Vor Entlassung neue Identität

Dieter Degowski verlässt Werler JVA mit neuem Namen

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Dieter Degowski beim Kontrollgang im gekaperten Bus am 17.08.1988 in Bremen.

Werl - Sein Name ist mit einem der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Kriminalitätsgeschichte verbunden wie kein zweiter: Dieter Degowski, Gladbecker Geiselgangster. Und genau das ist der Grund, warum er bald nicht mehr so heißen wird. Dieter Degowski wird – allerdings nicht vor 2016 – die Werler JVA mit neuem Namen verlassen. Und damit mit neuer Identität.

Diese dem Anzeiger vorliegende Information bestätigte am Mittwoch der Pressesprecher des NRW-Justizministeriums, Detlef Feige, auf Anfrage. In Absprache mit den Beteiligtem, darunter auch die Gerichte und das Ministerium, habe man dem Namenswechsel zugestimmt.

Der Gladbecker Geiselgangster habe sich zwar, so schildern Beschäftigte der JVA Werl, im Laufe der Haftzeit optisch so sehr verändert, dass er kaum wieder zu erkennen sei. „Aber allein mit seinem Namen würde es schwierig für ihn, die Vergangenheit hinter sich zu lassen“, sagt der Sprecher von NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). Das würde die Chance auf Resozialisierung in der Anonymität zunichte machen.

Zeitpunkt der Entlassung nicht fix

Wohin es Degowski ziehen wird, ist noch unklar. Klar ist aber schon jetzt: Wenn er rauskommt, wird das für ein großes Medienecho sorgen. Der Zeitpunkt der Entlassung ist allerdings ist noch nicht fix: „Frühestens im August 2016“, so der Ministeriumssprecher, kann Degowski ein freier Mann sein.

Denn im August 2013 hatte das Landgericht Arnsberg festgelegt, dass es eine dreijährige Entlassungsvorbereitung geben müsse. Ob die Freiheit dann tatsächlich winkt, hängt von einem neuerlichen Gutachten ab, das noch erstellt werden muss.

"Möglichkeit einer Entlassung"

Das werde zeigen müssen, ob der Mann überhaupt geeignet ist für ein Leben außerhalb des Gefängnisses. Daher spricht Feige auch nur von einer „Möglichkeit der Entlassung“.

So sah Dieter Degowski 1988 aus. Inzwischen soll er sich äußerlich stark verändert haben.

Anwältin Lisa Grüter vertritt den fast 60-Jährigen. Degowski, der in der JVA die Lehre zum Koch machte, bereue seine Tat sehr, hatte die Juristin 2014 mitgeteilt. Es spreche aus ihrer Sicht „nichts dafür, dass heute noch eine Gefahr von ihm ausgeht.“ Derzeit aber, so lässt sie wissen, gebe es keinen neuen Sachstand. Das Justizministerium geht davon aus, dass die Anwältin noch in diesem Jahr einen Antrag auf Aussetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung stellen wird. Darüber hat dann die Strafvollstreckungskammer zu befinden; neben dem Gutachter muss auch die JVA Werl eine Stellungnahme abgeben.

Ausgänge bislang "ohne Probleme"

Die Lockerungsmaßnahmen zur Entlassungsvorbereitung laufen unterdessen weiter. Vor einem Jahr hatte der Anzeiger öffentlich gemacht, dass Degowski erste begleitete Ausgänge hinter sich hatte.

Der Ministeriumssprecher bestätigt auch Urlaubsanträge. Alles sei bislang „ohne Probleme“ abgelaufen; es habe keine Auffälligkeiten bei bewachten und unbewachten Ausgängen des Geiselgangsters gegeben. - bus

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So lief das Gladbecker Geiseldrama ab:

So lief das Gladbecker Geiseldrama ab

Eine Polizeiaktion auf der A 3 beendete die Geiselnahme am 18. August 1988 blutig. Beim Schusswechsel der Geiselnehmer mit der Polizei starb die 18-jährige Geisel Silke Bischoff durch eine Kugel aus Rösners Waffe.

Der damals 32 Jahre alte Degowski hatte zuvor einen 15-jährigen Italiener, der sich schützend vor seine kleine Schwester gestellt hatte, in einem gekaperten Linienbus erschossen, um Rösners verhaftete Freundin Marion Löblich freizupressen. Daher wurde Degowski auch wegen Mordes verurteilt. Das Gericht stellte die „besondere Schwere der Schuld“ fest.

Das Gladbecker Geiseldrama forderte 1988 drei Tote und beherrschte die Schlagzeilen der Republik. Drei Tage lang war das Gangster-Duo Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner nach einem missglückten Banküberfall unter Verfolgung von Journalisten-Trossen durch Deutschland geflüchtet, hatte Live-Interviews gegeben, während Geiseln Waffen an die Köpfe gehalten wurden.

Quelle: wa.de

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