Emittlungen nach Misshandlung von Flüchtlingen dauern an

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Burbach - Ein Video aus einem Flüchtlingsheim in Burbach schockte die Öffentlichkeit: Wachleute misshandelten einen Asylbewerber. Die Ermittlungen brachten weitere Vorfälle ans Licht und sind noch lange nicht abgeschlossen.

Das Video, auf dem ein Asylbewerber von Wachleuten gezwungen wird, sich in sein Erbrochenes zu legen, schockierte die Öffentlichkeit und löste weitreichende Ermittlungen in der Flüchtlingsunterkunft im siegerländischen Burbach aus.

"Wir können noch nicht sagen, wann die außerordentlich schwierigen Ermittlungen abgeschlossen sind", sagte Johannes Daheim von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Siegen am Donnerstag.

Die Ermittlungskommission "Heim" sei noch mit mehr als zehn Beamten dabei, die Vorfälle aufzuklären. Neben dem im vergangenen September öffentlich gewordenen Video gebe noch mehr als 200 problematische Sachverhalte.

"Wir haben mehr als 50 Beschuldigte", sagte Daheim. Die Ermittlungen seien aber aufwendig: Zeugen und Opfer hätten Probleme, auf Lichtbildern die Wachmänner eindeutig wiederzuerkennen, sagte Daheim. "Das ist ähnlich wie bei uns. Wir haben ja auch Probleme mit afrikanischen oder asiatischen Gesichtern."

Zudem sei es auch schwer, Betroffene zu finden, weil diese zum Teil nur kurz in der Burbacher Unterkunft waren und dann von dort in andere Städte geschickt wurden. "Es gibt außerdem wegen des langen Zeitraums Erinnerungslücken bei den Zeugen und andere haben aufgrund von Erfahrungen aus ihrer Heimat grundsätzliche Vorbehalte gegen die Polizei."

Die Ermittler würden jeden Einzelfall möglicher Übergriffe auch daraufhin prüfen, ob beispielsweise das Separieren von Randalierern zum Eigen- oder Fremdschutz gerechtfertigt gewesen sei.

Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, könne man derzeit nicht absehen. Die Staatsanwaltschaft hat sich aber vorgenommen, sämtliche Sachverhalte aufzuklären, bevor es zu einer Anklage-Erhebung kommt.

"Man kann aber nicht davon ausgehen, dass in der Vielzahl der Fälle ein hinreichender Tatverdacht festgestellt werden kann", sagte Daheim. In Essen hatte am Donnerstag ein Prozess gegen Sicherheitsleute begonnen, denen Misshandlungen in einem Asylbewerberheim vorgeworfen werden.

dpa

Quelle: wa.de

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