Lebensgefährliches Kaffeekränzchen zwischen Werl und Soest

Fahrer blockierten Rettungsgasse bei Unfalldrama auf A44

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Dass es im Baustellenbereich eng wurde, war klar. Viele Autofahrer blockierten die Rettungsgasse allerdings auch dort, wo alle Fahrstreifen zur Verfügung standen.

Werl - Gespenstische Szenen auf der sonnenüberfluteten A44: Die Autofahrer machten es sich bei der Hitze mitten auf der Autobahn gemütlich, bauten ihr Picknick-Tischchen auf, vergnügten sich bei Kaffee und Kuchen – und brachten möglicherweise ein paar hundert Meter weiter vorn Menschen in akute Lebensgefahr. Jetzt soll die Situation von der Autobahnpolizei aufgearbeitet werden.

„Es war unfassbar“, bestätigt ein Mitarbeiter der Pressestelle der Autobahnpolizei Dortmund, der selbst bei dem schweren Unfall auf der Autobahn im Baustellenbereich zwischen der Anschlussstelle Werl-Süd und dem Kreuz Werl vor Ort war. Der Beamte hat miterlebt, was direkt vor Ort schon der Werler Feuerwehrchef Karsten Korte heftig kritisierte. Es war, bedingt auch und gerade durch diese menschlichen Hindernisse, unglaublich schwer für alle Rettungskräfte, die Unfallstelle selbst zu erreichen, auch außerhalb der Baustelle.

Klick in unseren Unfallbericht von der A44

Juristisch, erläutert der Pressesprecher, ist die Sache schwierig. Gelingt es allerdings, Autofahrern nachzuweisen, dass sie durch ihr skandalöses Verhalten das Leben anderer gefährden, dann können Straftatbestände wie unterlassene Hilfeleistung oder auch Körperverletzung durchaus erfüllt sein. „Und dann wird das teuer“, so der Beamte.

Rettungskräfte "rasieren" Außenspiegel ab

Die Rettungskräfte und Polizisten mussten bei ihrem Versuch, durch die viel zu schmale Rettungsgasse den Unfallort zu erreichen, so manchen Außenspiegel „abrasieren“. „Die Autofahrer sind rücksichtslos“, hat der Polizeisprecher beobachtet. Türen stehen weit auf, Kinder spielen auf der Fahrbahn – im vermeintlich sicheren Gefühl, die Fahrzeuge bewegten sich ja keinen Meter weiter, also könne die Fahrbahn zum Spielplatz werden.

Unfall auf der A 44

Das Problem für die Autobahnpolizei: Deren Mitarbeiter haben bei einem solch schweren Unfall natürlich zunächst Wichtigeres zu tun, als diese Autofahrer buchstäblich aus dem Verkehr zu ziehen oder abzumahnen. „Wo immer sich uns aber eine Gelegenheit bietet, werden wir natürlich aktiv“, versichert er.

Gaffer bekommen von der Polizei "Post"

Gleiches gilt für die vielen Gaffer, die bei Unfällen gern auf die Bremse treten, um auch ja nichts zu verpassen. „Wer da zum Handy greift, um den Unfall auch noch zu fotografieren, der kriegt von uns wenig später Post“, sagt der Polizeisprecher. Gerade die Zahl der Gaffer steigt permanent – und die fotografieren und drehen kleine Filme mit ihrem Mobiltelefon. Vor allem Lkw-Fahrer werden häufig dabei beobachtet, wie sie beim Passieren einer Unfallstelle die Scheibe herunter kurbeln und das Smartphone aus der Fahrerkabine halten.

Vor kurzem erst hatte die Autobahnpolizei dies gebrandmarkt. Acht Lkw-Fahrer waren binnen weniger Tage zur Kasse gebeten worden. Ausländer müssen in solchen Fällen eine so genannte Sicherheitsleistung in Höhe von 85 Euro bezahlen, deutsche Fahrer riskieren neben einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro zuzüglich Verfahrenskosten noch einen Punkt in Flensburg.

Immer mehr Fälle von Unfall-Voyeurismus

Weil die Fälle von Unfall-Voyeurismus landesweit steigen, gibt es in NRW mobile Schutzwände, die Gaffern die Sicht versperren (sollen); auch die Autobahnmeisterei Werl verfügt über solche Wände. Der Weisheit letzter Schluss freilich sind die nicht, denn gerade Lkw-Fahrer sitzen in ihren Kabinen so hoch, dass sie problemlos über die mobilen Schutzwände hinweg filmen oder fotografieren können.

Im Zusammenhang mit dem Unfall vom Montag meldet sich Bernd Löchter zu Wort, Pressesprecher von StraßenNRW. Er ist erstaunt über die Aussage des Werler Feuerwehrchefs Karsten Korte, es habe für ihn und seine Feuerwehrmänner Probleme gegeben, die Unfallstelle zu erreichen. Löchter versichert, vor Einrichtung der Baustelle habe es Abstimmungsgespräche über Rettungswege gegeben, die Wehr habe aktuelles Kartenmaterial erhalten und hätte daher andere Möglichkeiten besessen, schnell zur Unfallstelle zu gelangen.

Quelle: wa.de

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