Regentschaft des ersten muslimischen Schützenkönigs geht zu Ende

+
Königspaar Mithat und Melanie Gedik.

Werl - Die Regentschaft des ersten muslimischen Schützenkönigs in der Hellwegstadt geht zu Ende. Sollte sich irgendwann in der Zukunft ein Nicht-Christ zum Königsschuss entschließen, dürfte das wohl kein Anlass mehr für aufgeregte Reaktionen werden.

Schützenkönig Mithat Gedik

Während überall im Lande die feucht-fröhlichen Feste gefeiert werden, bereitet das Präsidium des Bundes der Historischen Schützenbruderschaften (BHDS) in aller Ruhe eine Satzungsänderung vor, die in vielfacher Hinsicht liberales Gedankengut ausweist – und die in entscheidenden Punkten jene Initiative aufgreift, mit der der Schützenbezirk Werl/Ense für Gesprächsstoff nicht nur innerhalb der Bruderschaften gesorgt hat – und über die der Anzeiger mehrfach berichtet hatte.

In den kommenden Wochen werden alle 1 700 Brudermeister im Lande Post vom Bundesverband bekommen. Der Brief ist die logische Weiterentwicklung der Debatte aus dem Frühjahr. Damals vermied es die Bundesvertreterversammlung, ein mit heißer Nadel gestricktes Papier verabschieden zu lassen. Stattdessen setzte man auf den Faktor Zeit. Das erweist sich rückblickend als richtiger Weg.

Denn diese Zeit wurde genutzt, um erwähnten Brief zu formulieren.

Bedeutsame Liberalisierungen:

- Auf örtlicher Ebene sollen auch Nicht-Christen Schützenkönig werden dürfen 

- Geschiedenen und Wiederverheirateten soll es in Zukunft möglich sein, einen Vorstandsposten in einer Bruderschaft zu übernehmen

- Auf Bezirks- und Diözesanebene soll es Nicht-Christen unverändert verwehrt bleiben, Schützenkönig zu werden

- Homosexuelle Könige werden geduldet, aber sie müssen sich für den Festzug entweder eine Frau als Mitregentin suchen

„oder sie müssen allein gehen“, sagt Rolf Nieborg, Pressesprecher des BHDS. Der Brief sei ausdrücklich als „Vorschlag“ zu bewerten, ergänzt der Sprecher.

Im November, wenn sich der Hauptvorstand des Bundes trifft, soll er diskutiert, im besten Fall auf der Bundesversammlung im März 2016 dann beschlossen werden. Es wäre das zweite Mal, dass der Schützenbezirk Werl/Ense für Aufsehen sorgt. Zunächst wird dort der erste muslimische König gekürt, in der Konsequenz sorgt dessen Regentschaft dafür, dass die Satzung überarbeitet wird.

„Im Kern“, bestätigt Sönnerns Brudermeister Olaf Schmitz, „entsprechen die Korrekturen den in unserem Papier vorgelegten Vorschlägen.“ -di

Lesen Sie hierzu auch:

- Schützenkönig Gedik: "Wenn ich das geahnt hätte..."

- Schützen-Bezirksverband will Antrag eher abgeben

- Integration endet unter der Vogelstange

Quelle: wa.de

Mehr zum Thema

Kommentare