Fensterwurf: "Er wird uns abschlachten" - Kinder fürchten Vater 

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Bonn - Ein Vater wirft seine drei Kinder aus dem Fenster. Der inzwischen sechsjährige Sohn erinnert sich an die grausame Tat. Er kommt in einem Video vor Gericht selbst zu Wort - und gibt an, Angst vor dem Vater zu haben.

Im Prozess gegen einen Vater, der seine drei Kinder aus dem Fenster geworfen hat, sind am Freitag Aussagen der Kinder gehört worden. Vor dem Landgericht Bonn wurden Videovernehmungen der siebenjährigen Tochter und des sechsjährigen Sohnes des syrischen Kriegsflüchtlings gezeigt. 

Der Mann ist des dreifachen versuchten Mordes angeklagt. 

Die Geschwister gaben bei der Vernehmung an, ihren Vater nicht zu mögen. Er habe sie und ihre Mutter geschlagen. "Wenn er jetzt nach Hause kommt, wird er uns abschlachten", übersetzte die Dolmetscherin im Video die Furcht des inzwischen Sechsjährigen. 

Im Gegensatz zu seiner Schwester erinnere er sich an den Fensterwurf. "Er hat mich auf die Fensterbank gestellt, gesagt, ich solle keine Angst haben, und mich aus dem Fenster gestoßen", übersetzte die Dolmetscherin die Worte des Jungen. 

Zwar habe er einmal gehört, wie sein Vater der Mutter gedroht habe, die Kinder entweder zu verkaufen oder aus dem Fenster zu werfen. Der Sohn habe aber bis kurz vor der Tat nicht geglaubt, dass der Vater ihn wirklich in die Tiefe stoßen könnte. Die Mutter der Kinder hatte in ihrer Aussage vor Gericht ebenfalls angegeben, dass der Vater seine Tat angekündigt habe, sie diese Drohung aber nicht ernst genommen habe. 

Der 35-jährige Vater hat bereits gestanden, seine drei Kinder am 1. Februar dieses Jahres aus dem ersten Stock eines Flüchtlingsheims in Lohmar geworfen zu haben. Die jüngste Tochter war zu dem Zeitpunkt ein Jahr alt. Die älteste Tochter erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Körperlich geht es den Geschwistern inzwischen wieder besser. Der Angeklagte ist ein ehemaliger Gemüsehändler, der weder lesen noch schreiben kann. 

In seiner Heimat sei er selbst Opfer von Gewalt geworden, hatte er vor Gericht über seinen Anwalt erklären lassen. Ein Gutachter hatte den Angeklagten zu Prozessbeginn für schuldfähig erklärt. Der Syrer wollte mit der Tat laut Anklage seine Frau bestrafen, da sie sich ihm in Deutschland nicht mehr bedingungslos unterordnen wollte. 

Am Freitag gab er an, seine Kinder wüssten nicht, was sie im Video sagten. Er liebe seine Kinder. Sonst hätte er sie nicht nach Deutschland geholt. Inzwischen hat die Frau die Scheidung beantragt.

dpa/lnw

Quelle: wa.de

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