Unterbringung als „menschenunwürdig“ kritisiert

90 Flüchtlinge fliehen aus Hamm

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Bilder wie diese aus der Alfred-Fischer-Halle verschickten die Asylbewerber an die Bekannten in Selm-Bork.

Hamm - 90 Asylbewerber sind in Hamm einfach davongelaufen. Zuvor hatten sie gegen ihre angeordnete Unterbringung in einer alten Maschinenhalle auf einem früheren Zechengelände protestiert. Angeblich seien die Zustände in der Alfred-Fischer-Halle menschenunwürdig, hatte es aus den Reihen der Flüchtlinge geheißen.

Die Verschwundenen waren ursprünglich in einer Einrichtung neben der Landespolizeischule in Selm-Bork untergebracht. Zu Anfang der Woche hatte die Bezirksregierung Arnsberg die Auflösung dieses aus Zelten bestehenden Lagers angeordnet. Zu diesem Zeitpunkt waren dort 400 Bewohner untergebracht. Sie alle sollten „en bloc“ in die Maschinenhalle nach Hamm verlegt werden, sagte am Mittwoch der Sprecher der Bezirksregierung, Benjamin Hahn.

Doch das ging nicht so glatt wie beabsichtigt. Offenbar hatten vorausfahrende Asylbewerber ihre Mitbewohner über die als deutlich schlechter beurteilten Zustände in der Hammer Unterkunft informiert. Daraufhin verweigerten die verbliebenen Flüchtlinge die Überführung nach Hamm. Mit Hilfe der Polizei sei die Umsiedlung nach Hamm dann aber doch planmäßig vollzogen worden, so Hahn. 

Mangel an Privatsphäre

Nach der Ankunft in Hamm verdunkelte sich jedoch die Stimmung unter den Asylbewerbern aus Selm-Bork weiter. Sie hätten sich bei den Mitarbeitern vor Ort wegen des Mangels an Privatsphäre in der Maschinenhalle beschwert. Die jeweiligen „Wohnbereiche“ sind hier nur mit Bauzäunen abgetrennt. Die improvisierten Wände hatten die Asylbewerber zuletzt mit Tüchern bespannt. Die Intimsphäre sei so nicht gewahrt, beklagten viele Neuankömmlinge, darunter Familien mit Kindern. 

Flüchtlinge werden anders untergebracht

Am Mittwoch eskalierte die Situation. Mittags setzte sich zuerst eine Gruppe von etwa 60 Personen ab und trat den Fußweg zum nahe gelegenen Bahnhof an. Stunden später waren sie wieder in Selm-Bork, wo sie von Mitarbeitern der Bezirksregierung aufgegriffen wurden. „Wir verstehen, dass es unter den Betroffenen zu Frustrationen gekommen ist“, sagte Hahn. Deshalb würden die weggelaufenen Flüchtlinge jetzt in andere Einrichtungen gebracht – unter anderem nach Wickede-Ruhr. 30 Flüchtlinge blieben allerdings verschwunden. Nach ihnen suchen die Behörden noch, so Hahn.

OB rügt Bezirksregierung

Kritik am Vorgehen der Bezirksregierung kam vom Oberbürgermeister der Stadt Hamm, Thomas Hunsteger-Petermann (CDU). Er verwies darauf, dass in einer anderen, gut ausgestatteten Unterkunft der Stadt, derzeit rund 270 Plätze nicht in Anspruch genommen werden. „Ich bitte Sie darum, dass erst diese Kapazitäten genutzt werden, bevor die Menschen in Notunterkünfte gebracht werden“, schrieb der OB.

Quelle: wa.de

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