"Enkeltrick 4.0": LKA NRW warnt vor Betrugsmasche

Wenn selbst erfahrene Buchhalter Millionen in den Sand setzen...

+

Düsseldorf - Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) informierte am Mittwoch über das neue Kriminalitätsphänomen "CEO-Fraud"("Chef-Betrug") - und richtete sich damit an Vertreter von Unternehmen, Banken und Verbänden, um diese vor erheblichen finanziellen Verlusten zu schützen und weitere Straftaten zu verhindern.

Das Phänomen "CEO-Fraud" sei seit mehreren Monaten verstärkt bei deutschen Firmen zu beobachten. "Dabei geben sich gut organisierte und vorbereitete Täter überzeugend als Geschäftsführer oder weisungsbefugter Entscheidungsträger eines Unternehmens aus. Sie gehen dabei sehr geschickt vor", heißt es in einer Pressemitteilung des LKA NRW.

Dem Buchhalter eines Unternehmens werde durch mehrfache E-Mails und Anrufe vorgespielt, eine dringende und geheime Geldüberweisung müsse schnell und unauffällig durchgeführt werden. "Die Täter bauen großen Druck auf. So gelingt es ihnen regelmäßig, auch erfahrene Buchhalter zur Überweisung von Millionenbeträgen zu bewegen. Bei einem einzelnen Unternehmen entstand so ein Schaden von zwölf Millionen Euro", heißt es.

Uwe Jacob, Direktor des LKA NRW.

"Das Aufklären der Unternehmen über diese neue Art des Betruges ist ein wichtiger Schritt, um Schäden zu verhindern", sagte Uwe Jacob, Direktor des LKA NRW, in Düsseldorf. "Legen Sie klare Verhaltensregeln für Ihre Finanzabteilung und Buchhaltung fest, damit Sie nicht Opfer dieser neuen Betrugsmasche werden", appellierte der LKA-Chef an die Entscheider in den Unternehmen.

Wie schaffen es die Täter, so geschickt zu täuschen? Öffentlich einsehbare Informationen über die Unternehmen geben den Tätern wertvolle Hinweise zur Tatvorbereitung und -durchführung.

Nach Bekanntwerden der ersten Betrugsfälle hat das LKA NRW gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Köln die zentrale Ermittlungsführung in Nordrhein-Westfalen übernommen. Diese erstreckt sich mittlerweile auf Ermittlungsverfahren im gesamten Bundesgebiet. 

In NRW seien bereits 31 Millionen Euro ergaunert worden, davon konnten 20 Millionen Euro aber von den Ermittlern noch rechtzeitig "eingefroren" werden. Hinter dem Betrug stecke ein weltweit operierendes Netzwerk aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität. Das FBI beziffert den weltweiten Schaden auf 3,1 Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) in 100 Staaten.

Wie funktioniert die Masche? 

Jemand meldet sich angeblich "von oberster Stelle" bei einem Mitarbeiter - meist in der Buchhaltung - und drängt zur Eile: Für eine wichtige Transaktion müsse dringend viel Geld überwiesen werden. Je nach Unternehmen sind es Firmenanteile, Patentrechte, Maschinen oder Immobilien, die angeblich gekauft werden sollen. Selbstverständlich gilt "absolute Diskretion". 

Wie verschwindet das Geld? 

Ausländische Konten, bevorzugt in China, Hongkong oder Osteuropa, wurden zuvor unter falschem Namen eingerichtet und werden sofort leergeräumt, sobald das Geld eingetroffen ist. E-Mail-Adressen sind gefälscht, Prepaid-Handynummern nicht nachverfolgbar. Gefälschte Zahlungsanweisungen samt Unterschrift und gefälschte E-Mail-Korrespondenz gaukeln vor, dass alles seine Richtigkeit hat. 

Wie kommen die Täter an Insiderwissen? 

Für das notwendige firmeninterne Wissen brauchen die Täter nicht unbedingt einen Komplizen im Unternehmen. Im Internet lassen sich häufig Firmenstruktur auf der Homepage und Funktionen der Mitarbeiter in Berufs-Netzwerken nachvollziehen. Über Social Media lässt sich herausfinden, ob der Vorstand gerade im Ausland weilt und schlecht erreichbar ist. Die Betrüger sammeln alle verfügbaren Informationen, um täuschend echt anzugreifen. Auch Wirtschaftsberichte über geplante Geschäfte, das Handelsregister oder Werbebroschüren werden ausgewertet. Manchmal rufen die Täter mit unterdrückter Rufnummer unter einem Vorwand an, um die notwendigen Informationen in Erfahrung zu bringen. Scheint die Gelegenheit günstig, schlagen sie zu. 

Wie gehen die Unternehmen damit um? 

Den Verantwortlichen in den Unternehmen scheint es hochgradig peinlich, Opfer eines solchen Betrugs geworden zu sein. Viele betroffene Unternehmen scheuen sich auch lange, die Polizei einzuschalten. Allein in Nordrhein-Westfalen soll es bereits Dutzende Fälle geben, der Schaden geht in die Millionen. 

Wie können sich Unternehmen schützen? 

Die Kriminalpolizei rät: Nehmen Sie vor der Überweisung unbedingt persönlich Kontakt mit dem Geschäftsführer oder dem Vorstandsmitglied auf. Die Betrugsmails werden nicht von Firmenadressen versandt. Überprüfen Sie die genutzte E-Mail-Adresse genau. Kontaktieren sie bei Betrugsverdacht umgehend die Polizei. Achten Sie darauf, welche Informationen über Ihr Unternehmen öffentlich sind, wo und was Sie und Ihre Mitarbeiter im Zusammenhang mit Ihrem Unternehmen publizieren. Führen Sie klare Abwesenheitsregelungen und interne Kontrollmechanismen ein. Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für das Betrugsphänomen. - eB/dpa

Quelle: wa.de

Kommentare