Christine Westermann und Götz Alsmann im Interview

Schluss mit "Zimmer frei!": Welches TV-Duo mögen Sie am liebsten? 

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Die Moderatoren Götz Alsmann und Christine Westermann posieren nach der Aufzeichnung der letzten Ausgabe der WDR Fernsehshow "Zimmer frei!" in Köln mit der Puppen Wiwaldi und dem alten Zirkuspferd.

Köln - Nach 20 Jahren beendet der WDR am Sonntag um 22.15 Uhr die Sendung "Zimmer frei!". Begründung: Es sei "Zeit für Neues". Beim großen Abschiedsspecial wird nicht ein Prominenter zu Gast sein, es kommen gleich mehrere: Unter anderem sind Guido Maria Kretschmer, Mariele Millowitsch, Oliver Welke und Anne Will angekündigt. Es ist, als wollten am Ende noch mal viele die Chance nutzen, das alte Show-Flaggschiff zu sehen, bevor es von dannen zieht.

Christine Westermann und Götz Alsmann im Januar 1997 – da war „Zimmer frei“ schon ein halbes Jahr auf Sendung. Das war ursprünglich gar nicht geplant, das Format sollte nur ein Pausenfüller im Sommerloch sein. Doch der Erfolg der ungewöhnlichen Mischung aus journalistischem Interview und lustigem Klamauk mit prominenten Gästen kam beim Publikum besser an als gedacht.

"Zimmer frei!" gehört zum Inventar der deutschen TV-Landschaft. Was bemerkenswert ist, denn die Mischung aus Late-Night-Show, Talk, Comedy, Spielen und Musik fand im Grunde komplett im Dritten statt. 

Jeweils ein Prominenter buhlte darin um ein fiktives Zimmer und wurde von den Moderatoren Götz Alsmann und Christine Westermann auf WG-Tauglichkeit getestet – so das Konzept. Eigentlich war die Sendung aber ein Zwitter aus Talk (Westermanns Part) und Kindergeburtstag für Erwachsene (Alsmanns Aufgabe). 

Dabei war "Zimmer frei!" nur als Pausenfüller im Sommerloch gedacht. Wer Alsmann fragt, wie ihm die Sendung schmackhaft gemacht wurde, erhält die unverblümte Antwort: mit Gage. Das Konzept habe auch nicht unschlüssig geklungen. Aber ein Renner? "Es ist eines der Konzepte, die man mit der Moderation füllen muss."

Dass "Zimmer frei!" Dauerprogramm wurde, lag auch an den Moderatoren, die so unterschiedlich waren und sich gerade deshalb ergänzten. Während Westermann am Tisch die Gäste behutsam ausfragte, mampfte Alsmann neben ihr das Essen und warf launige Bemerkungen rein. Die zurückhaltend wirkende Westermann wiederum war sich für kein noch so blödes Spiel zu fein. 

Einzelne Folgen sorgten für Aufregung. Die Aufzeichnung mit Cherno Jobatey, damals ZDF-Frühmoderator, blieb über Jahre im Giftschrank, bevor sie doch gezeigt wurde. Die beiden Moderatoren hatten Jobatey auf die Schippe genommen, weil er in einem Interview mal über seine Legasthenie gesprochen hatte. Alsmann trug ein ABC-Pflaster, beide servierten Jobatey Buchstabensuppe. Jobatey verließ wütend das Studio und kam erst nach zehn Minuten zurück. 

In all den Jahren gab es viele bemerkenswerte Gäste. Eine Hitliste könne man aber nicht machen, sagt Alsmann: "Fernsehen ist eine Kunst für den Sofortverzehr." Nun wird ein letztes Mal aufgetischt.

Abschiedsgespräch über Wehmut, Intimität und Stallhasen

Mit welchem Gefühl geht man aus einer Sendung, die man 20 Jahre moderiert hat? Ist auch Erleichterung dabei, weil jetzt Zeit für Neues ist?

Götz Alsmann: Erleichterung ist da, weil man es geschafft hat, die Show sauber zu Ende zu bringen. Sie ist nicht abgesetzt, nicht gescheitert, nicht eingegangen. Wir hören auf, bevor die Dinge anfangen, fischig zu riechen, schwerzufallen oder eigenartig auszusehen.

Christine Westermann: Für mich ist es eine schöne Mischung aus Erleichterung und Wehmut. Wehmut kommt auf, weil man sich von Kollegen trennt, mit denen man viele Jahre so gut zusammengearbeitet hat. Habe ich Kollegen gesagt? Es fühlt sich oft viel eher wie Freunde an. Götz hat neulich gesagt, dass es die schönsten Arbeitsjahre unseres Lebens waren. Und wie – fast – immer, hat er Recht. 

