Tatort Autobahn-Rastplatz

Diebe von Lkw-Ladungen verursachen hohen Millionenschaden

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Fernfahrer schlafen nach einem harten Arbeitstag oft in ihren Lkws auf Autobahnparkplätzen. Das machen sich Diebesbanden zunutze.

Düsseldorf - Der Diebstahl von Lkw-Ladungen hat nach Angaben der Polizei in einigen Bundesländern im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Im Transitland NRW bleibt die Zahl der Fälle konstant hoch.

Von Johannes Opfermann 
Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist Ladungsdiebstahl „ein massives Problem“ – jährlicher geschätzter Schaden in Deutschland: 300 Millionen Euro. Das Landeskriminalamt NRW verzeichnete von 2014 bis März 2016 insgesamt 1046 Diebstähle von Lkw-Ladungen – in einigen Fällen auch von ganzen Lastzügen, wie Sprecher Frank Scheulen in Düsseldorf berichtete. 

Bei knapp der Hälfte der Fälle blieb es beim Versuch. Tatorte waren dabei häufig Rastplätze an Autobahnen. Genaue Fallzahlen seien allerdings schwer anzugeben, weil so genannte „Ladungsdiebstähle“ nicht separat in der Kriminalstatistik erfasst werden. Laut Scheulen wurden in NRW seit 2014 in 70 Fällen komplette Lastzüge gestohlen. Noch spektakulärer waren drei Fälle von „Truckrobbery“, bei denen die Täter die Lkw sogar während der Fahrt knackten. 

"Planenschlitzen" in der Statistik weit vorn

Viermal wurden die Lkw-Container aufgeschweißt, in 197 Fällen brachial aufgebrochen. Das so genannte „Planenschlitzen“ liegt mit 758 Fällen dabei in der Polizeistatistik weit vorn. Erst vergangene Woche hatten Polizisten aus Soest und Hamm auf dem Autohof Strängenbach bei Lippetal an der A 2 zwei Tatverdächtige zwischen geparkten Sattelzügen festgenommen, bevor diese Beute machen konnten. 

Die Planen an sechs Lkw waren bereits aufgeschnitten. „Gestohlen wird alles, vom Fernseher über Drogerieartikel bis zu Waschmitteln – querbeet“, sagt Anne Providence, Sprecherin der Polizei in Hamm. Laut LKA sind unter dem Diebesgut häufig Lebensmittel und Alkohol sowie KfZ-Teile, Elektro- oder Computerzubehör. Sogar mehrere Paletten Play-Doo-Knete entwendeten Diebe aus einem Laster auf dem Parkplatz Brenscheid an der A 45 bei Lüdenscheid. 

Diebesbanden kommen oft aus Osteuropa

Als der im Führerhaus schlafende Fahrer die Täter bemerkte, attackierten sie ihn und flohen. Laut der Brandenburger Polizei, wo sich die Zahl der Fälle im vergangenen Jahr sogar verdoppelt hat, kommen die Diebesbanden oft aus Osteuropa. Bisweilen arbeiteten die Kriminellen mit „Insidern“ zusammen, also Leuten aus der Spedition oder den Firmen, von denen die Ware kommt. 

Als Tatorte kommen so gut wie alle hoch frequentierten Autobahn-Rastplätze und Autohöfe in Frage. „Das ist ein massives Problem für die deutsche Wirtschaft“, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Sie appelliert an die Spediteure, mehr in Sicherheit – wie etwa dickere Planen oder Peilsender – zu investieren.

Quelle: wa.de

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