Debatte um "Turbo-Abi": SPD will G8 zu flexiblem Modell umbauen

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Düsseldorf - Der Streit um das "Turbo-Abitur" setzt acht Monate vor der Landtagswahl in NRW auch die Regierungspartei SPD unter Druck. Die will nun beim nächsten Parteitag einen Umbau des aktuellen G8-Systems einläuten. Die Veränderungen für die Schulen sollen maßvoll bleiben.

Die SPD will das "Turbo-Abitur" nach acht Schuljahren am Gymnasium zu einem flexiblen Modell umbauen. Das G8 soll zwar der Regelfall bleiben, die Schüler könnten aber auch nach neun Jahren an derselben Schule ein G9-Abitur machen. Das sieht der Leitantrag für den SPD-Landesparteitag vor, den die Vize-Parteivorsitzenden Jochen Ott und Marc Herter am Freitag in Düsseldorf vorgestellt haben.

Der Vorstoß im Einzelnen: Um jüngeren Kindern mehr Zeit zu geben, soll die Sekundarstufe I an Gymnasium wieder um ein Jahr auf sechs Jahre verlängert werden. Wer nach der Klasse 10 das Gymnasium verlässt, hat dann - im Gegensatz zur jetzigen Regelung - einen Schulabschluss.

Schüler, die das Abitur nach acht Jahren machen wollen, wechseln nahtlos in die Oberstufenjahrgänge 11 und 12. Wer noch ein Orientierungsjahr in der Oberstufe einlegen will, verlängert seine Schulzeit damit auf G9. Für Seiteneinsteiger, die von anderen Schulformen kommen, soll das Zusatzjahr verpflichtend sein. Zudem könnten leistungsstarke Gymnasiasten ohne Lerninhalte zu verpassen - nach der 10. Klasse ein Auslandsjahr einlegen, erläuterte Herter.

Ott erwartet auf dem Parteitag am Samstag kommender Woche in Bochum einen "sehr breiten Konsens". Der Reformvorschlag sehe einen "klaren und schlanken Umbau" vor, der die Schulen nicht überfordern und ihnen keine Experimente abverlangen werde.

Die SPD werde ihre Initiative auch dem Runden Tisch vorlegen. Im November sollen dort alle relevanten Akteure auf Einladung von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) erneut über die umstrittene Schulzeitverkürzung beraten. Wann das neue Modell umgesetzt werden könne, sei nicht vorauszusagen - jedenfalls noch nicht zu kommenden Schuljahr 2017/18, betonte Herter: "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit."

Löhrmann hatte zuvor mit einem Vorschlag für eine flexible Länge der Schulzeit überrascht. Jedem Kind solle eine "an seine individuellen Voraussetzungen angepasste flexible Schulzeit" ermöglicht werden. Der Ansatz, "dass Schüler unterschiedlich schnell lernen", müsse konsequent auf die Sekundarstufe I und II übertragen werden - "und zwar nicht nur am Gymnasium, sondern in allen Schulformen und für alle Schulabschlüsse". Herter sagte dazu, Löhrmanns Überlegungen hätten beim SPD-Leitantrag keine Rolle gespielt.

Die Meinungen bei dem Thema gehen weit auseinander. Die Landeselternschaft der Gymnasien fordert eine Rückkehr zum G9-Abitur an allen Gymnasien in NRW ab Klasse 5 zum Schuljahr 2017/2018. Der NRW-Philologenverband warnt vor "Parallelstrukturen" an den Gymnasien. Die Politik dürfe sich keinen "schlanken Fuß" machen und das Problem den Schulen überlassen, sagte der Landesvorsitzende Peter Silbernagel am Freitag. CDU-Fraktionschef Armin Laschet sagte auf WDR5, er sei gegen eine komplette Rückkehr zu G9. Dann müssten auch Lehrpläne und Schulbücher wieder neu erstellt werden. Er halte eine Verbesserung des G8-Modells für sinnvoll. - dpa

Quelle: wa.de

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