Deutschlands schönste Türkin wird in Gelsenkirchen gekürt

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Die Berlinerin Asli Cankat (25) ist amtierende „Miss Turkuaz Germany“ – also Deutschlands schönste Türkin. In einer Woche wird in Gelsenkirchen ihre Nachfolgerin gekürt.

Gelsenkirchen - Seit sechs Jahren gibt es den Wettbewerb der „Miss Turkuaz Germany“ in Gelsenkirchen. Ein Wettbewerb, bei dem die schönste Türkin Deutschlands gekürt wird. Am 13. Februar findet die nächste Wahl in Gelsenkirchen statt.

Aber Frauen, die im Rampenlicht ihre Bikini-Bodys präsentieren und der Islam – passt das überhaupt zusammen? Stephanie Assmann befragte die amtierende „Miss Turkuaz Germany“ Asli Cankat (25) aus Berlin.

Was ist der Unterschied zwischen einer „Miss Turkuaz“ und einer „Miss Germany“? 

Asli Cankat: An dem Wettbewerb der „Miss Turkuaz“ dürfen nur türkischstämmige junge Frauen teilnehmen. Bei der Wahl zur „Miss Germany“ ist das anders. Ich hätte zum Beispiel auch an der „Miss Germany“-Wahl teilnehmen können.

Was hat Sie motiviert an der Wahl teilzunehmen?

Cankat: Ich hatte schon ein paar Jahre zuvor von der Wahl gehört. Die Finalistinnen waren auch in den Medien sehr präsent. Dabei habe ich gemerkt, dass hinter dieser Miss-Wahl eine bestimmte Qualität steckt. Dass die Teilnehmerinnen auch etwas im Kopf haben müssen. Deshalb habe ich mich dort beworben.

Wie sahen nach dem Sieg Ihre Aufgaben als „Miss Turkuaz Germany“ aus?

Cankat: Die Aufgaben waren sehr unterschiedlich. Durch die Wahl habe ich viele Foto-shootings bekommen. Auch mein Alltag hatte sich etwas verändert. Ich musste mich mehr zurechtmachen. Normalerweise bin ich mehr der natürliche Typ, aber während meiner Amtszeit habe ich mich jeden morgen geschminkt. Ansonsten wusste die Jury natürlich auch, dass ich noch mein Jurastudium beenden musste. Mit diesem Wissen wurde ich gewählt. So habe ich die meiste Zeit in mein Studium investiert, dass ich auch letzten September erfolgreich beendet habe. Ab dem 7. Februar werde ich das Trainingscamp vor der Wahl der „Miss Turkuaz Europe“ besuchen, dass die 20 Teilnehmerinnen auf den Wettbewerb am 13. Februar vorbereiten soll. Bei der Wahl werde ich auch mit in der Jury sitzen.

Wie geht es jetzt nach ihrem Jurastudium und nach ihrer Amtszeit für Sie weiter?

Cankat: Anders als man es nach meinem Studium erwarten würde, möchte ich jetzt gerne in die Medienbranche einsteigen. Im November und Dezember vergangenen Jahres war ich in Istanbul. Dort habe ich zwei Monate lang Schauspiel- und Gesangsunterricht genommen. Meine Lehrerin kommt auch aus der Türkei und lebt ebenfalls in Berlin. Jetzt warten wir auf ein konkretes Angebot. Ob ich später nochmal etwas mit Jura mache, weiß ich noch nicht. Man weiß nie, was das Leben noch alles zu bieten hat.

Wie stehen Sie zum Kopftuch?

Cankat: Kopftuch, das ist natürlich ein sehr heikles Thema. Ich bin Muslimin und das Kopftuch ist ja ein Gebot, das im Koran steht. Ich habe sehr viel Respekt vor den Menschen, die es tragen. Zu diesen Menschen gehöre ich aber nicht. Ich denke, dass das Kopftuch mehr als Symbol für den Glauben steht. Aber ich trage meine Religion lieber in meinem Herzen. Das möchte ich nicht mit einem Kopftuch unter Beweis stellen.

Junge Mädchen, die ihre Bikini-Bodys präsentieren und der Islam – passt das denn überhaupt zusammen?

Cankat: Ich würde Bikini-Body und Islam gar nicht vermischen. Der Islam ist ja dafür bekannt, dass strengere Regeln für die Frauen gelten. Das sieht man natürlich immer nur so, wie man es auffasst. Es ist eine Sache der Deutung. Damals sollten sich die Frauen bedecken, weil sie oft vergewaltigt wurden und ihre Güter wie Gold gestohlen wurden. Wenn wir das auf die heutige moderne Zeit beziehen, dann sollten wir diese Gebote nicht mehr so streng sehen. Ich bin auch sehr religiös, aber ich möchte das nicht mit meiner Bekleidung demonstrieren.

Was möchten Sie ihren Nachfolgerinnen mit auf den Weg geben?

Cankat: Ich würde ihnen empfehlen in sich selbst zu investieren. Abnehmen, sich schminken – das ist ja alles schön und gut. Aber ich meine damit, dass sie sich weiterbilden sollten. Sei es die berufliche Karriere oder soziale Aktivitäten. Das sind wirklich Themen, die einen im Leben weiterbringen und auch glücklicher machen.

Hintergrund:

Die „Miss Turkuaz Germany“-Wahl in Gelsenkirchen gibt es bereits seit dem 21. Mai 2010. In diesem Jahr findet der Wettbewerb zum sechsten Mal statt. „Wir möchten damit in aller Öffentlichkeit gegen die Vorurteile angehen, die es über den Islam gibt“, sagt Organisator Yildiray Cengiz. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, das Frauenbild aller Muslime sei ohne Respekt und Gleichberechtigung. In diesem Jahr, am 13. Februar, gehen die Veranstalter sogar noch einen Schritt weiter. Denn aus der Wahl „Miss Turkuaz Germany“ wird dann „Miss Turkuaz Europe“. Somit können türkischstämmige Frauen aus ganz Europa an dem Wettbewerb teilnehmen. - sta

Quelle: wa.de

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