Graffiti-Reinigung: Sauberer Fehlstart bei National Express

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Schön anzusehen, aber nicht immer schön in Fahrt. Bei National Express (hier ein Zug im Kölner Hauptbahnhof) haben sich die Pannen im Nahverkehr gehäuft.

Hamm - Der Start von National Express verläuft alles andere als planmäßig. Dass das Unternehmen in der vergangenen Woche Graffiti während der Betriebszeiten entfernen ließ und den Fahrgästen dadurch Verspätungen und Komplettausfälle zumutete, ist bislang wohl einzigartig in der Eisenbahngeschichte.

Am Dienstag und Mittwoch der Vorwoche hatte das Unternehmen sowohl auf der Linie RE7 zwischen Krefeld und Rheine als auch auf der RB48 zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Bonn-Mehlem Züge aus dem Verkehr genommen, um Graffiti zu entfernen. Die Fahrgäste waren darüber nicht informiert, sahen sich mit Verspätungen, plötzlichen Ausfällen oder verringerten Platzkapazitäten konfrontiert. 

National Express kommunizierte die „Anti-Graffiti-Aktion“ erst am vergangenen Donnerstag über die eigene Homepage. Hartnäckig hält sich seitdem die Begründung, ein „hohes Tier“ aus der britischen Konzernspitze sei zu Gast gewesen – daher die Aktion Saubermann. Ein Zugbegleiter hatte dies gegenüber Fahrgästen im RE7 geäußert. 

Anonymer Hinweisgeber bei National Express beschäftigt

Daniel Prüfer, Sprecher von National Express, erklärte daraufhin gegenüber unserer Zeitung, von einem Besuch sei nichts bekannt. Inzwischen erneuerte ein anonymer Hinweisgeber, nach eigenen Angaben bei National Express beschäftigt, die Version vom Besuch aus der Führungsspitze. Bereits Wochen zuvor habe es ein „heftiges Tra-Ra“ wegen zuviel Graffiti an den Zügen gegeben. 

Auf erneute Anfrage antwortete Prüfer: „Vertreter aus der britischen Konzernzentrale sind nahezu jede Woche (...) in Deutschland zu Besuch. Daher steht die Entfernung der Graffiti in keinem direktem Zusammenhang zu einem Besuch aus England.“ 

Auf seiner Homepage hatte National Express erklärt, die Entfernung von Graffiti sei nur in speziell ausgestatteten Werkstätten unter Einhaltung von strengen Arbeits- und Umweltvorschriften möglich. Auch das zieht der Hinweisgeber in Zweifel: Die Züge seien nicht in „Spezialwerkstätten“ gereinigt worden, sondern in der normalen Abstellung in Wuppertal-Langerfeld. Mitarbeiter der beauftragten Firma hätten ohne Mundschutz gearbeitet. 

Kritik vom Zweckverband 

„Fast die Hälfte der derzeit 34 Fahrzeuge war mit Graffiti übersät und zum Teil unbenutzbar“, erklärte der National-Express-Sprecher auf Nachfrage. „Insgesamt ist es auf beiden Linien zu Teil- und Komplettausfällen gekommen“, räumte er ein. Die Züge seien in Hagen, Köln und Wuppertal gereinigt worden. Da die Reinigungsmittel nur oberhalb des Gefrierpunktes funktionierten, habe National Express die frostfreie Zeit genutzt und eigentlich zur Verstärkung von Zügen notwendige Fahrzeuge aus dem Betrieb gezogen und diese kurzfristig gesäubert. 

Eine weitere Panne ereignete sich am Freitag im Bahnhof Münster. Diese aber geht auf die Kappe der Deutschen Bahn. Um 21.34 Uhr fuhr der RE7 leer vom falschen Gleis in Richtung Hagen. Die Reisenden warteten ein Gleis weiter auf den dort angezeigten Zug. Eine Sprecherin der Bahn räumte den Fehler ein. Der Gleiswechsel sei kurzfristig erfolgt und nicht auf die Anzeige am Bahnsteig übertragen worden. 

Der Zweckverband Ruhr-Lippe (ZRL) als Auftraggeber von National Express verfolgt den holprigen Start kritisch. „Einem erfahrenen Betriebler wäre so etwas sicher nicht passiert“, sagte ZRL-Sprecher Uli Beele mit Blick auf die Graffiti-Aktion. Zwar sei die zeitnahe Entfernung von Graffiti vertraglich vereinbart, es sei allerdings davon auszugehen, dass dies nicht während der Betriebszeiten geschehe. Es werde nun geprüft, ob nach selbst verschuldeten Ausfällen ein ebenfalls vertraglich vereinbarter Abschlag zu zahlen sei. 

Beele kündigte für Anfang Februar ein erstes Bilanz-Gespräch zwischen ZRL und National Express an. „Das ist normal. Bis dahin werden wir sammeln und sichten und dann anhand gesicherter Fakten Probleme aufarbeiten.“ Die Ergebnisse sollen öffentlich gemacht werden.

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Quelle: wa.de

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