Kanzlerin in der Krisenstadt - Marxloh erwartet wenig von Merkel

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Duisburg-Marxloh - Kanzlerin Merkel kommt nach Duisburg-Marxloh, um dort mit Bürgern des Problemviertels zu sprechen. Die Erwartungen an den Besuch sind vor Ort aber eher gering. Mehr noch: Politiker sorgen sich um den Ruf ihres Stadtteils.

Der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Problemviertel Duisburg-Marxloh ist nach Ansicht von Bezirksbürgermeister Uwe Heider (SPD) wenig hilfreich. "Ich halte ihn eher für schädlich für die Geschäftsleute, die dort sind, weil man zurzeit nur negativ über diesen Stadtteil redet", sagte er dem Radiosender WDR2. "Und der Stadtteil ist nicht nur negativ, er hat ja auch seine sehr guten Seiten."

Merkel will am Dienstagnachmittag mehrere Dutzend Menschen aus Marxloh zu einer Diskussion treffen. Heider wird nicht dabei sein. Auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) wehrte sich gegen ein Abstempeln Marxlohs als sogenannte No-Go-Area. Er sagte der Zeitung "Bild", der Stadtteil sei von Zuständen, wie man sie in solchen Gegenden vermutet, "meilenweit entfernt".

Zwar gebe es Arbeitslosigkeit, bildungsferne Schichten und Schwierigkeiten im Zusammenleben. Dennoch sei Marxloh "ein pulsierender, bunt aufgestellter Stadtteil, der für gutes und friedliches Zusammenleben steht". Er hoffe, dass sich die Kanzlerin nach ihrem Besuch an "das Gehörte erinnert, wenn in Berlin Entscheidungen anstehen - zum Beispiel, die Asylverfahren zu beschleunigen", sagte Link.

Duisburg bereitet sich auf Besuch der Kanzlerin vor

Wenige Stunden vor dem Merkel-Besuch bereiteten am Morgen rund 50 bis 60 Vertreter der Stadt, von Verbänden und einer Bürgerinitiative ihre Fragen an die Regierungschefin vor. Duisburg-Marxloh stand zuletzt wegen Straßenkriminalität und gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Polizei im Fokus. Die Polizeigewerkschaft befürchtet das Entstehen eines rechtsfreien Raums.

Er glaube nicht, dass die Kanzlerin "von heute auf morgen alles verändern kann, was sich auf Jahre in Marxloh angesammelt hat und an Ängsten bei den Bürgern da ist", sagte Bezirksbürgermeister Heider. Es fehle Geld, um sich intensiver um die Zugezogenen kümmern zu können. "Es wäre ganz gut, wenn die Kanzlerin sagen würde, wir geben euch Geld und ihr könnt ein begleitetes Wohnen für die Menschen machen", forderte er. - dpa

Quelle: wa.de

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