Täter stammen "eindeutig aus den Niederlanden"

Geldautomaten-Knacker scheitern erstmals an Farbkartusche

+
So sieht ein gesprengter Geldautomat aus.

Düsseldorf - Dutzende Male haben sie schon zugeschlagen, meistens nachts, zunehmend brachial. Die Diebe jagen landesweit Geldautomaten in die Luft, oft machen sie sich unerkannt aus dem Staub. Nun meldet eine Bank einen Erfolg im Kampf gegen die Panzerknacker.

Nach Dutzenden Überfällen auf Banken und Sparkassen gibt es einen ersten Erfolg im Kampf gegen die Geldautomaten-Banden: Im Raum Heinsberg scheiterten Diebe erstmals an einem mit einer Farbkartusche gesicherten Automaten. Durch die rote Farbe seien die Scheine wertlos geworden, die Täter flohen ohne Beute. 

"Das zeigt, wie wirkungsvoll der Einsatz von neuer Sicherheitstechnik ist", kommentierte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Mittwoch nach Angaben seines Hauses. Die mutmaßlichen Täter stammten nach Ansicht der Ermittler "eindeutig aus den Niederlanden". 

Seit Monaten versuchen Diebe vor allem in den grenznahen Regionen nachts Geldautomaten aufzusprengen, um Bargeld zu erbeuten. In diesem Jahr wurden schon weit über 20 Taten registriert. Im vergangenen Jahr wurden 67 Taten verzeichnet. 

Nach Einschätzung der Polizei steht hinter der Serie eine Szene mit 250 Mitgliedern allein in den Niederlanden. Oft gehen Täter rabiat vor: In einem Fall hatten sie mit einem Traktor einen Automaten aus einer Bank gerissen und den Vorraum einer Sparkasse verwüstet. 

Nach Erkenntnis der Ermittler werden die Tatorte nach immer dem gleichen Muster ausgesucht: Es handelt sich um ländliche Gebiete, bevorzugt in Grenznähe und mit guter Autobahnanbindung. Die Täter sollen vor allem aus den Niederlanden stammen. Dort würden Geldautomaten schon seit Jahren immer besser geschützt, sagte Jäger.

Farbkartuschen seien im Nachbarland weit verbreitet. "Warum kommen die niederländischen Banden denn zu uns?", sagte der Minister. "Wir müssen ihnen den Anreiz nehmen." Er warb erneut dafür, alle Automaten mit modernen Sicherungen gegen Gasattacken auszustatten. Dazu gehörten besser gesicherte Geldschächte, Gas-Sensoren und die Kartuschen, die Geldnoten für die Täter bei einer Explosion wertlos machten.

Bankenvertreter in NRW zeigen sich bislang aber sehr zurückhaltend, was die Nachrüstung der mehreren Tausend Automaten angeht. Sie weisen unter anderem auf die vierstelligen Kosten für Farbkartuschen je Automat hin. 

Ein Patentrezept gibt es nach Expertenmeinung auch nicht. "Welche Maßnahmen in welcher Form eingesetzt werden, hängt von der jeweiligen standortbezogenen Risiko- und Gefährdungssituation ab", erklärte vor kurzem eine Sprecherin des Deutschen Bankenverbandes. Die Schließung von Filialen an Risikostandorten sei das letzte Mittel. - dpa

Quelle: wa.de

Kommentare