Er hält drei Bienenvölker

Feuerwehrmann ist Flughafenimker am Airport Dortmund

Dortmund - Am Airport Dortmund gibt es zigtausende Starts und Landungen täglich, von denen der Tower nichts mitbekommt. Schuld am unregistrierten Flugverkehr ist ein Feuerwehrmann.

Holger Hering hält am Flughafen Bienen. „Ich finde es schon cool, wie die organisiert sind“, sagt der „Flughafen-Imker“. Der Titel haftet ihm an wie Honig seiner Bienen, den der Airport als Geschenkartikel verkauft. 

Auch privat ist die Imkerei ein Hobby für die ganze Familie. „Ich hab ein Hobby gemeinsam für mich und meine Frau gesucht. Wir haben Tanzen probiert, aber das hat nicht geklappt“, sagt der 44-Jährige aus Holzwickede. „Ich hab ihr vorgeschlagen: Wollen wir Bienen halten? Und sie sagte: Jau, machen wir.“ 

Inzwischen kümmern sie sich gemeinsam um 15 bis 20 Bienenvölker. Seine Frau sei beim Schleudern, also der Honigernte, der Chef, sagt Hering, er selbst sei eher der Logistiker. Tochter und Sohn, elf und sechs Jahre alt, helfen ebenfalls mit. Angst vor Bienen? Fehlanzeige. „Mein Sohn hat jetzt einen Kinderbienenanzug und geht mit zu den Bienen. Meine Tochter ist auch recht tiefenentspannt. Früher konnte sie nicht in die Hongischleuder reingucken, heute schleudert sie selbst.“ 

20 Kilogramm Honig pro Volk

Holger Hering pflegt drei Bienenvölker am Dortmunder Flughafen.

Ein Volk umfasst im Sommer rund 50.000 Bienen, da gehören Stiche dazu, aber Hering nimmt das gelassen: „Man sagt ja, jeder Bienenstich ist Rheumavorsorge, also würde ich kein Rheuma mehr kriegen.“ Jedes Volk produziert etwa 20 Kilo Honig pro Schleuderung, und das bei zwei Ernten im Jahr.

Die drei Bienenvölker am Flughafen nennt Hering zwar ebenfalls ein „reines Privatvergnügen“, aber sie haben auch einen praktischen Nutzen. Sie kommen bei Schulungen für andere Feuerwehrleute zum Einsatz, die Hering zu Bienenfängern ausbildet. Die Kollegen lernen zum Beispiel, wie sie einen im Baum hängenden Schwarm einfangen, oder im Imker-Jargon einschlagen. „Die Bienentraube wird mit Wasser besprüht, die können dann schlecht wegfliegen“, erklärt Hering. Ein kräftiger Schlag auf den Ast sorgt dafür, dass die Bienentraube in eine darunter platzierte Kiste fällt. „Hauptsache die Königin ist dabei.“ 

Waschechte Borussen

Das Wissen ist gerade zur jetzigen Schwarmzeit wichtig, wenn die Feuerwehr gerufen wird, um Bienenschwärme einzufangen. Aus so einer Aktion stammen auch Herings Airport-Immen. Ein Kollege an der Feuerwache 3 in Dortmund-Neuasseln hatte 2008 einen Bienenschwarm eingeschlagen. „Der hing im Gebälk des Westfalenstadions“, erzählt Hering, der bei der Aktion zwar nicht dabei war, aber über den Kollegen an die Imkerei kam. Die Bienen, die Hering 2009 nach dem Tod des Kollegen übernahm, sind quasi waschechte Borussen. 

2014 ging der gelernte Tischler zur Flughafenfeuerwehr, um sich nach 23 Jahren auf verschiedenen Wachen noch einmal zu verändern; die Bienen nahm er mit. Mit ihnen beschäftigt er sich alle sieben Tage für etwa anderthalb Stunden, entweder vor oder nach dem Dienst. Er fährt raus zu den Bienenstöcken auf den Wiesen am anderen Ende des Flughafens. „Zuerst guck ich mir am Flugloch an, wie der Flugbetrieb ist, dann ziehe ich den Schutzanzug an und mache die Völker auf.“

Flughafen wirbt mit schadstofffreiem Honig

Der Flughafen unterstützte Hering von Anfang an mit der nötigen Ausrüstung. Denn der Airport wollte mithilfe der Bienen ein Monitoring machen. „An Wachs und Honig kann man ablesen, was für Schadstoffe wie stark konzentriert sind“, sagt Hering. Von jeder Ernte schickt er Proben an ein Labor nach Bremen. In acht bis zehn Tagen erhält er die Ergebnisse. „Keinerlei Schadstoffe, alles im grünen Bereich. Der Honig ist einwandfrei und zum Verzehr freigegeben“, so Hering. Damit wirbt auch der Airport gern. „Den Flughafenhonig bekommt die Marketingabteilung, die verkauft ihn hochoffiziell oder verteilt ihn als Weihnachtsgeschenk.“

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Quelle: wa.de

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