War das vorher absehbar? 

Alsmann: Überhaupt nicht. Wir sind uns zehn oder elf Jahre vorher mal kurz begegnet. Aber das hatte Frau Westermann dann schon wieder vergessen... 

Westermann: ...all die guten Männer in meinem Leben kann ich mir nicht merken. 

Alsmann: Man kann jedenfalls sagen, dass wir gar nichts übereinander wussten. Als die Würfel gefallen waren, bekam ich einen Anruf aus San Francisco – von Christine Westermann. Sie fühlte ganz klar vor, mit wem sie da nun diese endlos scheinenden sechs Wochen füllen musste. Wir waren ja ein Pausenfüller im Sommerloch. Das Gespräch war freundlich. Und per Sie. 

War von Anfang an klar, dass es mit Ihnen beiden funktionieren könnte?

Alsmann: Weder haben wir versucht, uns Geheimnisse zu erzählen noch jenseits von freundlicher Kollegialität Intimität herzustellen. Das kam dann etwas später. Aber nicht viel später. 

Westermann: Wobei dieser Versuch, Intimität herzustellen, immer ein wenig gescheitert ist. Also auf eine schöne Weise gescheitert. 

Sie berichteten kürzlich, dass Sie privat noch nie miteinander essen waren. 

Alsmann: Dazu muss man sagen, dass es andere Ebenen gibt, als jene, die man normalerweise unter Intimität versteht. Wir haben uns sehr geöffnet. Wir haben auch miteinander geweint. Die Intimität ist da. Aber sie sieht vielleicht anders aus, als man sie sich gemeinhin vorstellt. Sexuell? Ein Fiasko. Nichts ist passiert. Leider. 

Sieben kuriose Daten und Fakten aus 20 Jahren "Zimmer frei!"

Und nun, nach 20 Jahren, wenn die letzte Sendung vorüber ist? Geht man dann einfach auseinander? 

Alsmann: Wir haben jetzt die Freiheit, alles zu tun. Wir werden erfahren, wie es dem anderen geht. Aber wir leben kein gemeinsames Leben, das muss man klar so sagen. Das ist vielleicht auch das Geheimnis von 20 Jahren konfliktfreier Zusammenarbeit. Man muss auch sehen, wie gefährlich es gewesen wäre, wenn wir die ganze Zeit privat aufeinander gehangen hätten. Das hätte Konfliktstoff ohne Ende geboten. Unsere Lebensstile haben nichts miteinander zu tun. Zu was hätte das geführt? Hätte man angefangen zu missionieren? Hätte man angefangen, ungefragt gute Ratschläge zu geben? Das alles ist uns erspart geblieben. 

War die Rollenverteilung eigentlich von Anfang an so geplant? Auf der einen Seite die Journalistin, auf der anderen der Pausenclown?

Westermann (murmelt): ...Vorsicht, das Eis wird dünn. 

Alsmann: Es sollte ein Mann aus der Unterhaltung sein und eine Frau aus dem Journalismus. Warum? Weil es alle anderen andersherum machten. Es hätten theoretisch auch Karl Moik und Sabine Christiansen sein können. Theoretisch.... 

Wäre es dann theoretisch auch denkbar, dass „Zimmer frei!“ ohne Sie beiden weitergeht? 

Alsmann: Das kann passieren, die Sendung gehört ja dem WDR. Im Prinzip könnte sie auch jeder moderieren. Aber sie wäre anders und nicht geprägt durch die Inkarnation, die wir beide verkörpert haben. Ich halte es für legitim und wahrscheinlich, dass irgendwann mal jemand im WDR sagt: Wir probieren das noch mal. Das wäre nichts Ehrenrühriges. Es ist nur schön, dass es jetzt nicht nahtlos passiert. 

Aber ist heute noch Platz für eine klassische Unterhaltungssendung dieser Machart? Erst ging „Wetten, dass..?“, jetzt „Zimmer frei!“...

Alsmann: „Wetten, dass..?“ und „Zimmer frei!“ kann man nicht vergleichen. 

Westermann: „Wetten, dass..?“ ist gescheitert an der sich selbstvernichtenden Größe des Dinosauriers. Alsmann: Und „Zimmer frei!“ konnte nicht scheitern an der sich selbstvernichtenden Größe des Stallhasens. 

Von Jonas-Erik Schmidt, dpa

Quelle: wa.de

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