"Verwesungsstörung" durch Lehmschicht auch in Bad Sassendorf

"Staunässe" auf Friedhöfen: Aus für Körperbestattungen

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Nutzungsrechte für Körperbestattungen will die Gemeinde für den Friedhof Alleestraße nicht mehr vergeben, weil es durch Staunässe Probleme mit der Verwesung gibt. Wegen des Trends zu Urnenbegräbnissen wird der Friedhof zudem umgestaltet.

Bad Sassendorf - Wegen Problemen mit Staunässe will die Gemeinde auf dem Friedhof an der Alleestraße künftig keine Nutzungsrechte mehr für Körperbestattungen vergeben. Zudem soll der Friedhof mit Blick auf den starken Trend zu Urnenbestattungen erheblich umgestaltet werden.

„Aus der Erde sind wir genommen, zur Erde sollen wir wieder werden.“ Was der Priester beim Beerdigungsritus so eindringlich schildert, funktioniert auf dem Bad Sassendorfer Friedhof oft nicht so recht. Die Ursache, so Bürgermeister Malte Dahlhoff, ist eine Lehmschicht im Untergrund, die das Versickern des Oberflächenwassers in tiefere Bodenschichten verhindert.

In der Staunässe wird es oft nichts mit dem „Erde zu Erde, Staub zu Staub“. Deshalb sollen neue Nutzungsrechte für Körperbestattungen auf dem Friedhof an der Alleestraße nicht mehr vergeben werden. Bereits bestehende Nutzungsrechte bleiben davon aber unberührt.

Ungewöhnlich ist diese Vorgehensweise durchaus nicht: „Verwesungsstörung ist generell ein Problem in Deutschland“, sagt Christoph Keldenich, der Vorsitzende des Vereins Aeternitas, der sich der Bestattungskultur widmet. 

Bei 30.000 bis 35.000 Friedhöfen in Deutschland sei es in den letzten Jahren bei 100 bis 150 Friedhöfen vorgekommen, dass nur noch Urnen zugelassen wurden. Dies sei letztlich auch für die Angehörigen besser, die Funktion der Friedhöfe bestehe nun einmal darin, innerhalb der Ruhefrist die Verwesung zu gewährleisten. 

Die in den Friedhofssatzungen festgelegten Ruhefristen orientieren sich daher auch an den Bodenverhältnissen. Üblich sind in Deutschland zwischen zehn und 30 Jahre, in Sassendorf betragen sie 25 Jahre. Dennoch hat es schon seit längerem Probleme gegeben, erläutert Fachbereichsleiter Wolfgang Stember: „Wir wollten deshalb jetzt eine einheitliche Lösung haben.“

Wer kein Nutzungsrecht auf dem Sassendorfer Friedhof hat, aber eine Körperbestattung wünscht, wird auf den Friedhof in Lohne verwiesen, der vor Jahren wegen der damals erwarteten vollen Belegung an der Alleestraße als Zentralfriedhof gedacht war. Die Vollbelegung ist inzwischen wegen des Trends zu Urnenbestattungen allerdings kein Thema mehr. Zahlen dazu: 2006 gab es laut Gemeindeverwaltung noch 50 Körper- und 61 Urnenbestattungen, 2015 waren es 22 Körper- und 73 Urnenbeisetzungen. Für Deutschland, so Keldenich geht der Trend deutlich in Richtung 70 Prozent Urnenbestattungen. In Nord- und Ostdeutschland betrage diese Quote örtlich sogar 95 Prozent.

Diese Entwicklung kommt der Gemeinde zupass. In dem Maße, in dem Grabstellen für Körperbestattungen frei werden, soll der Friedhof an der Alleestraße in Zukunft umgestaltet werden. Dies hat der Ausschuss für Landschaftspflege und Umweltschutz beschlossen. Vorgesehen sind Urnenwände und Kolumbarien, Urnenbestattungen unter Bäumen oder auf Rasenfeldern. Außerdem soll ein Urnenfeld angelegt werden, das mit Schmetterlinge anziehenden Pflanzen bestückt wird. Sofern keine anonyme Bestattung erfolgt, kann eine namentliche Kennzeichnung der Urnengräber durch Grabplatten direkt am Beerdigungsplatz oder an Stelen in der Nähe erfolgen.

Bauamtsleiter Stember ist überzeugt, dass diese Angebote ankommen: „Wir meinen, das haben die heimischen Bestatter bestätigt, dass wir damit auf der Höhe der Zeit sind.“

Quelle: wa.de

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