Lamine B. und Diallo A. aus Guinea hoffen auf eine Lebensperspektive

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Diallo (l.) und Lamine haben ihrer westafrikanischen Heimat Guinea den Rücken gekehrt und hoffen auf eine Chance, in Deutschland Fuß zu fassen. Dafür arbeiten sie im Kurs der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge an ihren Deutschkenntnissen.

Werne - Etwas lernen, eine Zukunft haben und angstfrei leben – Lamine B. (23) und Diallo A. (19) aus dem westafrikanischen Guinea sind dafür nach Deutschland geflohen und haben hier Asyl beantragt. In Werne lernen sie bei der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge (AGF) Deutsch.

Sie hoffen, dass daraus eine Lebensperspektive erwächst. Seit drei Monaten besuchen sie den Sprachkurs, der in der Schulzeit im Schulzentrum und in den Ferien im Juwel stattfindet. Die beiden lernen in der Fortgeschrittenen-Gruppe. Ihr Deutsch ist gut. Diallo spricht sogar so gut, dass er die Geschichte seines Landsmanns Lamine für das WA-Gespräch aus dem Französischen übersetzt.

Denn Lamines Geschichte ist kompliziert und aufwühlend. Er erzählt sie lieber auf Französisch, der Landessprache Guineas. Seine Flucht hat fast ein Jahr gedauert. Sie führte ihn über Mali, die Sahara, Algerien und Marokko nach Deutschland, wo er in Herbern lebt.

Angst und Flucht vor der eigenen Familie

Er hat Angst vor seiner Familie und der Polizei in Guinea. Sein Vater sei 2010 gefangen genommen worden und im Gefängnis verstorben – durch eine Vergiftung, wie Lamine vermutet.

Sein Onkel habe daraufhin seine Mutter geheiratet. Dieser habe es auf das Geld des Vaters abgesehen und dafür die Familie zerstört. Lamines Schwester habe er das Geld für die Schule abgenommen und sie zwangsverheiratet.

Der Guineer zeigt auf Narben an Arm und Bauch: Auch er sei im Gefängnis gewesen. Warum? „Es gibt viel Korruption bei uns. Wer der Polizei Geld gibt, kann jemanden verschwinden lassen.“ Einem, der die eigene Schwägerin heiratet und der Nichte das Geld für die Bildung raubt – was sei so jemandem noch zuzutrauen? Deshalb habe er fliehen müssen. Vor solchen Verwandten könne er nicht sicher sein.

Geringe Bildung, weil der Vater "immer so eine Scheiße gemacht hat"

Auch Diallo sah sich gezwungen, seiner Familie zu entkommen, um sich eine Zukunft aufzubauen. Der 19-Jährige ist nur wenige Jahre zur Schule gegangen – in eine Koranschule. Seine Mutter habe gewollt, dass er etwas lernt, aber für seinen Vater sei nur Religion wichtig gewesen. Lesen und schreiben könne er daher kaum.

„Nur weil mein Vater immer so eine Scheiße gemacht hat“, platzt es aus ihm heraus. Diallo weiß, dass sein Bildungsstand hier ein Problem sein kann. „In Deutschland ist es schwer ohne eine Ausbildung.“ Deswegen ist ihm Bildung so wichtig. Seine Deutschkenntnisse zeugen von der Anstrengung dafür.

Damit es noch besser wird, kommt Diallo zweimal die Woche von Ascheberg nach Werne, um den ehrenamtlichen Unterricht zu besuchen. Im Nachbarort lebt der 19-Jährige, der vor einem Jahr und sieben Monaten in Deutschland ankam.

Hoffnung auf eine Perspektive für die Zukunft

Zuvor besuchte der Flüchtling zwei Monate lang das Bildungsinstitut Münster. Er wollte mit seiner Zeit etwas anfangen: „Ich will nicht den ganzen Tag schlafen.“ Den Kursus habe er sich, trotz aller Hürden, selbst organisiert.

Diallo möchte weitermachen, einen Integrationskurs absolvieren. Beim Bims hätten einige Kursteilnehmer Praktikumsstellen bekommen, erzählt er. Nun hofft er, dass für ihn eine Tür aufgeht und er eine Perspektive für die Zukunft hat. 

Die Situation in Guinea

Von den mehr als 260 Flüchtlingen, die aktuell in Werne leben, stammten bei der jüngsten Erhebung sieben aus Guinea. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind mehr als 33 000 Menschen aus Guinea auf der Flucht.

Guinea befindet sich gerade auf dem Weg von einer Militärdiktatur zu einer Demokratie. 2010 und 2013 gab es die ersten freien Wahlen. Gleichzeitig warnt das Auswärtige Amt aber vor gewaltsamen Konflikten zwischen Regierung und Opposition, sowie vor Gewalt zwischen Familienclans und ethnischen Gruppen. Mehr als die Hälfte der Einwohner des Landes leben in Armut (55 Prozent). Guinea belegt den 179. von 187 Plätzen des Human Development Index der Vereinten Nationen.

Quelle: wa.de

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