlin hoffen? Der Verkehrsminister steckt den Rahmen bis 2030 ab und will speziell Engpässe entschärfen - auch in NRW.

Breitere Straßen, neue Autobahnabschnitte: Den staugeplagten Pendlern in Nordrhein-Westfalen stellt der Bund mit seinem Verkehrswegeplan Milliardeninvestitionen in Aussicht. "Das ist das größte Anti-Stau-Programm, das NRW je erlebt hat", sagte Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) laut einer Mitteilung am Mittwoch, nachdem der Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan in Berlin vorgestellt wurde.

Der Bund will in den kommenden Jahren mehr als 260 Milliarden Euro in Straßen, Schienen und Wasserwege investieren und zielt damit besonders auf stauträchtige Strecken. Allein für den Neu- und Ausbau von Straßen sollen in den kommenden 14 Jahren bundesweit mehr als 67 Milliarden Euro bereitstehen. Den mit 12,95 Milliarden Euro (19,2 Prozent) größten Anteil in diesem Bereich bekommt das bevölkerungsreichste Land Nordrhein-Westfalen.

"Wir stärken das Prinzip Erhalt vor Neubau und investieren rund 70 Prozent in die Modernisierung", sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des neuen Bundesverkehrswegeplans bis 2030. Dieser bündelt 1000 Vorhaben im Volumen von 264,5 Milliarden Euro. Rund die Hälfte fließt in Autobahnen und Bundesstraßen, weitere 41 Prozent entfallen auf Bahnstrecken, neun Prozent auf Flüsse und Kanäle. An diesem Montag soll eine Online-Bürgerbeteiligung starten.

Nach Ansicht der CDU schneidet Nordrhein-Westfalen "sensationell" bei dem Verkehrswegeplan ab. Das betonten NRW-CDU-Fraktionschef Armin Laschet und der CDU-Bundestagsabgeordnete und Verkehrsexperte Oliver Wittke in Düsseldorf. Der deutliche Anstieg auf fast 13 Milliarden Euro für Ausbau und Neubau von Autobahnen und Bundesstraßen in NRW bedeute "einen richtig dicken Schluck aus der Pulle", sagte Wittke.

Erstmals seit Jahrzehnten liege NRW damit vor Bayern. Laschet forderte die Landesregierung auf, nach dem grünen Licht aus Berlin für viele NRW-Straßenprojekte nun für eine zügige Planung der Vorhaben zu sorgen.

Im Entwurf ist für Nordrhein-Westfalen vor allem der Ausbau vielbefahrener Autobahnabschnitte vorgesehen. Bei den Bahnprojekten soll Geld für den Rhein-Ruhr-Express fließen. Im Plan enthalten sind unter anderem der Ausbau der A3 auf acht Spuren zwischen dem Kreuz Leverkusen und Oberhausen sowie bei Köln zwischen der Anschlussstelle Königsforst und dem Dreieck Heumar.

Ein weiteres Vorhaben: der sechsspurige Ausbau der A40 zwischen dem Kreuz Kaiserberg und Essen-Frohnhausen sowie zwischen Bochum-Stahlhausen und dem Kreuz Dortmund-West und zwischen Dortmund-Ost und dem Kreuz Dortmund/Unna. Für den Bau des RRX (Rhein-Ruhr-Express) zwischen Köln-Mülheim und Dortmund sollen gut 1,8 Milliarden Euro investiert werden.

NRW werde "überraschend positiv" bedacht, zeigte sich die nordrhein-westfälische SPD-Fraktion zufrieden. "Das ist ein sehr guter Tag für Nordrhein-Westfalen", sagte ihr Verkehrsexperte Jochen Ott in Düsseldorf. Der Bund erkenne zudem endlich an, dass in NRW vor allem ein massiver Bedarf im "Erhaltungsbereich" bestehe. Nach Schätzungen Otts könnten 528 Kilometer Autobahn und Bundesstraße gebaut werden. Unter den Bahnprojekten sei nun sicher, dass NRW beim Rhein-Ruhr-Express "nach vorne kommt".

Die Aufnahme des RRX sowie den Schwerpunkt auf Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen bei den Straßen begrüßte auch die Grünen-Fraktion im Landtag. Kritik gab es dagegen mit Blick auf andere Schienenverkehrsprojekte, die der Plan nicht prioritär vorsehe, etwa den Ausbau des Bahnknotens Köln. Im "vordringlichen Bedarf" stünden stattdessen "Umgehungstrassen", die die Fraktion nicht notwendig und umweltschädlich nannte. Aus Sicht der FDP wurden "etliche Umgehungsstraßen, auf die die lärm- und abgasgeplagten Bürger vor Ort seit vielen Jahren warten" von der Großen Koalition in Berlin beerdigt.

Der etwa alle zehn Jahre aufgestellte Verkehrswegeplan listet die Projekte auf, die aus Sicht des Bundes am dringendsten sind. Dabei setzt der Bundesverkehrswegeplan einen Rahmen, der generell den Bedarf von Projekten bestimmt. Noch nicht festgelegt werden darin die genaue Finanzierung und Planung. Die Projektbewertungen sollen im Internet veröffentlicht werden. Bis 2. Mai können die Bürger online mitdiskutieren. - dpa

Quelle: wa.de

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