Ermittlungen gegen Heimleiterin - 22 Kinder in Obhut

Netphen - In einem privaten Kinderheim im Siegerland sollen Kinder mit rigiden Erziehungsmethoden gedemütigt und misshandelt worden sein. Das Jugendamt holte die Kinder aus dem Heim. Nun ermittelt die Kripo gegen die Heimleiterin.

Schwere Vorwürfe gegen die Leiterin eines privaten Kinderheimes im siegerländischen Netphen: Sie soll mit rigiden Erziehungsmethoden die ihr anvertrauten Kinder jahrelang gedemütigt haben. Das Jugendamt des Kreises Siegen-Wittgenstein nahm nach zwei Hinweisen 22 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 17 Jahren in Obhut. "Die Vorfälle waren nicht offensichtlich. Und die Betroffenen haben sich offenbar über Jahre niemandem anvertraut", sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung am Donnerstag.

Weder Jugendamtsmitarbeitern, noch Nachbarn, Lehrern oder Eltern sei etwas aufgefallen. Die Kinder seien von neun Jugendämtern aus NRW, Hessen und Rheinland-Pfalz in dem privaten Heim untergebracht worden. Die Staatsanwaltschaft in Siegen leitete ein Ermittlungsverfahren gegen die 52 Jahre alte Heimleiterin und Heimbetreiberin ein. Es gehe um den Verdacht der Körperverletzung und andere Delikte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Von der betroffenen Heimleiterin war am Donnerstag keine Stellungnahme zu bekommen.

Die Polizei richte eine Ermittlungskommission ein, um die Vorfälle in dem "Erziehungs- und Fürsorgeheim" aufzuklären. Dabei müsse man vermutlich auch lange Jahre zurückschauen. "Nach Bekanntwerden der Vorfälle haben sich bei uns etliche ehemalige Bewohner des Heimes gemeldet und die Vorwürfe bestätigt", sagte ein Sprecher des Kreises Siegen-Wittgenstein.

Das Landesjugendamt in Münster prüft die Vorwürfe und will auch klären, warum in dem für 16 Bewohner zugelassenen privaten Heim 22 Kinder und Jugendliche lebten. "Wir sind gespannt auf die Antworten der Heimbetreiberin", sagte ein Sprecher des Landesjugendamtes.

Einzelheiten zu den Vorfällen wollte keine der beteiligten Behörden nennen. "Es handelt sich nach unseren bisherigen Informationen nicht um sexuelle Übergriffe", erklärte der Landesjugendamtssprecher. - lnw

Quelle: wa.de

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